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Deutsches Zentrum für Diabetesforschung nimmt Arbeit auf

Die Leiter der fünf Partnerinstitute des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung: Michael Roden (Deutsches Diabetes-Zentrum), Hans-Georg Joost (Deutsches Institut für Ernährungsforschung), Michele Solimena (Technischen Universität Dresden), Martin Hrabé de Angelis, (Helmholtz Zentrum München), Hans-Ulrich Häring (Universität Tübingen). <ic:message key='Bild vergrößern' />
Die Leiter der fünf Partnerinstitute des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung: Michael Roden (Deutsches Diabetes-Zentrum), Hans-Georg Joost (Deutsches Institut für Ernährungsforschung), Michele Solimena (Technischen Universität Dresden), Martin Hrabé de Angelis, (Helmholtz Zentrum München), Hans-Ulrich Häring (Universität Tübingen). Quelle: Ingo Kniest

09.11.2010  - 

Bereits 2008 wurde ein nationales Diabeteszentrum unter Federführung des Helmholtz-Zentrums München angekündigt, für das über einen Zeitraum von zehn Jahren bis zu 400 Millionen Euro zur Verfügung stehen soll. Jetzt haben sich fünf Forschungsstandorte in einem Verein organisiert und das Deutsche Diabetesforschungs-Zentrum (DZD) offiziell in Berlin eröffnet. „Allein in Deutschland sind rund acht Millionen Menschen von der Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) betroffen – ebenso viele Menschen haben laut aktuellen Schätzungen einen bislang unerkannten Diabetes oder ein hohes Erkrankungsrisiko“, betonte Helge Braun, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesforschungsministerium. „Daher ist es von großer Wichtigkeit, dass wir mit dem DZD neue Perspektiven für Prävention, Therapie und Diagnose des Diabetes mellitus schaffen. Hier nutzen wir alle Erkenntnisse aus Wissenschaft und Praxis optimal zum Wohl der Patienten“, so Braun.

 

Neben dem Helmholtz-Zentrum München sind das Deutsche Diabeteszentrum Düsseldorf, das Deutsche Institut für Ernährungsforschung in Potsdam-Rehbrücke, die Universität Tübingen und das Universitätsklinikum Dresden beteiligt. „Diese Form der Zusammenarbeit setzt auf Arbeitsteilung, weil es in der Diabetesforschung auf neue Ideen der besten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ankommt“, betonte Braun in Berlin. In der Gründungsphase werden die Einrichtungen jährlich mit 33 Millionen Euro gefördert. Davon kommen 90 Prozent vom Bund und zehn Prozent von den jeweils beteiligten Ländern.

Hintergrund

Sie wollen mehr über das Deutsche Diabetesforschungszentrum erfahren? Dann schauen Sie auf der Webseite vorbei.

Mehr Informationen: www.dzd-ev.de

Die Diabetesforschung ist damit die zweite Volkskrankheit, für die ein nationales Zentrum geschaffen wird. Für neurodegenerative Erkrankungen wurde inzwischen in Bonn ein entsprechender Standort etabliert (mehr...). Vier weitere Zentren der Gesundheitsforschung nehmen derweil Gestalt an: Das Deutsche Zentrum für Herz-Kreislaufforschung, das Deutsche Konsortium für Translationale Krebsforschung, das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung und das Deutsche Zentrum für Lungenforschung.  Am 8. November gab das Bundesforschungsministerium insgesamt 27 Standorte bekannt, die sich als Partner für die Endrunde qualifiziert haben (mehr...). Die Einrichtungen, die jeweils um ein Helmholtz-Zentrum als Kristallisationskeim angelegt sind, sollen die Vernetzung von Grundlagenforschung und klinischer Forschung zu bestimmten Großthemen  der Medizin vorantreiben. Auch die Patienten sollen schneller profitieren. "Die Deutschen Zentren sollen entscheidend dazu beitragen, die Translation, also den Transfer von Forschungsergebnissen aus dem Labor in die breite medizinische Versorgung, deutlich zu beschleunigen", so Bundesforschungsministerin Annette Schavan.

