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Regine Hengge: Bakteriellen Biofilmen auf der Spur

Die Mikrobiologin Regine Hengge von der Freien Universität Berlin hat zur Erforschung der Biofilmbildung eine Fördersumme von zwei Millionen vom Europäischen Forschungsrat erhalten. <ic:message key='Bild vergrößern' />
Die Mikrobiologin Regine Hengge von der Freien Universität Berlin hat zur Erforschung der Biofilmbildung eine Fördersumme von zwei Millionen vom Europäischen Forschungsrat erhalten. Quelle: privat

20.07.2010  - 

Bei Nährstoffmangel und sonstigem Stress rücken Bakterien enger zusammen und umgeben sich mit einer schleimigen Schutzhülle. Nisten sich diese Biofilme beim Menschen ein, können gefährliche Infektionen entstehen – denn zu allem Übel schützt der sogenannte Biofilm die Bakterien auch gegen Antibiotika, Desinfektionsmittel und Angriffe des Immunsystems. Regine Hengge von der Freien Universität Berlin ist eine Biofilm-Expertin. Mit ihrem Thema konnte sich die Professorin auch beim Europäischen Forschungsrat durchsetzen und eine der begehrten Förderungen erhalten. Das Herz der Mikrobiologin schlägt aber nicht nur für den Film, sondern auch fürs Theater. Sie und ihre Studenten beraten deshalb das englische Theater in Berlin bei der Inszenierung von Stücken, die einen Bezug zur Wissenschaft haben.



 

Schon zu Beginn ihrer wissenschaftlichen Karriere hat sich bei Regine Hengge alles um Mikroorganismen gedreht. Nach dem Studium an der Universität Konstanz promovierte sie mit Schwerpunkt Mikrobiologie. Nach ihrer Zeit als Nachwuchswissenschaftler an der Princeton University kehrte sie 1989 nach Konstanz zurück, wo sie 1994 habilitierte und anschließend auch als Privatdozentin tätig war.

Biofilme: Die Folge einer Hungerkur

Seit dieser Zeit untersucht die Professorin die Stressantwort von Bakterien, wenn diese unter Nährstoffmangel leiden. „Wenn Bakterien auf Diät sind, dann rotten sie sich zu Kolonien zusammen und bilden eine zähe Schutzschicht aus Polysachariden, die ihnen Sicherheit vor Fressfeinden gewährt,“ so die Mikrobiologin. Doch in diesem multizellulären Zustand – dem Biofilm - machen die Bakterien auch den Menschen das Leben schwer: sei es als schleimige Ablagerung in Wasserleitungssystemen, aber auch in Kathedern, in Wunden und der Mundhöhle, wo sie Karies und Parodontose hervorrufen. Selbst mit Antibiotika und Desinfektionsmittel kann man ihnen dann nichts mehr anhaben.

Bakterien einer Kolonie von Escherichia coli erscheinen Blau, weil eines ihrer Gene mit einem Reportergen verknüpft ist, das wiederum mit einem Farbstoff reagiert. So testet die Forschergruppe um Hengge die Aktivität bestimmter Bakteriengene.Lightbox-Link
Bakterien einer Kolonie von Escherichia coli erscheinen Blau, weil eines ihrer Gene mit einem Reportergen verknüpft ist, das wiederum mit einem Farbstoff reagiert. So testet die Forschergruppe um Hengge die Aktivität bestimmter Bakteriengene.Quelle: FU Berlin

Der Schwachpunkt der Biofilme könnte ein Signalmolekül namens zyklisches di-GMP sein, das die 17-köpfige Arbeitsgruppe um Hengge am Fachbereich Biologie, Chemie und Pharmazie der Freien Universität Berlin nun genauer unter die Lupe nimmt. „Wir untersuchen die Regulation der Synthese und Wirkungsweise dieses Biofilm-stimulierenden Moleküls und fahnden nach Wirkstoffen, die dieses bei fast allen Bakterien vorkommende Signalmolekül ausschalten,“ erläutert Hengge. Ihre Arbeit ist dabei nicht unbeachtet geblieben. Im Jahr 1998 erhielt Hengge den renommierten Gottfried-Wilhelm-Leibniz Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft.

„Damals ging alles Schlag auf Schlag. Mein zweites Kind wurde geboren, ich bekam den Leibniz-Preis verliehen und nahm einen Ruf als Professorin für Mikrobiologie an der Freien Universität Berlin an,“ erinnert sich Hengge gerne zurück. Und erst kürzlich konnte sie wieder einen Erfolg verbuchen: Seit Dezember 2009 zählt Hengge zu den glücklichen Gewinnern einer „Advanced Investigator Grant“ des Europäischen Forschungsrates. Das Vorhaben wurde aus 1584 Anträgen und als einer von 513 Anträgen in den Lebenswissenschaften ausgewählt. Die Förderung sichert über die nächsten fünf Jahre insgesamt zwei Millionen Euro.

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Von der Biologie zum Theater und zurück

Die Forscherin lebt aber nicht nur für die Wissenschaft. „Bei mir zu Hause wurde Kunst immer groß geschrieben,“ erzählt die 53-jährige Wissenschaftlerin. „Meine Eltern waren Grafik- und Modedesigner, meine Geschwister sind Musiker, Designer und Architekten.“ Kunst und Wissenschaft schließen sich bei der Biologin deshalb nicht aus. Gemeinsam mit ihrem Studenten berät sie das English Theatre Berlin bei der Inszenierung sogenannter ‚Science Plays’. Dazu gehört zum Beispiel das Stück „A Number“,der britischen Autorin Caryl Churchill, das sich anhand der Geschichte eines Vaters und seines geklonten Sohns mit Fragen der menschlichen Identität und familiärer Machtverhältnisse befasst. „Ich interessiere mich für die gesellschaftliche Bedeutung von Wissenschaft, und das Theater ist ein wunderbares Medium sich damit auseinanderzusetzen“, erläutert Hengge.

Im Vorfeld der Aufführung haben die Forscherin und ihre Studenten intensiv mit Regisseur und Schauspielern diskutiert – unter anderem über die Frage, welche sozialen und ethischen Auswirkungen die moderne biomedizinische Forschung haben kann. Daraus sind dann auch die Texte für das Programmheft entstanden. „Für meine Studenten war es eine hervorragende Übung in Wissenschaftskommunikation“, sagt Hengge. Nachdem die ersten Vorstellungen im Juni gut ankamen, wird es vom 6. bis 10. November 2010 nochmals die Gelegenheit geben, das Theaterstück mit  anschließender Diskussion mitzuerleben.


Autorin: Andrea van Bergen

 

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