Direktlink :
Inhalt; Accesskey: 2 | Hauptnavigation; Accesskey: 3 | Servicenavigation; Accesskey: 4

Die Demokratisierung der Polymerasen

Das Mypols-Team: (v.l.n.r.)  Ramon Kranaster, Andreas Marx, Matthias Drum, Jessica Zeller und Birgit Köhn <ic:message key='Bild vergrößern' />
Das Mypols-Team: (v.l.n.r.) Ramon Kranaster, Andreas Marx, Matthias Drum, Jessica Zeller und Birgit Köhn Quelle: Mypols/ Matthias Drum

11.03.2016  - 

Anbieter von Polymerasen gab und gibt es reichlich. Dennoch hat es das Konstanzer Start-up Mypols geschafft, sich auf dem Markt erfolgreich zu etablieren. Mit Hilfe einer speziellen Optimierungsmethode kann das Spin-off der Universität Konstanz Spezialpolymerasen nach Kundenwunsch anbieten.

„Eigentlich bin ich ja Pessimist“, beginnt Ramon Kranaster nachdenklich. Dann ist ein kleiner Gefühlsumschwung spürbar und er setzt mit einem Lächeln fort: „Derzeit fällt mir das aber ziemlich schwer. Es läuft nämlich richtig gut.“ Als Geschäftsführer der Mypols Biotec GmbH verschickt er vom Bodensee aus Polymerasen in die ganze Welt. Mypols bietet die Enzyme für Pathogen-Nachweise, für die DNA- und RNA-Diagnostik oder auch für forensische Probleme an. Das Geld wird zum einen über den Online-Verkauf von zehn Basispolymerasen, zum anderen über die Entwicklung von Spezialpolymerasen nach Kundenwunsch eingespielt.

Polymerasen optimieren

„Ich bin froh, dass wir das so geschafft haben.“ Diese Erleichterung nimmt man Kranaster ohne weiteres ab, denn, wie er selbst sagt: „Dass wir erfolgreich sein könnten, war nicht direkt offensichtlich.“ Anbieter von Polymerasen gab und gibt es zuhauf. Da aber bei vielen Anwendungen in den Bereichen Sequenzierung oder Assays die Wildtyp-Version ungeeignet ist, eröffnete sich eine Nische: „Die Natur hat die DNA-Polymerasen nicht für PCR und Co. optimiert. Das haben wir mit Hilfe gerichteter Evolution und rationalem Design gemacht.“ Für die Erleichterung über den Erfolg von Mypols gibt es aber noch einen zweiten Grund. Mit der Prolago Biotec verlief 2013 ein erstes Gründungsprojekt Kranasters im Sande. „Wir hatten damals die Vision, die Krebsfrüherkennung zu revolutionieren“, erinnert er sich. Die Idee zur Bestimmung des epigenetischen Status von Onko- und Tumorsupressorgenen mittels einer speziellen DNA-Polymerase war bestechend, die Verwirklichung eines präsentierbaren Produkts scheiterte jedoch und nach einem Jahr löste sich das Team auf.

Mypols Biotec GmbH

zur Webseite:.hier klicken

Ein Teil der Gründertruppe verstaute daraufhin den Gründergeist wieder in der Flasche. Nicht aber Kranaster und Mypols‘ Spiritus rector Andreas Marx: Basierend auf zwei weiteren Erfindungsmeldungen aus dem Universitätslabor von Marx wurde Mypols als Ausgründung der Universität Konstanz ins Leben gerufen. Überzeugt von der neuen Idee stieg auch Marx‘ Ehefrau Simone als Mitgründerin ein. „Die beiden sind nicht am Tagesgeschäftigt beteiligt. Sein Know-how in Sachen DNA-Polymerasen ist aber Gold wert. Ohne ihn würde es kein Mypols geben. Sie hingegen bringt mit ihrem Hintergrund in PR und Marketing frische Ideen in die Firma ein“, fasst Kranaster die Rolle seiner Mitgründer zusammen.

