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Länderfokus

Biotechnologie im Baltikum

26.07.2006

Die drei baltischen Staaten Estland, Lettland, Litauen gelten stets als Tiger: Ihre Wachstumsraten sind groß, ihre Bürokratie ist klein und damit sollen vor allem ausländische Investoren angelockt werden. In der Biotechnologie sieht das Bild nicht ganz so rosig aus. Litauen punktet mit einer wissenschaftsorientierten Hauptstadt und traditionsreichen Forschungseinrichtungen, hat aber bislang nur drei Unternehmen - die immerhin mit einigem Erfolg. Die Szene in Lettland hingegen ist größer, setzt vor allem auf den Aufbau von pharmazeutischen Produktionsstätten und beginnt sich gerade in einem landesweiten Verband zu organisieren. Ähnlich unübersichtlich sieht es in Estland aus: Auch hier gibt es eine Handvoll unterschiedlichster Firmen, die eng an staatliche Forschungseinrichtungen gekoppelt sind und sich vor allem auf molekularbiologische Dienstleistungen konzentrieren.  All dies zeigt, wie sehr die Entwicklung noch am Anfang steht. Wohin die Reise gehen wird, liegt vor allem am Geld. Und das ist in keinem der Länder üppig vorhanden, weder im privaten noch im öffentlichen Umfeld. Ihre Chancen sehen alle drei in transnationalen Netzwerken - sei es im Ostseeraum oder in Europa.

Einführung

Das Baltikum ist vor allem durch seinen noch frischen politischen Wandel geprägt, der im Jahr 1991 zunächst für eine Unabhängigkeit von der Sowjetunion und im Jahr 2004 zu einem Beitritt zur Europäischen Union führte. Wirtschaftlich können alle Wachstumsraten zwischen 6 und 7 Prozent werden. Diese Umbrüche spiegeln sich auch in den noch jungen Biotech-Szenen der drei Länder wieder. Die Mehrzahl der größeren heutigen Firmen ist aus ehemaligen staatlichen Forschungsinstituten ausgegründet worden und die Beziehungen zwischen Forschung und Wirtschaft sind noch heute sehr eng. Dies zeigt vor allem das Beispiel Litauen mit seinen wenigen Firmen, die nahezu alle aus einem einzigen Institut heraus entstanden sind. Aber auch Lettland profitiert davon, dass es bereits zu Sowjetzeiten einige Standorte für die Pharmaproduktion gab und heute auf diese Tradition aufgebaut werden kann.

Von politischer Seite erhalten die Lebenswissenschaften in allen drei Ländern die größtmögliche Unterstützung: Neben den Informationstechnologien gilt die Biotechnologie in Lettland, Litauen und Estland als Zukunftsfeld. Vor allem im medizinischen Bereich wurden überall etliche Förderprogramme aufgelegt. Landwirtschaftliche Aspekte spielen lediglich in Litauen eine Rolle, ansonsten dominieren Aspekte der Genomforschung, der Enzymtechnologie und der Diagnostika-Entwicklung. So wundert es nicht, dass hier von der Regierung auch umstrittene Großprojekte wie Genomdatenbanken (Lettland, Estland) ohne weiteres finanziell unterstützt werden. Insgesamt können die Länder jedoch nicht ihre Geldlknappheit verbergen - der Anteil des Forschungsbudgets am Bruttoinlandsprodukt liegt nur zwischen 0,4 bis 0.7 Prozent. Privates Geld ist jedoch ebenso knapp, deshalb mussten sich die  meisten Biotech-Unternehmer schon sehr früh über ausreichende Dienstleistungsmodelle im Klaren sein. Die frühere enge Verquickung aus Staat und Wirtschaft führt zudem dazu, dass es vielen Wissenschaftlern an wirtschaftlichen Kompetenzen mangelt.

Hoffnung legt das Baltikum vor allem auf die enge Vernetzung in Nordeuropa im Ostsee-Netzwerk ScanBalt. Anvisiert werden insbesondere Investoren aus Schweden oder Finnland, die mit günstigeren Mieten und geringeren Personalkosten angelockt werden sollen. Dies hat bis date allerdings nur begrenzt funktioniert.

 

Hintergrund

Estland

Unternehmen: 26
Schwerpunkt: Medizin (v.a. Diagnostika, Plattformtechnologien)
Wirtschaftsverband: Estonian Biotechnology Association www.biotech.city.ee

Lettland


Unternehmen:
30 bis 50
Schwerpunkt: Medizin (v.a. Diagnostik, Labortechnik)
Wirtschaftsverband: Latvian Biotechnology Association www.latbiotech.lv

Litauen

Unternehmen: 5
Schwerpunkt: Enzymtechnologie, Medizin, Agrobiotechnologie
Wirtschaftsverband: existiert nicht
Kontakt: Institute for Biotechnology www.ibt.lt

Downloads

ScanBalt Mapping Report 2006

Ein Überblick über die Cluster im ScanBalt-Netzwerk Download PDF (245,7 KB)

Biotechnology in Lithuania - Science and Industry

Author: Prof. Gervydas Dienys, Institute of Biotechnology, Vilnius, 2006 Download PDF (533,5 KB)

Biotechnology in Latvia

Author: Latvian Investment and Development Agency, 2005 Download PDF (4,2 MB)

Research on the Estonian biotechnology sector innovation system

Author: Fraunhofer Institute for Systems and Innovation System, 2002 Download PDF (418,4 KB)

Biotechnology in Estonia - Companies and Research

Author: Estonian Genome Foundation, 2005 Download PDF (892,1 KB)


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