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Was ist Biotechnologie?

Die Biotechnologie ist in aller Munde – kann aber sehr viele unterschiedliche Dinge meinen. Biotechnologie steckt in Medikamenten, im Waschmittel, aber auch in Pflanzen. Sie ist eine klassische Querschnittstechnologie, die sich nicht nur auf Disziplinen wie Biologie und Biochemie stützt, sondern auch Physik, Chemie, Verfahrenstechnik, Materialwissenschaften und Informatik umfasst. Kern der Biotechnologie ist die Anwendung von Wissenschaft und Technik auf lebende Organismen.

Grüne Biotechnologie: Landwirtschaft

Kommen biotechnologische Verfahren in der Landwirtschaft zum Einsatz, wird von grüner Biotechnologie oder Agrobiotechnologie gesprochen. Ohne solche Methoden ist die moderne  moderne Landwirtschaft nicht mehr denkbar. Die Grundlagen hierfür legte vor allem die Pflanzengenomforschung, die in den vergangenen Jahren immer mehr Wissen zutage förderte, das sich für die Züchtung neuer Pflanzensorten gezielt nutzen lässt. 

Dieser Film gibt einen Einblick in Unternehmen, die biotechnologische Verfahren in der Landwirtschaft anwenden. Quelle: Fraunhofer IAIS im Auftrag des BMBF, 2004

Indirekt war die genetische Optimierung von Pflanzen aber seit jeher Ziel der Menschen, auch wenn es damals noch  nicht so bezeichnet wurde: Schon vor Jahrtausenden haben Bauern solche Pflanzen ausgewählt, die im äußerlichen Erscheinungsbild wünschenswerte Eigenschaften zeigten, und sie weiter vermehrt. Sorgsames Kreuzen und Rückkreuzen hat dabei die genetische Zusammensetzung der Pflanzen so verändert, dass sie süße Äpfel oder riesige Maiskolben produzierten. Was beim Kreuzen und Rückkreuzen auf genetischer Ebene passiert, blieb indes lange Zeit im Verborgenen – bis schließlich Gregor Mendel im 19. Jahrhundert mit seiner Vererbungslehre die Grundlage für die heutige moderne Genetik legte. Seither wurde das Geheimnis der Pflanzengene immer mehr gelüftet. Der Vorteil dieses Wissens liegt auf der Hand: Früher mussten sich die Züchter allein auf die Beobachtung und Analyse äußerlicher Merkmale sowie ihre Erfahrung verlassen, ob es sich bei der durch Kreuzung geschaffenen Pflanze um ein Objekt mit den gewünschten Eigenschaften handelt oder nicht. Wie mühsam diese Prozesse waren und auch in der heutigen Züchtung noch sind, zeigen die mitunter jahrzehntelangen Entwicklungszeiten neuer Pflanzensorten. Erst der Erkenntnisfortschritt der Genomforscher hat hier zu einem großen Wandel beigetragen. Meilensteine der grünen Biotechnologie waren folgerichtig die vollständige Erbgut-Sequenzierung der Modellpflanze Ackerschmalwand Arabidopsis thaliana im Jahr 2000 und die Entschlüsselung des Reisgenoms zwei Jahre darauf.

Mit der neuen Initiative arbeiten Deutschland, Frankreich und Spanien künftig enger in der Pflanzenforschung zusammen.Lightbox-Link
Mit der neuen Initiative arbeiten Deutschland, Frankreich und Spanien künftig enger in der Pflanzenforschung zusammen.Quelle: Max-Planck-Institute für Entwicklungsbiologie

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Genomforschung als Basis für zielgerichtete Züchtung

Aufbauend auf solchen Daten können Pflanzenzüchter inzwischen nützliche Eigenschaften von Pflanzen auf genetischer Ebene bestimmen und die verantwortlichen Gene im Erbgut lokalisieren. Mit einer solchen Landkarte des Pflanzengenoms lässt sich in der Züchtung enorm viel Zeit und Geld sparen. So können mit der sogenannten Markter gestützten Selektion (MAS) Pflanzen schon sehr früh im Züchtungsprozess zielgerichtet aussortiert werden, wenn sie auf genetischer Ebene ein gewünschtes Merkmal aufweisen oder eben nicht. Damit müssen – im Vergleich zur klassischen Züchtung – nicht mehr soviele Nachkommen der Pflanzen angebaut und im Testambau auf ihre Praxistauglichkeit geprüft werden. Gleichzeitig ist eine viel tiefergehende Analyse hinsichtlich von Wechselwirkungen verschiedener Eigenschaften möglich. Werden Sorten auf diese Weise gezüchtet, spricht man auch von smart breeding (Präzisionszüchtung) – und kaum ein Pflanzenzüchter verzichtet heute noch darauf.

