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Joachim Hauber: Das HI-Virus aus seinem Versteck vertreiben
„Das ist ein besonderer Kick: Wenn es uns gelänge, mit einem unserer Ansätze eine neue Therapie gegen das HI-Virus zu finden, dann wäre es das Größte!“ Joachim Hauber, Professor am Heinrich-Pette-Institut für experimentelle Virologie und Immunologie an der Universität Hamburg, hat sein gesamtes Forscherleben einem Ziel gewidmet: Der Bekämpfung des Aids-Erregers. Besonders bei einem seiner Projekte hat der Biologe große Hoffnung, dass daraus für die Mediziner eine neuartige Waffe gegen das HI-Virus entwickelt werden kann. Denn er hat – zumindest im Labor – eine Methode gefunden, das Virus auch in seinem sichersten Versteck aufzuspüren und zu vernichten. Mit finanzieller Unterstützung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) soll daraus eine Therapie entwickelt werden.
Das Versteck der HI-Viren ist das Erbgut des Menschen: Sie sind in der Lage, ihr eigenes Genom in die DNA der befallenen Zelle zu integrieren. Solange das Viren-Erbgut innerhalb der menschlichen Zelle nicht aktiv ist, wirkt die befallene Zelle ganz normal. Das Immunsystem erkennt die so schlummernden Viren nicht und greift die Zellen nicht an. Auch alle bisher verfügbaren Therapien können das Virus allenfalls in Schach halten, aber nicht entfernen, solange es in diesem Versteck bleibt. Das ist auch der Grund, warum die Immunschwächekrankheit Aids zur Zeit nicht geheilt werden kann. Zwar haben die Ärzte inzwischen viele Medikamente, um einem HIV-infizierten Patienten ein möglichst langes und beschwerdefreies Leben zu ermöglichen, aber es gibt keine Therapie, um das tückische Virus komplett aus dem Körper zu vertreiben – weil es sich so gut verstecken kann.
Diese Animation erläutert in englischer Sprache, wie sich HI-Viren vermehren. Quelle: youtube.com
Bereits 1986, kurz nachdem Hauber seine Doktorarbeit geschrieben hatte, beginnt der Biologe, am HI-Virus zu forschen. Dem damals noch sehr jungen Forschungsgebiet begegnet er als Post-Doc am Hoffmann-La Roche-Institut für Molekularbiologie im US-Bundesstaat New Jersey. Heute zahlt sich diese Erfahrung aus. „Es gibt nicht viele deutsche Grundlagenforscher, die schon so lange am HI-Virus forschen“, sagt der heute 52-Jährige mit ein wenig Stolz in der Stimme.
Seine Arbeiten werden dabei von einem klaren Ziel vorangetrieben. „Es ist unsere Vision, das Virus ganz loszuwerden, es aus den Zellen und auch aus den Patienten zu entfernen“, sagt Hauber. Wie der Biologe im Juni 2007 im Fachmagazin Science (2007, Vol. 316, S. 1912 - 1915) berichtete, ist es ihm bei einzelnen Zellen im Labor bereits gelungen. „Das hat vor uns noch keiner geschafft“, erinnert sich Hauber. Mit dem Experiment, an dem auch das Max-Planck-Institut für Molekulare Zellbiologie und Genetik in Dresden beteiligt war, sorgte der Deutsche für große Aufregung in der Wissenschaftswelt (mehr...). Denn damit erschien erstmals eine Heilung von HIV möglich – zumindest theoretisch. „Das kann vielleicht auch nie gelingen“, wiegelt Hauber allzu große Hoffnungen ab. Der Biologe ist schon zu lange in der Aids-Forschung, um nicht auch eine Reihe von Enttäuschungen erlebt zu haben. „Viele neue Therapie-Ansätze sterben wegen der starken Nebenwirkungen. Aber schön wäre es schon, wenn unser radikal neuer Ansatz funktionieren würde“, sagt er.
