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Ulrich Bogdahn: Auf dem Weg zur ALS-Therapie

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Der Neurologe Ulrich Bogdahn will die Aktivität körpereigener Stammzellen bei ALS-Patienten ankurbeln, und so das geschädigte Nervensystem regenerieren. Quelle: Prof. Dr. med Ulrich Bogdahn

18.09.2014  - 

Ulrich Bogdahn ist mit Leib und Seele Arzt und Wissenschaftler. Seine berufliche Vision: einen Beitrag leisten zur effektiven Behandlung neurodegenerativer Erkrankungen. Derzeit forscht der Ärztliche Direktor der Neurologischen Universitätsklinik in Regensburg an einer wirksamen Therapie für die bisher unheilbare Nervenkrankheit Amyotrophe Lateralsklerose (ALS), die diesen Sommer durch die „Ice Bucket Challenge“ ins mediale Rampenlicht gerückt ist. Bogdahns Idee: Nervenzellen bei Patienten nachwachsen lassen. Diese Forschungsidee will der 63-jährige Mediziner in die klinische Praxis führen. Als einer von sieben Preisträgern der diesjährigen „Gründungsoffensive Biotechnologie GO-Bio“ wird sein ehrgeiziges Vorhaben in den kommenden Jahren vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) in Millionenhöhe unterstützt.

Während weltweit Prominente mit ihrer Teilnahme an der „Ice Bucket Callenge“ die Werbetrommel für mehr Spenden zur Bekämpfung der Krankheit ALS rühren, meidet Ulrich Bogdahn das Rampenlicht ganz bewusst: „Wir wollen einfach unsere Hausaufgaben machen. Um den Strahlemann zu machen, ist es noch zu früh“, sagt der Kliniker. Trotz erster Erfolge mahnt der Neurologe zu Bescheidenheit. Denn der Weg zu einer Therapie, die das Nervenleiden ALS heilt, ist noch sehr weit. Doch die Ausdauer scheint dem heute 63-jährigen Regensburger im Blut zu liegen. Als früherer Leistungssportler im Rudern und leidenschaftlicher Rennradfahrer weiß er seine Kräfte richtig einzuteilen, um erfolgreich ans Ziel zu kommen. Bogdahn hat in Marburg und Freiburg Medizin studiert, sich auf Neurologie spezialisiert, zum Thema Immunologie promoviert. In seiner Habilitation in Würzburg beschäftigte sich Bogdahn mit experimentellen Hirntumortherapien, ein Feld, in dem er zudem lange als Klinikarzt spezialisiert war. Seit 1997 ist er ärztlicher Direktor und Gründer der Neurologischen Universitätsklinik und Poliklinik der Universität Regensburg. Obwohl mit Leib und Seele Arzt, bleibt er seit vielen Jahren auch der klinischen Forschung sehr verbunden.

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ALS-Schäden sichtbar gemacht

Seit 2005 beschäftigt sich Bogdahn mit dem Themenkomplex Neurodegeneration und Onkologie, mit besonderem Blick auf die ALS. Bei der Amyotrophen Lateralsklerose wird das motorische Nervensystem dauerhaft geschädigt – nach und nach werden Körperpartien gelähmt. In der Regel verläuft ALS tödlich. Bis heute kann die Krankheit nicht ursächlich behandelt und geheilt werden. Doch Bogdahn und sein Team vom Uniklinikum Regensburg – die auch am Deutschen Netzwerk für Motorneuronerkrankungen beteiligt sind – sind einen wichtigen Schritt weiter gekommen. Ein erster Durchbruch war die Entdeckung, dass das Molekül namens TGF-beta für die Neubildung von Nervenzellen aus Stammzellen des Zentralnervensystems eine entscheidende Rolle spielt. „Dieses Molekül wird bei Entzündungen und degenerativen Prozessen im Überfluss gebildet . Wenn es in zu großen Mengen vorliegt, wird die Neubildung von Nervenzellen mehr als ohnehin schon altersbedingt gebremst“, erklärt der Forscher. Im nächsten Schritt entwickelten Bogdahn und sein Team ein Konzept, mit dem sich die bei ALS eintretenden Schädigungen am Gehirn sichtbar machen lassen. Dazu setzen die Forscher auf bildgebende Verfahren, neurophysiologischer Methoden und Stammzellmarker. Gemeinsam erlauben sie,  den Verlauf einer Behandlung zu bewerten. „Wir haben diese Biomarker tatsächlich bei über 20 Patienten mit ALS im Rahmen ihrer Behandlung verfolgen können.“

Mit körpereigenen Stammzellen Neurogenese ankurbeln

Die Ausdauer hat sich für Bogdahns Team gelohnt. Ihre Ergebnisse überzeugten im April die Jury des diesjährigen GO-Bio-Wettbewerbs, in dem Gründerteams vom BMBF eine Anschubfinanzierung für vielversprechende Projekte erhalten. Das Projekt der ALS-Forscher wird in den kommenden Jahren in Millionenhöhe unterstützt. „Wir wollen die körpereigenen Stammzellen dazu bringen, die neurodegenerativen Schäden besser zu reparieren oder wenigstens besser zu kompensieren“, erklärt Bogdahn. Den dafür erforderlichen Wirkstoff haben sie bereits entwickelt. Dabei handelt es sich um einen sogenannten Antisense-Wirkstoff, der in Form einer Mini-Gensonde gezielt in die Hirnkammern eingebracht wird und dort die Wirkung des Moleküls TGF-beta reduziert. Durch kontinuierliche Gabe dieses Wirkstoffes hoffen die Forscher, dem bei ALS stark geschädigten Zentralen Nervensystem die Fähigkeit zurückzugeben, sich zu regenerieren und neue Nervenzellen zu bilden.

Mit GO-Bio-Förderung ins Unternehmertum

In der ersten Phase des GO-Bio-Projektes will die Arbeitsgruppe um den Neurologen Ulrich Bogdahn ihren Wirkstoff so weiter entwickeln, dass er schon bald in klinischen Studien am Patienten getestet werden kann. „Ich gehe davon aus, dass wir den Wirkstoff spätestens in zweieinhalb Jahren für klinische Einsätze verfügbar haben, vielleicht sogar früher“. Zudem sollen die Biomarker weiter perfektioniert werden, dass sie Rückschlüsse auf die Wirkung des Präparats bei individuellen Patienten zulassen. In der zweiten Phase sind die klinische Entwicklung des Wirkstoffes und die Gründung eines eigenen Biotech-Unternehmens namens „CampoNeuro Pharma“ geplant, um die ALS-Therapie auf den Markt zubringen. Die Kontakte zur Industrie sind Bogdahn zufolge schon jetzt „sehr vielversprechend“. Und so scheint auch das nächste Etappenziel in greifbarer Nähe: „Die Krankheit zum Zeitpunkt der Diagnose wenigstens bei der Mehrzahl der Patienten zum Stillstand zu bringen.“ sagt Bogdahn. Der Mediziner bremst übertriebene Erwartungen. Die ALS sei eine sehr komplexe Erkrankung mit einer sehr komplexen Genetik. „Von vornherein sollte ein sehr vorsichtiger Optimismus gepflegt werden, bis wir erste saubere klinische Daten sehen“, betont Bogdahn.

Autorin: Beatrix Boldt

 

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