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Biotechnologie in Dänemark

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Dänemark war eine Zeit lang einer der europäischen Shooting-Stars der Biotechnologie. Noch vor wenigen Jahren sah es ganz danach aus, als würde das kleine Land, in dem nur 5,3 Millionen Menschen wohnen, zu einer der ersten Adressen für Biotechnologie weltweit werden. Im Jahr 2006 veröffentlichte der Wagniskapitalfonds Atlas Venture einen Vergleich der Wagniskapital-Investitionen im Biotechnologiesektor, die in Dänemark, Schweden und Deutschland im Zeitraum von Januar bis September 2006 getätigt wurden. Demnach regneten auf die dänische Branche sieben Deals mit einem Umfang von insgesamt 196,4 Millionen Euro nieder. In Schweden waren es dagegen nur 24 Millionen, und selbst die größte europäische Biotech-Nation Deutschland verzeichnete in diesem Zeitraum Investitionen von nur 101 Millionen  Euro.

Unternehmenslandschaft

Die OECD schätzt, dass Dänemark 2006 die meisten Biotech-Wagniskapitalinvestitionen im Verhältnis zur Größe der nationalen Wirtschaft anzog. Den guten Ruf Dänemarks vervollständigten so glanzvolle Deals wie jene 1,6 Milliarden Euro, die GlaxoSmithKline an das Biotech-Unternehmen Genmab mit Sitz in Kopenhagen für die Lizenzierung des monoklonalen Antikörpers HuMax-CD20 zahlt - falls dieser alle klinischen Studien übersteht. Mittlerweile allerdings ist der Lack ein wenig angekratzt.

Karte DänemarkLightbox-Link
Die meisten Biotechnologieunternehmen und Forschungsinstitute finden sich in der Region um die Hauptstadt Kopenhagen. Aber auch in Aarhus im östlichen Jütland formiert sich ein Cluster.Quelle: Perry-Castañeda Library

Was bisher eine der größten Stärken des Biotech-Standorts Dänemark war, erwies sich in der Finanzkrise als Menetekel. Die Wagniskapitalinvestitionen stürzten im Krisenjahr 2008 regelrecht ab, auf 70 Millionen Euro. Für 2009 liegen noch keine vergleichbaren Zahlen vor. Damit befindet sich das Land immer noch an sechster Stelle in Europa, knapp vor Schweden und hinter Deutschland, Großbritannien, der Schweiz, Frankreich und den Niederlanden. Das ist nach wie vor respektabel, und lässt die Frage aufkommen, warum so viele Investoren ihr Geld in Biotech-Unternehmen rund um Kopenhagen, Aarhus, Aalburg oder Odense stecken.

Report Biotech in Denmark 2008

Dänemark gehört für  Ernst & Young zu den fünf Biotech-Spitzenreitern in Europa. Deshalb hat das Beratungsunternehmen im Jahr 2008 erstmals einen eigenen Länderbericht zur dänischen Branche herausgebracht. Dort wird die Branche in Dänemark mit den vier anderen Mitgliedern des Bestenclubs verglichen - Großbritannien, Deutschland, Frankreich und die Schweiz.

Report als pdf-Download: hier klicken

Für Unternehmen aus dem Bereich der Lebenswissenschaften ist Dänemark ein attraktiver Standort. Die Branche hat in dem kleinsten Land Skandinaviens eine große Tradition. Die Brauerei Carlsberg nahm schon 1847 den Betrieb auf. In jüngerer Zeit kamen Pharmaunternehmen wie Novo Nordisk, Lundbeck oder Leo Pharma hinzu, aber auch Firmen, die sich ausschließlich mit biotechnologischen Fragestellungen beschäftigen wie etwa Novozymes, der Weltmarktführer in der industriellen Biotechnologie oder der Lebensmittel- und Enzymexperte Dansico. Im Windschatten dieser Riesen gedeihen eine ganze Reihe an spezialisierten Start-Ups. Die 14 dänischen Universitäten sorgen dafür, dass der Nachschub an Ideen und qualifizierten Forschern nicht ausgeht. Nicht nur durch die räumliche Nähe sind die Hochschulen eng mit den Unternehmen verbunden. Diese wiederum zeigen eine große Fähigkeit darin, notwendiges Kapital zu beschaffen. Mehr als zehn Prozent der dänischen Biotech-Firmen sind an der Börse, eine außergewöhnlich hohe Rate. In Deutschland sind es etwa zwei Prozent. Eine weitere Stärke ist die hohe Dichte an Kliniken. Unternehmen der medizinischen Biotechnologie haben so die Möglichkeit, präklinische und klinische Studien vor Ort und in engem Kontakt durchzuführen.

