Wochenrückblick
KW 05
biotechnologie.de hat für Sie sechs aktuelle Nachrichten zur Biotech-Branche der vergangenen Tage zuammengefasst:
Innere Uhr wird von Genen bestimmt +++ Münchner Forscher weisen Gendefekte mit Nano-Heizplatten nach +++ Helmholtz-Gemeinschaft erhält Zuschlag für Deutsches Demenzzentrum +++ Molekülbaukasten für Wissenschaftler entwickelt +++ Aufspüren von Schimmelpilz-Allergien verbessert +++ EU Kommission will Bedingungen für Risikokapitalinvestments erleichtern
Innere Uhr ist von Genen bestimmt: Der innere Rhythmus des Menschen bestimmt, ob jemand Frühaufsteher oder Langschläfer ist. Diese Masteruhr ist im Gehirn direkt mit den Sehnerven verknüpft und wird über das Sonnenlicht "gestellt". Jetzt haben Wissenschaftler um Achim Kramer von der Charité-Universitätsmedizin herausgefunden, dass die innere Uhr auch genetisch beeinflusst wird. Wie sie im Fachjournal Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) (2008, Vol. 106, s. 1602-1607) berichten, zeigte die Analyse der Hautzellen von Patienten mit Schlafstörungen einen direkten Zusammenhang zwischen Genaktivität und Chronobiologie: Sind die Gene aktiv, ist es der Mensch auch. "Allein am Verlauf der Kurven können wir vorhersagen, ob es sich um einen Frühaufsteher oder Langschläfer handelt", erklärt Kramer. Ein Teil der untersuchten Patienten wurde sogar als extremer Spät- oder Frühtyp eingeordnet. Die Analyse ihrer Hautzellen lässt die Forscher vermuten, dass sie einen Gendefekt haben, der ihre innere Uhr verstellt. Die neue Methode erlaubt es nun, diesen Defekt in kurzer Zeit herauszufinden und die Patienten besser gezielt mit Lichttherapie zu behandeln.
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Mit der Spitze eines Rasterkraftmikroskops (AFM) lassen sich einzelne Moleküle mit DNA-Abschnitten unterschiedlicher Bindungsfähigkeit aus Depotbereichen (links) aufnehmen und auf einer Montagefläche (rechts) wieder absetzen.Quelle: LMU MünchenMit Nano-Heizplatten Gendefekt nachweisen: In der medizinischen Forschung ist der Nachweis von DNA-Defekten ein wichtiges Thema, etwa bei der Erforschung von Erbkrankheiten. Dabei wird ausgenutzt, dass sich fehlerhafte Sequenzen in der DNA in einer herabgesetzten Schmelztemperatur des Erbguts zeigen. Eine solche Messung dauerte mit bisherigen Methoden allerdings gut 30 Minuten und eignet sich nicht für einen hohen Probendurchsatz. Wie ein Team um Joachim Stehr und Jochen Feldmann an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München nun in der Fachzeitschrift Nano Letters (2008, 26. Januar) berichten, gibt es nun eine einfachere und schnellere Alternative: Gemeinsam mit der Firma Roche Diagnostics sowie Thomas Klar von der Technischen Universität Ilmenau haben sie ein Verfahren entwickelt, mit dem sich Gendefekte in einer tausendstel Sekunde nachweisen lassen - so schnell wie nie zuvor. Der Trick: die DNA wird mit Gold-Nanoteilchen verbunden, die mittels eines Laserpulses zu winzigen Heizplatten werden. Eine Schmelzkurve wird aufgenommen, aus der sich ablesen lässt, ob die DNA in Ordnung ist oder nicht.
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Demenzzentrum zu Helmholtz-Gemeinschaft: Das Deutsche Demenzzentrum wird künftig unter dem Dach der Helmholtz-Gemeinschaft angesiedelt sein. Das kündigte Bundesforschungsministerin Annette Schavan am 29. Januar in Berlin an. Pro Jahr sollen dem Zentrum und seinen Partnern bis zu 60 Millionen Euro zur Verfügung gestellt werden. Nun hat die Ministerin den Präsidenten der Helmholtz-Gemeinschaft Prof. Jürgen Mlynek beauftragt, eine Arbeitsgruppe zu berufen, um ein Konzept zur Gründung des "Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen" zu erarbeiten. Dieses Konzept wird Aufgaben des Zentrums und die Zusammenarbeit mit potenziellen Partnereinrichtungen definieren und einen Vorschlag für den Standort des Zentrums und der Partnereinrichtungen sowie für den Gründungsdirektor enthalten. Der Arbeitsgruppe unter dem Vorsitz von Prof. Johannes Dichgans (Direktor der Klinik für Neurologie, Universität Tübingen) gehören Prof. Otmar Wiestler (Chef des DKFZ, Heidelberg), Prof. Konrad Beyreuther (Zentrum für molekulare Biologie, Universität Heidelberg), Prof. Peter Falkai (Leiter der Abteilung Psychiatrie und Psychotherapie, Universitätsklinikum Göttingen) und Frau Prof. Olivia Dibelius (Lehrstuhl für Pflegewissenschaften und Pflegemanagement, Evangelische Fachhochschule Berlin) an. Sie haben vor wenigen Tagen die medizinischen Fakultäten in Deutschland angeschrieben und zur Abgabe ihrer Bewerbungen für das Kern-Zentrum oder für die vorgesehenen Partnerinstitute aufgefordert. Ein wesentliches Kriterium für die Vorauswahl möglicher Standorte wird eine möglichst enge Zusammenarbeit mit einem durch Exzellenz im Bereich neurodegenerativer Erkrankungen ausgewiesenen Universitätsklinikum sein.