 

Für Diabetiker gehört die Blutzuckermessung zum Alltag. Das Deutsche Zentrum für Diabetesforschung soll eine bessere Prävention, Therapie und Diagnose ermöglichen.Lightbox-Link
Für Diabetiker gehört die Blutzuckermessung zum Alltag. Das Deutsche Zentrum für Diabetesforschung soll eine bessere Prävention, Therapie und Diagnose ermöglichen.Quelle: Bayer Healthcare

Dass die Etablierung derartiger Zentren innerhalb der vielseitig aufgestellten deutschen Forschungslandschaft nicht immer leicht zu bewerkstelligen ist, zeigt das Beispiel Diabetes. „Es gab viel Widerstand. Die Universitäten fühlten sich ausgeschlossen, auch einige außeruniversitäre Institute sahen sich ausgegrenzt, man fürchtete eine Dominanz der Helmholtz-Gemeinschaft“, erläuterte Günther Wess, Chef des Helmholtz-Zentrums München, gegenüber der Berliner Zeitung (zum Interview: hier klicken), warum die Gründung des Diabetes-Zentrums zwei Jahre Zeit in Anspruch genommen hat. Die Lösung: alle beteiligten Einrichtungen haben einen Verein gegründet. Nach der Aufbauphase soll es zudem eine Ausschreibung geben, um weitere Partner ins Boot zu holen. Aus Sicht des Wissenschaftlers ist die Gründung eines solchen Zentrums dringend geboten. „Diabetes ist eine weltweite Epidemie, die noch längst nicht gestoppt ist. In Deutschland wurde bisher viel zu wenig zur Erforschung dieser Krankheit getan“, sagte Wess.

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Molekulare Ursachen von Diabetes aufklären 

Die Wissenschaftler am Zentrum wollen vor allem den Ursachen von Diabetes noch mehr auf den Grund gehen. Je nach Krankheitsursache wird zwischen unterschiedliche Typen des Diabetes mellitus unterschieden: Beim Typ1-Diabetes  führt die Zerstörung der insulinproduzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse zu einem absoluten Diabetes. Der Typ2-Diabetes ist durch unterschiedliche Kombinationen von Faktoren wie beispielsweise Insulinresistenz, Insulinmangel sowie gestörter Insulinwirkung gekennzeichnet.  „Bisher kennen wir 35 Gene, die alle minimal zu der Krankheit beitragen. Was lösen sie im Einzelnen aus? Und wie wirken sie zusammen?“, formuliert Wess einige der grundlegenden Probleme, die es noch zu klären gilt. So will Anette-Gabriele Ziegler, seit März Leiterin des frisch gegründeten Instituts für Diabetsforschung am Helmholtz-Zentrum München, zum Beispiel darauf hinarbeiten, mithilfe neuester molekularer Einblicke in die Entstehung der Krankheit die Früherkennung von Diabetes zu verbessern und beispielsweise eine Impfung gegen Typ1-Diabetes zu entwickeln (mehr...). Einen weiteren Arbeitssschwerpunkt sieht Wess aber auch darin, den Zusammenhang zwischen Übergewicht und Diabetes genauer zu entschlüsseln.

Mit Industrie auf Augenhöhe verhandeln 

Aufbauend auf diesen Erkenntnissen wollen die Forscher neue Wege für Therapien aufzeigen. „ Die wenigen Wirkstoffe, die es heute gegen Diabetes gibt, helfen nur gegen die Symptome der Krankheit. Sie richten sich nicht gegen die Ursachen, sie können das Leiden nicht heilen“, erläutert Wess. Aus seiner Sicht liegt die Zukunft der Diabetes-Behandlung bei personalisierten Therapien:  also bei Medikamenten, die zum besonderen Stoffwechsel des jeweiligen Patienten passen. Dabei könnten einerseits vorhandene Arzneimittel gezielter eingesetzt werden, anderseits müsse man auch auf die Suche nach gänzlich neuen Wirkstoffen gehen. In spätestens drei Jahren sei unter dem Dach des Zentrums mit ersten Ergebnisse zu rechnen, so Wess. Gleichwohl dämpft er auch allzu große Erwartungen. Denn viele Ansätze befinden sich noch im Stadium der Grundlagenforschung. Dennoch öffnen sich auch die Pharmafirmen immer öfter der Kooperation mit akademischer Wissenschaft, wie die frisch geschlossene Diabetes-Allianz des Münchner Max-Planck-Instituts für Biochemie mit dem britischen Pharmakonzern GlaxoSmithKline zeigt (mehr...).

Die Kooperation mit der Industrie soll auch beim neuen Zentrum eine große Rolle spielen. Die Forschungseinrichtungen sehen sich dabei auf Augenhöhe mit der Industrie. „Wir geben Erkenntnisse nicht für uns umsonst weg und lassen uns nur auf Kooperationen ein, die zu uns passen“, kündigte Wess an. Erste Gespräche würden bereits geführt. 

 

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