Derzeit gibt es nach dem Report "Biotech in Denmark", den die Beratungsagentur Ernst & Young durchgeführt hat, 82 dedizierte Biotech-Unternehmen in Dänemark. Sie beschäftigen insgesamt rund 7200 Menschen. Rund 80 Prozent von ihnen arbeiten bei den fünf größten Biotech-Unternehmen: Novozymes, Genmab, Bavarian Nordic, Neuro Search und CMC Biologics.

  • Novozymes
    Novozymes ist ein dänisches  Unternehmen mit Sitz in Bagsvaerd. Im Jahr 2000 wurde das Pharmaunternehmen Novo Nordisk in drei unabhängige Unternehmen geteilt, die Pharmasparte Novo Nordisk, die Holdinggesellschaft Novo und eben Novozymes. 2007 beschäftigte der selbsterklärte Weltmarktführer der industriellen Biotechnologie 7200 Menschen, die mit der Erforschung und Vermarktung von Enzymen und Mikroorganismen tätig sind. 2009 erwirtschaftete Novozymes damit laut Geschäftsbericht gut 1,1 Milliarden Euro.
    www.novozymes.com
  • Genmab
    Genmab hat sich auf die Entwicklung von humanen monoklonalen Antikörpern für die Krebstherapie spezialisiert. Gegründet wurde die Firma im Februar 1999 als Spin-off der amerikanischen Biotechnologiefirma Medarex. 2006 kam der Durchbruch für das mittlerweile an der Börse gelistete Unternehmen, als das britische Pharmaunternehmen GlaxoSmith Kline sich die Rechte am Antikörper HuMax-CD20 sicherte, ein Geschäft, das bis zu 1,6 Milliarden Dollar in die Kassen von Genmab spülen könnte. Der als Ofatumumab bezeichnete Antikörper wird derzeit in mehreren Phase-III-Studie getestet, unter anderem zum Einsatz gegen chronische lymphatische Leukämie (CLL) und das Non-Hodgkins-Lymphoma. Für eine bestimmte Form von CLL ist Ofatumumab in den USA schon zugelassen, unter dem Markennamen Arzerra. Im März 2010 war Genmab an der Börde rund 430 Millionen Euro wert.
    www.genmab.com
  • Bavarian Nordic
    Bavarian Nordic ist ein dänisch-deutsches Unternehmen, das auf die Entwicklung von Impfstoffen spezialisiert ist. Das Hauptquartier befindet sich im dänischen Kvistgård, es gibt jedoch auch eine Niederlassung in Martinsried bei München und eine Produktionsstätte in Berlin. Derzeit hat das 1994 gegründete Unternehmen 350 Mitarbeiter. Ein großer Auftraggeber ist die amerikanische Regierung, für die Bavarian Nordic einen Pockenimpfstoff entwickelt. Der Impfstoff soll 2010 in einer klinischen Studie Phase III getestet werden. Impfstoffe gegen Prostata- und Brustkrebs befinden sich derzeit in der Phase II.
    www.bavarian-nordic.com
  • Neuro Search
    Die Gründung von sechs ehemaligen Mitarbeitern des Pharmaunternehmens Ferrosan gilt als erstes dänisches Biotechnologie-Unternehmen überhaupt. In den zwanzig Jahren seit 1989 hat Neurosearch, das sich auf Erkrankungen des zentralen Nervensystems spezialisiert, nicht nur eine Börsennotierung erlangt, sondern auch mehr als 200 Mitarbeiter eingestellt. Am weitesten entwickelt ist Huntexil, ein Dopamin-Stabilisierer, der sich gerade in der klinischen Phase-III befindet. NeuroSearch ist an der Börse derzeit 580 Millionen Euro wert.
    www.neurosearch.com
  • CMC Biologics
    Im März 2001 gründeten sechs ehemalige Mitarbeiter von Novo Nordisk die CMC Biopharmaceuticals. Heute hat das Unternehmen, das sich auf die Lohnherstellung von biologischen Komponenten in Mikroorganismen und Zellen spezialisiert hat, nach einigen Zukäufen mehr als 350 Mitarbeiter.
    www.cmcbio.com 