EXIT-Stipendium statt Risikokapital

Mittlerweile beschäftigt Mypols fünf Angestellte — allesamt „Leute, die sich berufen fühlen, bei Mypols zu arbeiten“, versichert der Chef. Dass es auch anders sein kann, weiß er selbst am besten. Nach seiner Promotion heuerte der junge Biologe in London bei Touchlight Genetics an. „Die arbeiten an Impfstoffen auf DNA-Basis. Ich fand das superinteressant“, blickt er zurück. Als Polymerase-Spezialist wurde der 35-Jährige dort mit Kusshand empfangen. Anders als Mypols ist Touchlight ein klassisches Biotech-Start-up mit Risikokapitalhintergrund. Obwohl es dem Schwaben in London gut gefiel, bemerkte er bald, dass er nicht 100pozentig hinter der Technologie und der Geschäftsidee des Start-ups stand: „Ich habe den erfolgreichen Exit nicht vor Augen gehabt. Als sich dann die Möglichkeit zu Gründung der Prolago Biotec abzeichnete, bin ich zurück nach Konstanz.“ Dass dort statt Risikokapital ein EXIST-Stipendium wartete, störte ihn überhaupt nicht: „Wir empfanden das Thema Risikokapital immer ein bisschen unheimlich. Man hat subjektiv das Gefühl, dass man als Gründer ausgenommen wird.“

Maßgeschneiderte DNA-Polymerasen

Mehr auf biotechnologie.de

News: Life Science Pitch Day: Elf Start-ups auf Investorensuche

News: Biametrics erhält 3 Millionen Euro für Biosensortechnik

Erfindergeist: Cytena: Mit Zelldrucker auf Erfolgskurs

Auch bei Mypols war und ist Risikokapital kein Thema. Das organische Wachstum kann sich sehen lassen. Wenn alles nach Plan läuft, zieht die Firma 2017 von der Universität weg in ein Gründerzentrum am Rande der Stadt. „Am liebsten wäre ich der weltweit führende Spezialist für maßgeschneiderte DNA-Polymerasen“, schaut Kranaster in die Zukunft. „Mit schnelleren, robusteren und preiswerteren Polymerasen könnten wir viele Diagnostik- und und Sequenzierungsanwendungen für den Massenmarkt erschwinglich machen.“ Dieser Satz macht klar, wohin die ambitionierte Reise gehen soll. Doch gleich darauf erdet sich der junge Gründer selbst: „Ständig irgendwelche Zukunftsszenarien im Kopf durchzuspielen bringt ja nicht so viel. Was zählt ist das Hier und Jetzt!“ Eine forsche Ansage eines selbsternannten Pessimisten — man darf gespannt sein, wie es mit Mypols weitergeht.

© biotechnologie.de/ml
 

Förderbeispiele

glowing cells in a test tube

Sie möchten erfahren, in welche Forschungsprojekte öffentliche Gelder fließen? Unter der Rubrik Förderbeispiele stellen wir regelmäßig öffentlich geförderte Forschungsvorhaben inhaltlich vor.


Zur Rubrik Erfindergeist

Fördermöglichkeiten

Abbildung von Geldscheinen

Sie suchen nach Finanzierungsmöglichkeiten für ein Forschungsvorhaben? Unter der Rubrik Förderung/ Fördermöglichkeiten geben wir Ihnen einen Überblick über nationale, europäische und internationale Geldgeber, die biotechnologische Projekte unterstützen.


Menschen

Forscherprofile

Sie wollen wissen, wie ein Wissenschaftler tickt und was ihn antreibt? Dann schauen Sie in unserer Rubrik Aktuelles/Menschen vorbei. Hier werden regelmäßig neue Persönlichkeiten aus der biotechnologischen Forschung porträtiert.


Zur Rubrik Menschen

Rohstoff Pflanze

Junges Mädchen hält Pflanze in den Händen

Ob Biokraftstoff, Arzneimittel oder Biokunststoff - Pflanzen liefern wichtige Rohstoffe für die biobasierte Wirtschaft. Eine allgemein-verständliche Broschüre gibt einen Überblick über die verschiedensten Anwendungen moderner Pflanzenforschung in Landwirtschaft, Ernährung, Industrie, Medizin und Energie.


Zur Rubrik Publikationen