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Biotechnologie in Irland

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Als 'keltischer Tiger' hat Irland in den vergangenen Jahrzehnten einen riesigen Wandel vollzogen: Vom einstigen Armenhaus Europas zu einem wichtigen Standort der Arzneimittelproduktion. Dreizehn der fünfzehn führenden Pharmaunternehmen sind heute auf der Insel präsent, zunehmend auch mit Biotech-Aktivitäten. Eigene, irische Biotech-Entrepreneure gab es indes lange Zeit nur vereinzelt. Erst seit die Regierung nicht mehr nur auf Produktion, sondern auch auf Forschung setzt, entwickelt sich die Szene nachhaltiger. Einen großen Schwung brachte zudem der Beinahe-Kollaps des größten irischen Therapieentwicklers Elan im Jahr 2002. Eine ganze Reihe von Mitarbeitern nutzte die Krise, um eigene Biotech-Firmen zu gründen. Seitdem ist ein regelrechter Aufbruch zu verzeichnen. 

Forschungslandschaft

Biotechnologie wurde in der irischen Forschungslandschaft erst Ende der 80er Jahre als Thema auf die Agenda gebracht - und zwar vomr damaligen National Bord for Science and Technology, das heute in dieser Form nicht mehr existiert. Mit einem Regierungswechsel wurde schließlich im Jahr 1987 ein Nationales Biotechnologie-Programm aufgelegt, dass zur Gründung des Programms 'BioResearch Ireland' bei der Handelsagentur Enterprise Ireland führte. Dabei haben Regierung und  Universitäten zusammengearbeitet, um den akademischen Technologietransfer signifant zu verbessern. Mit Erfolg: Die Gründung der ersten Generation irischer Biotechnologie-Unternehmen als akademische Spin-offs (Arqtech Laboratories, Alimentary Health) geht auf dieses Programm zurück.

Nachwuchsmangel bringt Kickstart für Forschungsinvestement

Den eigentlichen Kick-Start der Biotechnologie-Forschung in Irland gab jedoch erst der Technology Foresight Report des Irischen Wissenschaftsrates im Jahr 1999. Darin wurde die Schaffung einer starken Basis an hochqualifzierten Forschernachwuchs mit Postdoc-Ausbildung angemahnt (sog. fourth level education), um für künftige Herausforderungen der Industrie besser gewachsen zu sein und mehr Forschungskapazitäten im Land aufzubauen. Im Zuge dieser Diskussionen wurde schließlich im Jahr 2000 die irische Wissenschaftsstiftung Science Foundation Ireland (SFI) gegründet. Die Regierung setzte damit erstmals ein deutliches Bekenntnis zur Forschungsförderung. Während diese zuvor auf recht magerem Niveau war (1998: 12,7 Millionen Euro), so investierte die SFI in den Jahren 2000-2006 insgesamt 635 Millionen Euro, hauptsächlich auf den Gebieten der Bio- und der IT-Technologie.

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Forschung Irland
Für die Jahre 2006-2013 sind in der Strategy for Science, Technology and Innovation inzwischen 3,8 Milliarden Euro für Forschungsfinanzierung vorgesehen. Die Biotechnologie hat dabei einen relativ hohen Anteil von etwa 10% der gesamten öffentlichen FuE-Ausgaben, die Irland für die Biotechnologie bereitstellt. Nur Belgien und Finnland kommen ebenfalls auf einen relativ hohen Anteil.

Schwerpunkte der Förderungsstrategie des SFI, in denen zukunftsträchtige Forschungsprojekte umgesetzt und gefördert werden sollen, bilden zwei Programme: die so genannten Strategischen Forschungscluster (Strategic Resarch Clusters SRC) und die Zentren für Wissenschaft, Technik und Technologie (Centres for Science, Engineering & Technology CSET). Die beiden Programme SRC und CSET bilden die Eckpfeiler einer langfristige Wirtschaftsstrategie, bei der Partner aus Wissenschaft und Industrie zusammengebracht und zum Aufbau einer neuen irischen wissensbasierten Wirtschaft beitragen sollen. Momentan fördert das SFI drei CSETs, die sich schwerpunktmäßig mit biotechnologischen Anwendungen beschäftigen: Das Alimentary Pharmabiotic Centre an der University College Cork untersucht die Bedeutung von Darmbakterien für Gesundheit und Krankheiten, das Regenerative Medicine Institute (REMEDI) an der National University of Ireland forscht an Methoden zur regenerativen Medizin und Gewebetechnik, und das Biomedical Diagnostics Institute (BDI) an der Dublin City University, das sich auf die Entwicklung von Biosensoren spezialisiert hat.

Daneben fördert die Regierung mit der Wirtschaftsförderagentur Enterprise Ireland den Technologietransfer und die Kommerzialisierung von Forschungsergebnissen zur Bildung von Start-Up Unternehmen durch gezielte Förderungen von Kooperationsvorhaben und die Bereitstellung von Startkapital. Seit 2001 investierte Enterprise Ireland insgesamt mehr als 40 Millionen Euro in derartige Biotech-Projekte. Zudem bietet die Agentur auf der Internetseite www.biotechnologyirelnad.com unter der Rubrik Techmate eine Plattform, auf der Technologien von Universitäten und anderen Forschungseinrichtungen für Kooperationen, Lizensierungen  und Akquisitionen angeboten werden.