Neben den dedizierten Biotech-Unternehmen betreiben vor allem die großen Pharmaunternehmen biotechnologische Forschung. Zu nennen sind hier unter anderem Novo Nordisk, Leo Pharma und Lundbeck. Besonders Novo Nordisk hat einen großen Einfluss auf die Branche, nicht nur über Aufträge und Aufkäufe von Firmen, sondern auch über die mächtige Novo Nordisk Stiftung. Die unabhängige Institution hat 2009 den Novo Growth Equity Fonds aufgelegt, der jedes Jahr 200 Millionen US-Dollar in kleinere Biotech-Unternehmen investieren will. Novo Nordisk selbst investiert jedes Jahr schon 100 Millionen Dollar in Biotech-Startups.

Die dänische Biotech-Branche ist im europäischen und transatlantischen Vergleich noch relativ jung. 75 Prozent der heutigen Unternehmen wurden in der Boom-Periode von 1997 bis 2004 gegründet. Wie in anderen Ländern auch ist ein Großteil von ihnen in der medizinischen oder roten Biotechnologie tätig. 51% der Firmen beschäftigen sich nach der Erhebung von Ernst & Young mit der Suche nach neuen Therapien, Gewebeherstellung und Drug Delivery. Die Hälfte der verbleibenden Firmen verdient ihr Geld mit Gen- und Eiweißanalysen, oft als Dienstleister für Pharmaunternehmen.

Dansk Biotech

Dansk Biotek ist einer der ältesten Biotechnologieverbände in Europa. Seit 1987 vertritt er die Interessen der Branche. Mit derzeit rund 80 Mitgliedern erreicht er auch eine hohe Abdeckung der dänischen Branche.

www.danskbiotek.dk

Dass Dänemark stark in der Entwicklung ist, wird an der prall gefüllten Pipeline von Biotech-Wirkstoffen deutlich, die sich in der präklinischen oder schon in einer der drei Phasen der klinischen Entwicklung befinden. Ernst & Young platzierte Dänemark 2007 mit 185 Wirkstoffen hinter Deutschland (262) und Großbritannien (361) an dritter Stelle in Europa. Ein genauerer Blick lässt Dänemark sogar noch besser dastehen. So kommt es mit 60 Kandidaten in der als entscheidend bewerteten Phase II schon nahe an Deutschland heran, wo 73 Kandidaten getestet werden. In Phase I hat Dänemark im Jahr 2007 (43) sogar mehr Substanzen als Deutschland (39). Mittlerweile kommt damit jeder neunte Biotech-Medikamentenkandidat, der sich europaweit in der klinischen Studie befindet, aus dem kleinen Land mit 5,3 Millionen Einwohnern. Dank dieses Wellenbergs, der hier auf den Markt zurollt, könnte es in den nächsten Jahren zu einem starken Anstieg an Biotech-Medikamenten kommen, die als Herkunftsbezeichnung "Made in Denmark" tragen. Noch ist aber nicht absehbar, wie viele die strenge Auslese tatsächlich bestehen und nicht nur Hoffnungen, sondern reale Umsätze generieren.

Cluster Medicon Valley

Das Herz der dänischen Biotech-Szene schlägt in Kopenhagen. Ein Bericht des Beratungsunternehmens IRIS Group im Auftrag des nationalen Branchenverbands "Danish Biotech" analysierte 2009 das sogenannte Medicon Valley rund um Kopenhagen. Der Biotech-Cluster hat eine ehrwürdige Tradition und darf als die Keimzelle der Branche in Dänemark gelten. 1989 entstand mit Neurosearch hier das erste dedizierte Biotechnologieunternehmen des Landes.

