Beifall für Bayer auf ASCO-Krebskongress
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- Auch in diesem Jahr konnte sich die ASCO - der weltgrößte Krebskongress - wieder über regen Zuspruch freuen. Über 30.000 Teilnehmer strömten nach Chicago. Quelle: ASCO/ Phil McCarten
12.06.2012 -
Wenn der Flughafen von Chicago wieder von Pharmaforschern, Ärzten, Biotech-Unternehmern und Investoren geflutet wird, wenn schon vor dem Gebäude zahllose Limousinen im Auftrag von Pfizer, Novartis und anderen Pharmariesen warten und mit Posterrollen bewaffnete Menschen in ihre überfüllten Hotels bringen, dann ist ASCO-Zeit. Auch in diesem Jahr zog die weltweitgrößte Nabelschau der Krebsforschung vom 1. bis 5. Juni wieder mehr als 30.000 Teilnehmer an.
Anders als in anderen Jahren setzte in diesem Jahr mit der Bayer AG auch ein deutsches Unternehmen Zeichen. Eigentlich gehört der Leverkusener Pharmakonzern nicht zu den wichtigsten Akteuren in der Onkologie. Derzeit vertreibt das Unternehmen mit Sorafenib lediglich einen zugelassenen Wirkstoff. Doch die Pipeline von Bayer hält offenbar vielversprechende neue Wirkstoffe bereit. Für den Sorafenib-Nachfolger Regorafenib – beide Moleküle hemmen sogenannte Proteinkinasen, die das Krebswachstum beschleunigen – konnte Bayer in einer klinischen Studie einen 30-prozentigen Überlebensvorteil für Darmkrebspatienten zeigen. Weitere Tests für Tumoren im Magen-Darmtrakt stehen an. Ursprünglich stammt der Wirkstoff vom US-Biotech-Unternehmen Onyx Pharmaceuticals, welches einen Teil der Rechte an dem Molekül an Bayer verkaufte. Ebenfalls von einem Partner, in diesem Fall der norwegischen Algeta, stammt ein radioaktiver Wirkstoff (Radium 223-Dichlorid), der sich gegen Knochenmarksmetastasen richtet. Das Radionukleotid reichert sich bevorzugt in Knochen an und kann hier die besonders schmerzhaften Krebsgeschwüre bekämpfen. Zugleich verlängert der Wirkstoff das Überleben von Krebspatienten – bei metastasierendem Prostatakrebspatienten um immerhin 44 Prozent.
Zehn Biotech-Firmen bildeten deutsche Delegation
Mit derart spektakulären Daten können deutsche Biotech-Unternehmen nicht aufwarten. Dennoch waren auch sie auf der ASCO-Tagung zu finden. „Für uns ist das ein wichtiges Ereignis für das Business Development “, sagt Ulrich Dauer. Auch der 4SC-Chef machte sich Anfang Juni auf den Weg nach Chicago. Im Gepäck hatte er Daten aus einer Phase II-Studie für den Wirkstoff Resminostat, der zum ersten Mal Mitte Januar veröffentlicht wurden. In Kombination mit der zugelassenen Arznei Nexavar hatte Resminostat seinen Wert als Zweitlinienbehandlung bewiesen und austherapierten Patienten mit Leberkrebs im Mittel 4,7 Monate ohne Krankheitsfortschritt beschert. Dauer hofft nicht nur auf Interesse aus der Pharmaindustrie, sondern auch von der Ärzteschaft. Nicht unbedingt als vorgezogene Marketingmaßnahme, sondern um frühzeitig Aufmerksamkeit für die anstehende Zulassungsstudie unter den Meinungsführern zu erhalten. Neben 4SC präsentieren weitere zehn Biotech-Firmen aus Deutschland sowie die zwei weiteren „großen“ der Pharmabranche neben Bayer: Boehringer Ingelheim und Merck.