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Pflanzen als Rohstoffe für die Zukunft - Neue Wege für Landwirtschaft, Ernährung, Industrie und Energie

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So sind die Ansprüche an die Pflanzen enorm gewachsen. Auf dem Acker haben Elite-Zuchtpflanzen oberste Priorität, die angepasst an die jeweiligen Anbau- und Klimaverhältnisse ganz spezielle Eigenschaften aufweisen. Die Zielsetzungen der Züchter haben sich dabei immer wieder geändert und gewinnen durch die Erkenntnisse in der Pflanzengenomforschung ganz neue Dimensionen. Was mit den Verfahren der klassichen Züchtung zu aufwendig, zu teuer oder schlichtweg nicht machbar war, ist heute möglich. So kann das Erbgut von Pflanzen inzwischen gezielt verändert werden – beispielsweise um ihre Abwehr gegen Schädlinge zu stärken oder ihren Ertrag bestimmter Substanzen zu erhöhen. So ist die einzige in Deutschland zugelassene gentechnisch veränderte Pflanze derzeit – die Stärkekartoffel Amflora –  gentechnisch so verändert worden, dass sie nur eine statt zwei Stärkesorten produziert. Die Amylose-Produktion wurde mit gentechnischen Mitteln gestoppt, Amflora wird angebaut, um daraus das für die Papierherstellung wichtige Amylopektin in Reinform zu gewinnen. Für die Industrie entfallen Aufbereitungsverfahren, die viel Wasser und Energie verbrauchen. 

In Deutschland beträgt die Anbaufläche für Amflora derzeit zwei Hektar, gelegen in Sachsen-Anhalt. Dazu kommen rund sieben Hektar Freisetzungsflächen an 16 Standorten zu Forschungszwecken. 2010 waren es noch insgesamt 15 Hektar (mehr...). Die größte Fläche weist im Bundesländervergleich dabei nach dem Standortregister des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) ebenfalls Sachsen-Anhalt auf. Die Anbaufläche ist stark zurück gegangen, weil die Bundesregierung 2009 den Anbau der bis dahin in mehreren Bundesländern kultivierten Bt-Maissorte MON810 verbot. Die Maispflanzen sind gegen die Raupen des weit verbreiteten Pflanzenschädlings Maiszünsler resistent, die Anbaufläche lag in Deutschland 2009 bei mehr als 3.000 Hektar. MON810 wurde 1998 nach dem damaligen Gentechnikrecht in der EU zugelassen - sowohl für den Anbau als auch als Lebens- und Futtermittel. Die Zulassung war bis April 2007 gültig. In einigen EU-Ländern ist „Gen-Mais“ politisch umstritten. Nach Frankreich, Österreich und drei weiteren Ländern hat im Frühjahr 2009 auch Deutschland ein nationales Anbauverbot für die Bt-Maissorte MON810 ausgesprochen, das bis heute Bestand hat. Inzwischen liegt ein Antrag auf Neuzulassung vor. Die zuständige Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat die Sicherheit von MON810-Mais erneut überprüft. Bis zu einer abschliessenden Entscheidung über die Zulassung ist MON810-Mais weiter verkehrsfähig.

Weltweit liegt die Anbaufläche gentechnisch veränderter Pflanzen inzwischen bei 148 Millionen Hektar. Mit rund 67 Millionen Hektar sind die USA dabei weiterhin der unangefochtene Spitzenreiter (mehr...).

 

Hintergrund

Biotechnologie ist eine Querschnittstechnologie. Je nach Anwendungsgebiet wird zwischen roter, grüner und weißer Biotechnologie unterschieden. Diese bezieht sich auf die Felder Medizin, Landwirtschaft und Industrie. Darüber hinaus gibt es aber auch biotechnologische Verfahren, die keinem spezifischen Anwendungsfeld zuzuordnen sind.

Material: Eine Vielzahl von kostenlosen Broschüren und DVDs finden Sie im Bestellservice von biotechnologie.de. mehr

Datenbanken: Eine Übersicht über Forschungseinrichtungen und Unternehmen in der Biotechnologie finden Sie in unserer Rubrik Datenbank. mehr

Ausbildung: Eine Übersicht über Studiengänge und Ausbildungsberufe in der Biotechnologie finden Sie in unserer Rubrik Ausbildung. mehr