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| Mit Biochip Wechselwirkungen von Eiweißen in Aktion untersuchen |
Molekülbaukasten für Wissenschaftler: Einzelne Moleküle nanometergenau an die gewünschte Stelle zu setzen, um daraus komplexe Systeme zu bauen: Das ist ein lang gehegter Traum vieler Wissenschaftler. Denn auf diese Weise könnte man zum Beispiel biologische Prozesse maßgeschneidert ohne lebende Zellen auf einem Chip durchführen. Stefan Kufer und seine Kollegen aus der Arbeitsgruppe von Professor Hermann Gaub, Lehrstuhl für Experimentelle Physik-Biophysik an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München, haben diesen Traum nun realisiert. Wie sie im Fachmagazin Science (2008, Vol. 319, S. 594-596) berichten, konnten sie nun einzelne Moleküle mit einem Rasterkraftmikroskop (AFM) aus einem Depotbereich aufnehmen und auf einer Montagefläche nanometergenau wieder absetzen. Dabei machten sie sich die Präzision des AFM und die einstellbare Bindungsfähigkeit des DNA-Moleküls zunutze: Abschnitte der Erbinformation wurden zum Greifen und Absetzen der Moleküle verwendet. Mit diesem Verfahren sei nun eine Basistechnologie geschaffen, so die Forscher, mit der sich in Zukunft beliebige molekulare Bausteine zu neuen funktionalen Systemen im Nanometerbereich zusammenfügen lassen. So ließen sich durch die bewußte Anordnung von Enzymen auf einem Biochip womöglich komplexe biologische Prozesse auf Einzelmolekülebene mechanisch kontrolliert realisieren, die sonst nur in lebenden Zellen ablaufen können, etwa die Produktion von Insulin oder der Abbau von Schadstoffen.
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| Schimmelpilze im Visier der Wissenschaft: Genom von Aspergillus niger entschlüsselt |
Allergietest für Schimmelpilze: Schätzungsweise fünf Prozent aller Deutschen leiden an einer allergischen Reaktion, die durch Schimmelpilze in Innenräumen hervorgerufen wird. Bei etwa 80 Prozent eines Pilzbefalls in feuchten Zimmerecken ist der Pilz Aspergillus versicolor vertreten. Doch ist er tatsächlich der Hauptschuldige an Atemnot, Dauerschnupfen und anderen allergischen Beschwerden? Diesen Verdacht wollte das Team um Privatdozent Martin von Bergen, Departmentleiter Proteomik am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Halle erhärten und molekularbiologisch nachweisen. Gemeinsam mit Wissenschaftlern des Erfurter Instituts für Umweltmedizin untersuchten sie einzelne Eiweiße des Pilzes. Wie das UFZ nun berichtet, ist der Nachweis der sieben wichtigsten Allergene von Aspergillus versicilor gelungen. Darüber hinaus konnte von Bergen zudem ein Messverfahren entwickeln, mit dem Patienten per Blutanalyse auf eine Überempfindlichkeit gegenüber Schimmelpilzen und Aspergillus versicolor getestet werden können. Dieser ist allerdings noch sehr aufwändig. Noch 2008 will von Bergen einen Test vorstellen, der einfacher in der Handhabung ist.
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Grenzüberschreitende Risikokapitalinvestments erleichtern: Im Interesse der Finanzierung und Förderung von Innovationen kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) will die Europäische Kommission grenzüberschreitende Investitionen von Risikokapitalfonds verbessern. Bislang gelten unterschiedliche nationale Vorschriften sowie eine mögliche Doppelbesteuerung oft als Hürde, so dass insbesondere kleinere Fonds nur in ihrem Heimatland investieren und auf diese Weise keine kritische Masse erreicht werden kann. Für junge Biotech-Unternehmen, die auf besonders viel Kapital für ihre Forschungsprojekte angewiesen sind, heißt dies: Ihnen wird der Zugang zu europäischem Geld erschwert. Die EU-Kommission fordert nun die EU-Mitgliedsstaaten auf, stärker miteinander zusammenzuarbeiten, um einen integrierten europäischen Risikokapitalmarkt hervorzubringen. Nach Ansicht der Kommission könnten Hindernisse für die grenzüberschreitende Anlage und Beschaffung von Risikokapital dadurch abgebaut werden, dass gut funktionierende Risikokapitalstrukturen von anderen Mitgliedstaaten übernommen werden. Die Kommission fordert die Mitgliedstaaten zudem auf, bei der Überprüfung geltender und der Einführung neuer Vorschriften eine grenzüberschreitende Fondstätigkeit zu ermöglichen und die gegenseitige Anerkennung von Risikokapitalfonds ins Auge zu fassen.
Mitteilung der EU-Kommission: PDF-Download
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