Erste Ergebnisse aus Regensburg
Erste Ergebnisse ihres Neustarts verkündet die Regensburger Antisense Pharma AG. Erst Anfang des Jahres musste eine Phase III-Studie mit dem Krebsmedikament Trabedersen bei vorbehandelten Gliom-Patienten vorzeitig beendet werden. Die Behandlungsleitlinien hatten sich verändert, so dass sich keine Probanden mehr fanden, die den ursprünglichen Einschlusskriterien entsprachen. Diese Probleme gab es in den anderen Indikationen nicht, für welche die Arznei entwickelt wird: Bauchspeicheldrüsenkrebs und Malignes Melanom. Patienten, die in einer Phase I/II-Studie mit der Arznei behandelt wurden, zeigten ein medianes Gesamtüberleben von 13 Monaten (Bauchspeicheldrüsenkrebs) beziehungsweise 11,4 Monaten (Malignes Melanom). Wie genau die weitere Entwicklung der Arznei ablaufen soll, ist noch nicht entschieden. Derzeit laufen finale Abstimmungen zwischen Antisense und Hauptinvestor MIG AG. „Viele Varianten sind denkbar,“ sagt Matthias Kromayer, Vorstand bei der MIG Verwaltungs AG.
Heidelberger Apogenix im zweiten Anlauf
Auch die Heidelberger Apogenix AG nimmt mit ihrem Protein APG101 einen zweiten Anlauf. Nachdem die Entwicklung des Moleküls im Einsatzgebiet Transplantatabstoßung eingestellt wurde, gelang dem Wirkstoff doch noch das Comeback mit einer Attacke auf den Todesrezeptor CD95. Anfang März erreichte APG101 den primären Endpunkt einer Phase II-Studie mit 83 Patienten, die an einem Glioblastom litten. Apogenix hofft darauf, den Wirkstoff in Kombination mit einer Bestrahlung bei neu diagnostizierten Glioblastomen einsetzen zu können. „Diesen Ansatz müssen wir Onkologen, Neurologen und Radiologen gleichzeitig vorstellen. Dafür ist die ASCO-Tagung die perfekte Plattform. Hier treffen wir sie alle“, sagt Thomas Höger, Chef von Apogenix. Bereits vor einigen Monaten hatte die Firma sich mit einer Kurzfassung um eine Posterdarstellung der Ergebnisse beworben. Ausgewählt wurde Apogenix dann sogar für einen mündlichen Vortrag. Doch die statistische Auswertung der Studie hat sich verzögert. „Wir können noch nicht so viele Daten zeigen wie zunächst gedacht“, so Höger. Der ehemalige Analyst lässt sich jedoch nicht unter Druck setzen. „Was wir veröffentlichen, muss 100 Prozent hieb- und stichfest sein.“ So wird die endgültige Analyse wohl erst im Juli publik gemacht werden – leider vier Wochen zu spät.
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Auch Apogenix nutzt die ASCO, um Pharmapartner kennenzulernen. „Wir haben eine Suite in einem Hotel gemietet, in der wir uns mit Vertretern potentieller Lizenznehmer treffen“, sagt der Firmenchef. Die Verabredungen seien vorher telefonisch eingefädelt worden. Alle Pharmakonzerne seien in Chicago sowohl mit Business Developern als auch mit Wissenschaftlern vertreten. Natürlich geht es darum, die besten neuen Produkte einzukaufen. Vor allem buhlt Big Pharma aber mit eigenen Medikamenten um die Aufmerksamkeit der zukünftigen Kundschaft, und das sind nunmal die Ärzte, besonders die sogenannten KOLs – die Key Opinion Leader. Am meisten Beachtung der diesjährigen ASCO hat wohl TDM-1 erhalten. Roche und Genentech plazieren das Antikörper-Konjugat als potenten Herceptin-Nachfolger in der Indikation Brustkrebs. Nach guten Studiendaten hatte Roche angekündigt, im Herbst des Jahres Zulassungsanträge einzureichen. Auf dem ASCO-Meeting wurden zum ersten Mal Daten zur Verzögerung des Tumorwachstums sowie ein Blick in eine Zwischenanalyse zum Überlebensvorteil öffentlich gemacht. Strategisch geschickt wurde die Session am Samstag platziert. Sie kam damit rechtzeitig zum Redaktionsschluss der wichtigen US-Sonntagszeitungen. Neben TDM-1 wurden auch die Ergebnisse eines zweiten Antikörper-Konjugates mit Spannung erwartet. Zur Behandlung einiger Blutkrebsarten ist Adcetris von Seattle Genetics bereits zugelassen. Doch damit will sich das US-Unternehmen nicht zufriedengeben. Auf der ASCO gab es einige Hinweise darauf, dass das anti-CD30-Präparat auch Patienten mit soliden Tumoren oder non-Hodgkin-Lymphomen helfen kann.
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