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Katja Sträßer: Den Weg vom Gen zum Eiweiß im Visier

06.08.2008
Katja Sträßer
Quelle: LMU

Katja Sträßer kann sich glücklich schätzen. Die Molekularbiologin am Genzentrum der Ludwig-Maximilians-Universität in München hat eines der begehrten Stipendien des Europäischen Forschungsrates ergattert, die 2007 zum ersten Mal für Nachwuchsforscher ausgeschrieben wurden. Mit dem Fördergeld in Höhe von knapp einer Million Euro kann sich die 36-jährige nun ganz in Ruhe ihrer Forschung widmen, nämlich wie die verschiedenen Etappen der Eiweißherstellung miteinander zusammehängen. Dass sie mit dem ERC-Geld ausgerechnet in München arbeitet, hat aus ihrer Sicht einen simplen Grund: „So gute Forschungsbedingungen wie hier findet man selten.“

Worum es bei ihrer Arbeit geht? Die Basis schlechthin. Katja Sträßer versucht, die Details der Eiweißherstellung in der Zelle noch besser zu verstehen. Eigentlich klingt es zunächst ganz einfach: Der Weg vom Gen zum aktiven Eiweiß läuft über zwei Etappen, die Transkription und Translation genannt werden. Bei der ersten Stufe werden die Baupläne der Eiweiße, die auf den Genen gespeichert sind,  im Zellkern abgelesen und von der DNA in ein RNA-Molekül übersetzt. RNA ist eine der DNA chemisch nah verwandte Nukleinsäure. Diese Boten-RNA, auch „messengerRNA“ oder mRNA genannt, wird dann prozessiert, also chemisch verändert, und mit verschiedenen Eiweißen in einen Komplex verpackt, der dann aus dem Zellkern transportiert wird. Im Zellinneren, dem Cytoplasma, wird die in der mRNA enthaltene genetische Information schließlich in der Translation in ein dreidimensionales Eiweiß übersetzt. „Diese zum größten Teil zeitlich und räumlich getrennten Vorgänge hat man – jeden für sich – bereits gut untersucht“, so Sträßer. Inzwischen ist aber klar: Die Wirklichkeit ist viel komplizierter und alles andere als ein linearer Weg. „Das läuft nicht so separat hintereinander ab, sondern oft zeitgleich,“ erläutert die Forscherin. Denn: Viele dieser Prozesse sind miteinander gekoppelt und können ohne einander nicht stattfinden und eine ganze Reihe von Eiweißen sind dabei an mehreren Schritten der Transkription beteiligt. Bislang waren Forscher davon ausgegangen, dass solche Kopplungen lediglich im gleichen Zellkompartiment – also beispielsweise im Zellkern – möglich sind.

Etappen der Eiweißherstellung hänger miteinander zusammen
Die neuesten Forschungsergebnisse von Katja Sträßer sprechen eine andere Sprache. „Wir haben jetzt ein Eiweiß gefunden, das sowohl an der Transkription im Zellkern als auch an der Translation im Zytoplasma beteiligt ist“ erläutert Sträßer. „Das ist schon relativ ungewöhnlich – es gibt nur ganz wenige Eiweiße, die eine Funktion in zwei verschiedenen Kompartimenten haben“, sagt sie. Nun will die Wissenschaftlerin herausfinden, ob womöglich noch mehr Eiweiße gibt, die die Etappen Transkription und Translation miteinander verbinden. Damit, so ihre Hoffnung, möchte sie der Komplexität dieser Mechanismen noch besser auf den Grund gehen und zu einem größeren Verständnis beitragen.

Um Geld für ihre Forschungsarbeiten muss sich die junge Forscherin in den nächsten fünf Jahren nicht mehr sorgen. Die Deutsche ist eine der rund 200 Nachwuchswissenschaftlern, deren Bewerbung beim Europäischen Forschungsrat erfolgreich war – insgesamt hatten sich 9000 Forscher um eine Förderung beworben. Ungelegen kam ihr dieser Erfolg nicht, wenngleich etwas unerwartet. Denn der Antrag war für sie  eher ein Experiment. „Ich habe zumindest die erste Runde eher unter einem sportlichen Aspekt gesehen“, erinnert sie sich. Schließlich war die Nachfrage enorm. „Viele wurden positiv bewertet, konnten dann aber nicht gefördert werden, weil das Geld nicht gereicht hat“ erzählt Sträßer. Das allein zeigt aus ihrer Sicht schon den Bedarf nach solcher Unterstützung in Europa. Gerade hat sie in Bonn einen Vortrag über die neue EU-Förderung gehalten – für nachfolgende Generationen.

Statt Postdoc in den USA Unabhängigkeit in München
Mit den Einzelheiten, die zwischen Transkription und Translation passieren, beschäftigt sich Sträßer schon seit ihrer Doktorarbeit an der Universität Heidelberg. „Damals kannte man überhaupt keine Faktoren, die den Transport der mRNA vom Zellkern in das Zytoplasma bewerkstelligen“ erinnert sie sich. Was sie nach der Promotion nach München verschlug? „Die Frage wäre ja eigentlich, warum ich nicht wie alle als Postdoc in den USA war“ erwidert sie lachend. Sie entschied sich gegen die USA - zugunsten einer eigenen Nachwuchsgruppe in München. „Ich wollte ans Genzentrum, weil es bekannt dafür ist, jungen Gruppenleitern echte Unabhängigkeit zu bieten“ so Sträßer.

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Aus heutiger Sicht wurden ihre Erwartungen an das Institut  mehr als erfüllt, nicht nur in Sachen Unabhängigkeit. Mit MPI, Universitäten und Forschungsinstituten in nächster Nähe stimmt auch das wissenschaftliche Umfeld. Auf die Einbindung in die Förderstrukturen legt die Wissenschaftlerin ebenfalls Wert. 2004 gewann sie den EMBO Young Investigator Award, seit 2005 ist sie Projektleiterin in einem Sonderforschungsbereich der Deutschen Forschungsgemeinschaft, und Mitglied in einem der Cluster, den die LMU München durch die Exzellenzinitiative finanziert.

Dass so eine Karriere nicht von alleine kommt, davon kann sie ein Lied singen. „Wenn man in der Wissenschaft Erfolg haben will, muss man sehr viel arbeiten“, betont die zweifache Mutter. In ihrem Fall hat sich die Arbeit bislang auf jeden Fall gelohnt.


Autorin des Textes: Miriam Ruhenstroth

 

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