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| Sie wollen wissen, wie die Immunschwächekrankheit Aids eigentlich entdeckt wurde? Dann lesen Sie die Geschichte in unserem Themendossier Aids nach. Zum Dossier |
Molekularer Trick gegen das Virus
Bei dem Aufsehen erregenden Experiment nutzten die Wissenschaftler um Hauber einen molekularen Trick, der in der genetischen Grundlagenforschung häufig angewendet wird. Es gibt Moleküle, die auf der Erbsubstanz eine bestimmte Gen-Sequenz erkennen können. Doch nicht nur das. Nachdem sie die Sequenz lokalisiert haben, schneiden sie dort die DNA auf. Weil die Moleküle dadurch in der Lage sind, Gene neu zu ordnen, sie also zu rekombinieren, werden die Stoffe Rekombinasen genannt.
Um das HI-Virus aus dem menschlichen Erbgut herauszuschneiden, mussten die Forscher eine Rekombinase finden, die ausschließlich HI-Virenerbgut erkennt. Doch so einen Stoff gab es nicht. Es war lediglich bekannt, dass eine bestimmte Rekombinase auf eine sehr ähnliche Sequenz reagiert. Dieses Protein mussten die Forscher um Hauber nun noch in vielen Schritten verändern, damit es genau die Virensequenzen findet. Doch dann gelang es: Mit der veränderten Rekombinase schnitten die Forscher aus einer Zelle die Viren-DNA heraus, das herausgeschnittene Stück wurde dann von der Zelle selbst zerstört. Die Zelle war virenfrei.
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| GO-Bio-Preisverleihung: Im Herbst 2007 wurde Joachim Hauber im Rahmen des BMBF-Projektforums auf der BIOTECHNICA in Hannover mit dem GO-Bio-Preis ausgezeichnet. Mehr Informationen |
Aus dieser Methode will Hauber nun eine Aids-Therapie entwickeln. Mit dem Plan, eine Firma zu gründen, die eine solche Therapie kommerziell vorantreibt, konnte er sich beim GO-Bio-Wettbewerb des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) durchsetzen (mehr...). Damit fließen in den kommenden sechs Jahren fließen bis zu eine Million Euro. Hauber selbst wird sich aber nicht direkt an der Firma beteiligen, das überlässt er seinen Mitarbeitern. „Ich bin der Spiritus Rector, das mit der Firma ist eine Chance für die jungen Leute.“
Gentherapie für Blut-Stammzellen
Doch der Weg hin zu einer funktionierenden HIV-Therapie ist noch weit. Das große Problem liegt darin, die Rekombinase genau an den Ort zu bringen, wo sie wirken soll, nämlich ins Innere einer befallenen Zelle. Das geht nicht mit einer Spritze oder Tablette, denn für große Moleküle wie die Rekombinase ist die Zell-Membran unüberwindbar. Doch Hauber hat eine Idee, wie es funktionieren könnte: Die befallenen Zellen sollen die Rekombinase selbst produzieren. Dafür möchte er das Erbgut aller Zellen verändern, die von dem Virus befallen werden könnten.
Das HI-Virus infiziert nur eine bestimmte Sorte der weißen Blutkörperchen. Diese vermehren sich nicht mehr selbst, sondern sie werden von Blut-Stammzellen gebildet. Der Plan ist nun, einem HIV-Infizierten seine Blut-Stammzellen zu entnehmen, ihnen das Gen für die Rekombinase einzupflanzen, und diese Zellen dann dem Patienten wieder zu spritzen. Hauber gibt sich bedingt optimistisch: „Damit wollen wir die Menge der infizierten Zellen senken, in der Hoffnung, dass das erholte Immunsystem den Rest attackiert.“ Damit könnte eines Tages ein HIV-Infizierter komplett geheilt werden.
Hauber treibt jedoch nicht nur der wissenschaftlicher Ehrgeiz an. Auch die Aufklärung über die Immunschwächekrankheit Aids liegt ihm am Herzen. „Neuerdings geht auch in Deutschland die Zahl der Neuinfektionen wieder hoch“, gibt er zu Bedenken, "weil offenbar viele denken, dass es ja Therapien gibt." Angesichts solcher Verdrängungsmuster will Hauber gegensteuern. Warnt in Schulklassen und in Erwachsenengruppen vor der Gefährlichkeit des Aids-Erregers. Denn Hauber weiß: „Aufklärung ist sehr wichtig.“
Autor des Textes: Ragnar Vogt