Darüber hinaus unterstützte die irische Regierungin den letzten Jahren aber auch gezielt Forschungs-und Entwicklungsaktivitäten von Unternehmen, um ihre Grundlagenforschung und Produktentwicklung in Irland durchzuführen. (siehe Unternehmenslandschaft) Bis zum Jahr 2013 sollen diese Aktivitäten noch weiter ausgebaut werden. Als Zielmarke wird ein F&E-Volumen durch Unternehmen von 2,5 Milliarden Euro anvisiert. Mindestens 100 Firmen sollen im Jahr 2013 'signifikante' Forschungs- und Entwicklungsprojekte in Irland durchführen, so die Enterprise Ireland Strategie.  

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Gebäude des National Institute for Cellular Biotechnology (NICB)Quelle: Dublin City University

Das National Institute for Cellular Biotechnology (NICB) ist ein Zentrum der Krebsforschung in Irland. Quelle: Dublin City University

Biopolis-Studie: Rote Biotechnologie hat Nase vorn bei Förderung

Eine Aufteilung der öffentlichen Forschungsinvestionen in die verschiedenen Biotech-Bereiche liefert die BioPolis-Studie der Europäischen Kommission zur Biotechnologie (siehe Download), die für ganz Europa die Ausgaben der Jahre 2002 bis 2005 unter die Lupe nahm. Demnach sind in Irland mit 175 Millionen Euro ungefähr 70% der öffentlichen SFI-Förderungen im Bereich der Life Sciences explizit in die Biotechnologie geflossen. Mehr als die Hälfte dieser Ausgaben gingen dabei in die medizinische Biotechnologie, während 20% für die Pflanzen –und Veterinärbiotechnologie aufgewendet wurde. Dies spiegelt erneut den traditionell starken irischen Produktionsstandort im pharmazeutischen Bereich wider.

Die irische Forschung im Bereich der grünen Gentechnik ist verhältnismäßg schwach ausgeprägt. Nach Angaben von GMO Compass wurden zwischen 1992 und 2007 insgesamt fünf transgene Pflanzen, darunter Kartoffeln und Zuckerrüben, zur Herbizid- und Fungizidtoleranz in Freilandversuchen untersucht. Zum Vergleich: In Deutschland wurden im gleichen Zeitraum 168 in Frankreich sogar 587 gentechnisch veränderte Saaten getestet.

87 Millionen Euro für PPPs in der Forschung

Im Jahr 2007 hat die Wissenschaftsstiftung mit 87 Millionen Euro ihre bislang größte Finanzspritze für eine Reihe von gemeinsamen Forschungsprojekten der Industrie und Hochschulen gewährt, mit der elf akademische Einrichtungen sowie 48 einheimische und multinationale Unternehmen im Bereich der Biotechnologie sowie der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) gefördert werden. Geplant sind ein CSET-Projekt sowie zwölf SRC, die beispielsweise ein Immunologieforschungszentrum, ein Exzellenznetz für Funktionsbiowerkstoffe und ein irisches Forschungsnetz für Arzneimittelverabreichung aufbauen sollen. 

Frauenanteil in der Wissenschaft steigern

Um der hohen Nachfrage an Forschernachwuchs zu erfüllen, will Irland insbesondere weibliche Wissenschaftler gezielt fördern. Dafür wurden  Investitionen in Höhe von 4,8 Millionen Euro zur Verfügung gestellt, mit denen im Rahmen des Principal Investigator Career Advancement Award (PICA) drei Jahre lang Frauen unterstützt werden, nach Mutterschafts-, Adoptions- oder Pflegeurlaub bzw. Elternzeit in Positionen im Bereich Wissenschaft und Technik zurückzukehren.

 

Hintergrund

Unternehmen: ca. 59

Schwerpunkt: medizinisch-pharmazeutische Biotechnologie, Diagnostik

Allgemeine Information: www.biotechnologyireland.com

Wirtschaftsverband: Irish Bioindustry Association (IBIA) www.ibec.ie/ibia

Forschungsförderung: Science Foundation Ireland (SFI) www.sfi.ie

Technologietransfer: Enterprise Ireland www.enterprise-ireland.com/

Rechtliche Grundlagen: totales Verbot der embryonalen Stammzellforschung

Downloads

Mapping the Bio-Island

A North-South Study of the Private Biotechnology Sector, IntertradeIreland 2003 Download PDF (465,3 KB)

Vision 2004-2008

People, Ideas & Partnerships for a Globally Competitive Irish research System, SFI 2008 Download PDF (229,2 KB)

BioPolis - Inventory and analysis of national public policies that stimulate research in biotechnology in the period 2002-2005

National Report of Ireland, März 2007 Download PDF (425,4 KB)