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Susanne Häußler: Resistente Bakterien blitzschnell entlarven

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Susanne Häußler ist Professorin in der Abteilung Zellbiologie der Medizinischen Hochschule Hannover. Quelle: Twincore-Zentrum Hannover

21.12.2010  - 

Bei Susanne Häußler geht es nicht nur darum, richtig zu liegen. Die Professorin an der Medizinischen Hochschule Hannover arbeitet daran, auch möglichst schnell richtig zu liegen. Häußler versucht, für Bakterien das passende Antibiotikum zu finden. Gerade in Krankenhäusern können Bakterien bei geschwächten Patienten gefährliche Infektionen verursachen. Angesichts von multiresistenten Bakterien kann die Suche nach einem wirksamen Gegenmittel mehr als 48 Stunden dauern. Zeit, die der Patient oftmals nicht hat. Mit ihrer Methode will Häußler die Ärzte schon nach wenigen Stunden mit einer Handlungsanweisung versorgen.



 

„In bestimmten Fällen können wenige Stunden entscheidend sein“, erklärt Häußler. „Hat ein Patient zum Beispiel eine Sepsis und bekommt das falsche Antibiotikum, kann das fatal sein.“ In den vergangenen Jahrzehnten haben Bakterien gegen immer mehr Antibiotika Resistenzen entwickelt. Diese Unempfindlichkeit der Keime gegenüber den gängigen Wirkstoffen machen die Vorhersagen für eine erfolgreiche Behandlung immer schwieriger. Der klassische Weg, diese Resistenzen aufzuspüren, ist das Anlegen von Bakterien-Kulturen. „Man lässt die Keime in Petrischalen wachsen und konfrontiert sie dann mit unterschiedlichen Antibiotika“, so Häußler. Doch das dauert Tage, in denen der ohnehin geschwächte Patient den Bakterien ausgeliefert ist.

Elektronenmikroskopische Aufnahmen von Pseudomonas aeruginosa, einem sehr anpassungsfähigen Erreger, der zunehmend an Bedeutung insbesondere bei Krankenhausinfektionen gewinnt.Lightbox-Link
Elektronenmikroskopische Aufnahmen von Pseudomonas aeruginosa, einem sehr anpassungsfähigen Erreger, der zunehmend an Bedeutung insbesondere bei Krankenhausinfektionen gewinnt.Quelle: Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung

Sämtliche Resistenzgene identifizieren

Während ihres Medizin-Studiums interessierte sich Susanne Häußler vor allem für die theoretischen Fächer. Nicht zuletzt deshalb war ihr bald klar, dass aus ihr eine Forscherin werden würde. „Das naturwissenschaftliche Denken ist mir einfach sehr nah.“ Der wissenschaftliche Ansatz hinter ihrer Forschungsarbeit ist genetisch geprägt: „Die Resistenzen von Bakterien sind in deren Genom verschlüsselt“, erklärt sie. „Wir wollen nun sämtliche genetischen Determinanten identifizieren, die für die Resistenzen verantwortlich sind.“ Kennt man die Mutationen, die ein Bakterium resistent machen, so die Logik, kann man mit einem schnellen DNA-Test das passende Antibiotikum zuordnen. Vorher kommt allerdings die Fleißarbeit: Die Identifizierung aller Mutationen ist ein Mammut-Projekt. Aber so bedeutend, dass der Europäische Forschungsrat die Arbeiten über die kommenden fünf Jahre mit 1,5 Millionen Euro unterstützt.

Testkultur von Pseudomonas aeruginosa auf Agarplatten, kurz vor dem Kontakt mit Antibiotika.Lightbox-Link
Testkultur von Pseudomonas aeruginosa auf Agarplatten, kurz vor dem Kontakt mit Antibiotika.Quelle: Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung

Nach ihrer Facharztausbildung wäre Susanne Häußler gerne in die USA gegangen, doch ihre beiden Kinder waren damals noch sehr klein und ihr Ehemann nicht umzugsbereit. „Andere gehen für ihre erste Forschungsstelle ins Ausland, ich bin nach Braunschweig gegangen“, erinnert die 42-Jährige sich mit einem Augenzwinkern. Nun ist das Helmholtzzentrum für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig aber auch nicht gerade die schlechteste Adresse für den Einstieg in die Forschung. „Ich kam ja aus der medizinischen Diagnostik.

Twincore-Zentrum

Susanne Häußler leitet am Twincore-Zentrum für Experimentelle und Klinische Infektionsforschung in Hannover die Abteilung Pathophysiologie bakterieller Biofilme.

zu Twincore: hier klicken

Die Arbeit am HZI dagegen ist sehr viel mehr auf Grundlagenforschung ausgerichtet, und ich konnte mit Technologien arbeiten, die nur in Großforschungseinrichtungen möglich sind.“ Davon habe sie sehr profitiert.

Bioinformatiker ordnen die rieisgen Datenmengen

In ihrem aktuellen Projekt vereint sie nun beides: klinische Diagnostik und genetische Grundlagenforschung. Susanne Häußler wird Bakterienstämme aus dem Klinikalltag sammeln und anhand ihrer Phänotypen in Gruppen untersuchen. Dann folgt die Suche nach denjenigen Mutationen, die spezifisch sind für eine Gruppe und anschließend der Test, ob die identifizierten Mutationen tatsächlich für die Resistenzen verantwortlich sind. „Wir haben es dabei mit extrem großen Datensätzen zu tun“, erklärt Häußler die größte Herausforderung des Projekts, das am Helmholtzzentrum in Braunschweig und am Twincore-Zentrum für Klinische und Experimentelle Infektionsforschung in Hannover angesiedelt ist. Bioinformatiker übernehmen dabei die Aufgabe, die DNA der Bakterien auszulesen und die riesigen Datenmengen handhabbar zu machen.

Fragt man Susanne Häußler, was sie an der Arbeit in der Forschung reize, antwortet sie ohne großes Zögern: Freiheit. Forschung bedeute für sie „die Freiheit, sich mit den Fragen zu beschäftigen, die einen interessieren“. Einen Moment lang scheint sie dem Satz selbst  nachzuhorchen und fügt dann hinzu, dass diese Freiheit gleichzeitig mit einer großen Verantwortung verknüpft sei. „Unsere aktuelle Forschung macht nur Sinn, wenn es uns gelingt, die genetischen Faktoren für alle Resistenzen zu finden. Sonst können wir das Kulturverfahren nicht ersetzen, das wäre zu riskant.“ Susanne Häußler ist offenbar bereit, diese Verantwortung zu tragen.

Autorin: Ute Zauft

 

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