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Marion Röder: Gen-Marker für bessere Bierqualität
„Ozapft is“ - so hallt jährlich der traditionelle bayerische Ruf zur Eröffnung des Oktoberfestes. Doch die Konsumenten ahnen gar nicht, wie viel wissenschaftliches Know-how in ihrem Gerstensaft steckt. Für den herausragenden Geschmack ist unter anderem die Biologin Marion Röder zuständig. Sie arbeitet daran, die Bierqualität stetig zu verbessern. Dafür sucht sie mit molekularbiologischen Methoden nach Genen, die für eine gute Malz- und die daraus folgende Bierqualität verantwortlich sind. Diese Erkenntnisse macht die Wissenschaftlerin öffentlich und hilft mit ihrer Arbeit, die natürlich vorkommende Sortenvielfalt der Getreide gezielt für die Züchtung zu nutzen.
Marion Röder arbeitet am Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK) in Gatersleben. Die 14-köpfige Arbeitsgruppe um Röder geht der Frage nach, welche Gersten-Gene zu einem wohlschmeckenden Bier beitragen. „Haplotypenanalyse“ heißt die Methodik, mit der es den Forschern gelingt, die „guten“ von den „schlechten“ Erbinformationen zu unterscheiden. „Den Züchtern nennen wir die positiven Erbanlagen in Form von Markern,“ erklärt Röder. „Er kann nun anhand unserer festgelegten Marker die Sorten auswählen, deren Gene für ihn von Interesse sind."
Doch mit der Bereitstellung des Handwerkszeugs für die Züchter gibt sich die Wissenschaftlerin noch nicht zufrieden – sie verfolgt ihre Arbeiten bis hin zum Durst löschenden Endprodukt. Für die Mikromälzung und Bierherstellung aus den von Röder angeregten neuen Gerstensorten ist die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft zuständig. Die unkomplizierte und kollegiale Zusammenarbeit mit den Freisingern schätzt die Wissenschaftlerin besonders: „Bei gemeinsamen Besprechungen kostet man gerne mal ein Bier."
| Förderschwerpunkt GABI |
Im Jahr 1999 rief das BMBF den Förderschwerpunkt GABI "Genomanalyse im biologischen System Pflanze" ins Leben. Bis 2007 wurden mehr als 160 Vorhaben an deutschen Forschungseinrichtungen, Hochschulen und auch Unternehmen mit 70 Millionen Euro unterstützt. Bis 2013 fließen innerhalb von GABI-FUTURE noch einmal 50 Millionen Euro. Zum Förderporträt auf biotechnologie.de: hier klicken |
Aus den USA zurück in die neuen Bundesländer
Die gebürtige Offenbacherin entdeckte ihr Interesse für Gen-Kartierungen während eines Forschungsaufenthaltes in Amerika. Am Department of Plant Breeding and Biometry der Cornell Universität im Bundesstaat New York entwickelte sie Marker, die für die Kartierung von Genen in Getreide angewendet werden. Dieses sehr abstrakte und komplizierte Verfahren vergleicht die Wissenschaftlerin mit der Vaterschaftsanalyse beim Menschen. „Unsere Methoden funktionieren ähnlich. Genetische Kartierungen ermöglichen es, die Verwandtschaft von Getreidesorten festzustellen.“ Die Ergebnisse ermöglichen wiederum dem Züchter, Resistenzgene oder Gene für abiotischen Stress durch gezielte Züchtung zu selektionieren.
Nach drei Jahren erfolgreicher Forschung in den USA kam Röder 1993 nach Deutschland zurück und nahm eine Stelle am IPK in Gatersleben an. „Mit den neuen Bundesländern hatte ich nie Berührungsängste“ erzählt die Wissenschaftlerin. Doch zu Beginn ihrer Arbeit fand sie am Institut alles andere als perfekte Arbeitsbedingungen vor. „Damals teilten sich 450 Mitarbeiter sechs Telefonleitungen“, erinnert sich die Biologin mit einem Lachen. „Man konnte sogar die Telefonate der anderen mithören.“ Doch die Zeiten haben sich gewandelt. Heute sei alles saniert und das Institut sogar besser ausgestattet als so manches Pendant im Westen.

Früher hat Röder an Weizen geforscht (im Bild), jetzt hat sie Gerste im Visier. Experimentelle Kartierungspopulation des Weizens.Quelle: H. Ernst
Ohne Gentechnik gegen die Blattfleckkrankheit
In Gatersleben setzt die Leiterin der Gruppe für Gen- und Genomkartierung ihr Wissen auch zur Bekämpfung der Blattfleckenkrankheit bei Gerste ein. Der bei Landwirten gefürchtete Pilzbefall äußert sich durch dunkelbraune Flecken und kann zum kompletten Absterben der Blätter führen. „Wir haben einen Marker entwickelt, der uns anzeigt, ob eine bestimmte Gerstensorte das Resistenzgen gegen die Blattfleckenkrankheit besitzt oder nicht“, erklärt Röder. Auch hier wird eine Methode verwendet, die dem Vaterschaftstest ähnelt. Ein Blatt wird abgeschnitten, das Erbgut isoliert und mithilfe der Polymerase-Kettenreaktion (PCR) analysiert. Die Erkenntnisse werden wiederum für die Züchtung neuer Sorten verwendet, die resistent gegen die gefürchtete Pilzkrankheit sind.
Röder: ein bekannter Name in der Forschergemeinde
Besonderes stolz ist die Wissenschaftlerin auf ihre Veröffentlichung im renommierten Journal Genetics (1998, Vol. 149, S. 2007-2023). Sie publizierte darin 1998 die erste Mikrosatellitenmarker-Karte des Weizens und machte sich damit einen Namen in der Forschergemeinde. „Die Karte wird weltweit von vielen Laboren angewandt“, erörtert Röder. „Die Marker wurden sogar patentiert, sind jedoch für öffentliche Einrichtungen frei verfügbar.“ Auch in Zukunft will Röder dafür sorgen, dassam IPK in Gatersleben wissenschaftliche Standards gesetzt werden.
Autorin des Textes: Andrea van Bergen