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Burkhard Rost: Enträtselt das Genom mit Bits und Bytes

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Die Bioinformatik sieht er als Sisyphusarbeit: Burkhard Rost forscht nach zehn Jahren in New York nun in München. Quelle: privat

30.01.2009  - 

Burkhard Rost vergleicht seine Arbeit als Bioinformatiker mit der von Sisyphus. Der Held der griechischen Mythologie wurde von den Göttern verdammt, einen Felsblock auf einen Hang zu rollen. Kurz vor Erreichen der Kuppe jedoch rollt der Stein nach unten und der Bedauernswerte beginnt immer aufs Neue, seine Aufgabe zu vollenden. Ähnlich kommt Rost seinem Ziel in kleinen Schritten näher – im Gegensatz zu Sisyphus jedoch waren seine vielen Jahre intensiver Arbeit nicht ergebnislos. „Die mit fünf Millionen Euro dotierte Humboldt- Professur der TU-München wird mir weiter helfen, mich meinem persönlich gestecktem Ziel deutlich anzunähern“, sagt der 47jährige Spitzenforscher.



Die Bioinformatik liefert Analysesoftware für Wissenschaftler und hilft so im Umgang mit riesigen Datenmengen. „Meine Arbeitsgruppe benützt dazu Algorithmen der künstlichen Intelligenz“, sagt Rost, der seit zehn Jahren an der renommierten Columbia Universität in New York forscht. Was zunächst sehr abstrakt klingt, verdeutlicht Rost am „Menschlichen Genomprojekt“. Zehn Jahre lang arbeiteten Forschergruppen weltweit daran, nach und nach das gesamte Erbgut eines Menschen zu sequenzieren. Im Jahr 2000 waren 97 Prozent, im Jahr 2003 schließlich das letzte Basenpaar identifiziert.

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Bioinformatik: Sinn aus Datenlawinen filtern
Diese Pionierarbeit bescherte einen unverständlichen Daten-Dschungel, in dem sich niemand ohne Hilfe zurechtfindet. Rosts Computeranalysen ermöglichen Wissenschaftlern den Umgang mit diesen Datenmengen. „Unsere Software trägt dazu bei, alle Proteine zu identifizieren, die uns Menschen Leben bringen. Sie sagen voraus, welche Funktion sie in unserem Organismus haben und mit welchen anderen Proteinen sie wechselwirken“, erläutert der promovierte Physiker. Auch liefern sie wichtige Informationen für die Medikamentenhersteller in Bezug auf neue, individuelle Therapien. In den letzten zwölf Jahren hat Rost einen Großteil seiner Zeit damit verbracht, experimentelle Daten zu entschlüsseln. „Dadurch sind wir heute in der Lage, interaktive Hotspots für Proteinbindungen vorherzusagen“, sagt Rost nicht ohne Stolz.

Mit seiner Mannschaft an der renommierten Columbia-Universität in New York hat sich Bioinformatiker Burkhard Rost über Berge an experimentellen Daten hergemacht.Lightbox-Link
Mit seiner Mannschaft an der renommierten Columbia-Universität in New York hat sich Bioinformatiker Burkhard Rost über Berge an experimentellen Daten hergemacht.Quelle: privat

Von New York nach München
In diesem Jahr noch tritt Rost die Humboldt-Professur in München an. Auch seine Frau Karima Djabali und die 6jährige Tochter folgen ihm in die bayerische Metropole. Die Französin Diabali ist ebenfalls Professorin an der Columbia Universität. Sie wird künftig die Forschungsgruppe für Dermatologie und Altersforschung an der TUM-Klinik leiten. Ihr Forschungsgebiet ist die Progerie, eine genetisch bedingte Erkrankung, bei der Betroffene wie im Zeitraffer altern.

Leicht fällt der Familie der Abschied von New York nicht. Rost schätzt die Columbia Universität, die zu den bekanntesten Spitzenuniversitäten weltweit gehört. Seit Bestehen der Universität gingen etliche Nobelpreise an deren Wissenschaftler.„Meine jetzige Heimat hat mich schon verzaubert“, so der Spitzenforscher. „Freie Zeit verbringe ich am liebsten mit meiner Tochter in Museen“. Auch Opernbesuche stehen bei dem Bioinformatiker oben an. „Leider treiben mich die Nannys meist nach dem ersten Akt wieder nach Hause“, verrät er schmunzelnd.

Humboldt-Professuren...

... gibt es seit 2008. Burkhard Rost gehört zu den ersten Auserwählten.

Mehr Infos: Millionenschwere Professuren locken Spitzenforscher

Ausschlaggebend für den Wechsel nach München sei die neue Professur. „Ohne Humboldt hätte ich nicht gewechselt“, so Rost. Das Netto-Familieneinkommen verringere sich um fast die Hälfte. „Doch mit fünf Millionen Euro Forschungsgeldern kann ich viele Sachen in Gang bringen, die Bestand haben werden,“ freut sich der Bioinformatiker. Von seiner jetzigen Arbeitsgruppe wagen noch drei weitere Mitarbeiter den Sprung über den großen Teich. Weiterhin plant Rost die Einstellung von Informatiker, Physiker, Biologen und Ingenieuren.

Die Lieblingsprogramme der Molekularbiologen

Burkhard Rost stellt seine Analyseprogramme kostenlos im Internet zur Verfügung. Das Angebot umfasst mehrere Dutzend elektronische Helfer für verschiedenste Aufgaben und reicht von "AGAPE" bis "Ucon".

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Mehr als 30 Programme entworfen

Herausragend an München sei ebenfalls, dass der Wissenschaftler im Ausbau und Pflege seines Web-Service unterstützt wird. Die für den Laien kryptisch klingenden Analyseprogramme tragen Namen wie PredictProtein, CellCycleDB, CHOP. Über 30 dieser Programme hat Rost in seiner bisherigen Laufbahn aufgebaut. Er stellt sie anderen Wissenschaftlern kostenlos zur Verfügung.

In München möchte sich Rost mehr den Netzwerken in Systemen widmen. „Ich postuliere, dass die Gesamtheit unserer Gene viel dynamischer ist als wir es uns vorstellen,“ resümiert Rost. „Der Mensch ist viel mehr von seiner Umwelt beeinflusst.“ Der Spitzenforscher hat bereits ein neues Bild vom Genom im Kopf. Doch den Weg dahin gilt es noch zu ebnen.


Autorin des Textes: Andrea van Bergen

 

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