Medicon Valley

Auf der Internetseite des Clusters MediconValley rund um Kopenhagen gibt es unter anderem eine Datenbank mit 480 skandinavischen Unternehmen aus dem Bereich der Lebenswissenschaften.

www.mediconvalley.com

Heute finden sich je nach Zählweise 60 bis 80 kleine und mittelgroße Biotech-Unternehmen im Großraum Kopenhagen. Das heißt, vier von fünf dänischen Biotech-Unternehmen liegen im Speckgürtel rund um die Hauptstadt. Zum Cluster gehören auch die Pharmariesen Novo Nordisk, Leo Pharma und Lundbeck. In den dedizierten Unternehmen arbeiteten Ende 2007 3.300 Menschen. Die goldene Zeit des Medicon Valley umfasst die Jahre von 1999 bis 2002. In diesem Zeitraum kamen jedes Jahr im Durchschnitt zehn neue Unternehmen hinzu.

Im Gegensatz zu der erfolgsdurchwirkten Vergangenheit sehen die Autoren der Studie die Zukunft des Clusters in eher dunkleren Tönen. Mit Besorgnis erwähnen sie die in letzter Zeit gesunkene Rate an Neugründungen und die ausbleibenden Forschungsinvestitionen. Außerdem spiele Kopenhagen nach wie vor nicht in der gleichen Liga wie die Biotech-Cluster in Boston, Cambridge oder auch Stockholm/Uppsala. Dazu sei noch mehr Venturekapital und eine Verzahnung von Forschung und Industrie notwendig. IRIS empfiehlt unter anderem die Gründung eines Zentrums für Bio-Entrepreneure, das von der Universität von Kopenhagen, der Technischen Universität Dänemarks, der Kopenhagen Business School und den großen Kliniken getragen wird. Das Zentrum soll die Gründungslücke schließen, die nach Meinung einiger Beobachter immer weiter aufklafft.

Der zweitgrößte Biotech-Cluster in Dänemark liegt in der Region rund um die Universität von Aarhus. Dort sitzen nach Angaben von Ernst & Young 13 Prozent der Biotech-Unternehmen. Dass hier Weltklasseforschung betreiben wird, zeigt die Verleihung des Nobelpreises für Chemie 1997 an Professor Jens Christian Skou für seine Erkenntnisse zur Rolle von Enzymen bei der ATP-Synthese.

Medicon Valley ist Mitglied in ScanBalt, einem internationalen Netzwerk von  Biotech-Regionen der Ostseeanrainer. ScanBalt  will die Zusammenarbeit der einzelnen Regionen fördern und so die internationale Wettbewerbsfähigkeit steigern. Auf deutscher Seite sind das BioCon Valley (Mecklenburg-Vorpommern) und die Norgenta Norddeutsche Life Science Agentur für den Raum Schleswig-Holstein und Hamburg in dem Netzwerk vertreten.

 

Hintergrund

Unternehmen: 82 (Ernst&Young) bis 130 (Invest in Denmark)

Schwerpunkt: medizinische und industrielle Biotechnologie

Branchenverband: Dansk Biotek
www.danskbiotek.dk

Regionaler Cluster: Medicon Valley
http://www.mediconvalley.com/

Forschungsförderung
Council for Independent Research
Council for Strategic Research
Danish National Research Foundation
Danish National Advanced Technology Foundation

Rechtliche Grundlagen
Import von humanen Stammzellen erlaubt, Gewinnung nicht, Haftung für gv-Nutzpflanzen liegt bei Landwirten, strenge Abstandsregelung, derzeit kein Anbau von gv-Pflanzen

Internationale Kooperationen

www.internationale-kooperationen.de

Sie interessieren sich für Kooperationen mit Hochschulen und Unternehmen im Ausland? Das internationale Büro des Bundesministeriums für Bildung und Forschung unterstützt einen solchen Austausch. Mehr Informationen zu möglichen Förderprogrammen und länderspezifische Hintergründe finden Sie unter:

www.internationale-kooperationen.de


Downloads

Biotech in Denmark 2008 (Ernst & Young)

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Biopolis Denmark 2005

National Report of Denmark Download PDF (377,7 KB)