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Biotechnologie in Irland

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Als 'keltischer Tiger' hat Irland in den vergangenen Jahrzehnten einen riesigen Wandel vollzogen: Vom einstigen Armenhaus Europas zu einem wichtigen Standort der Arzneimittelproduktion. Dreizehn der fünfzehn führenden Pharmaunternehmen sind heute auf der Insel präsent, zunehmend auch mit Biotech-Aktivitäten. Eigene, irische Biotech-Entrepreneure gab es indes lange Zeit nur vereinzelt. Erst seit die Regierung nicht mehr nur auf Produktion, sondern auch auf Forschung setzt, entwickelt sich die Szene nachhaltiger. Einen großen Schwung brachte zudem der Beinahe-Kollaps des größten irischen Therapieentwicklers Elan im Jahr 2002. Eine ganze Reihe von Mitarbeitern nutzte die Krise, um eigene Biotech-Firmen zu gründen. Seitdem ist ein regelrechter Aufbruch zu verzeichnen. 

Unternehmenslandschaft

In der Wirtschaftspolitik hat sich Irland - mit vier Millionen Einwohnern ein vergleichsweise kleines europäisches Land - einen Namen als 'keltischer Tiger' gemacht. Der Aufschwung setzte bereits in den 60er Jahren ein, noch vor dem Beitritt des Landes zur Europäischen Union im Jahr 1973. Schon damals entschied sich die Regierung, gezielt in Branchen zu investieren, die ohne Rohstoffe auskommen - neben anderem wurde die Pharmaindustrie ins Visier genommen. Bereits 1964 konnte der erste Ansiedlungserfolg vermeldet werden: das US-amerikanische Pharmaunternehmen Squibb Linson (heute Bristol Myers Squibb). 1969 folgte der ebenfalls US-amerikanische Pharmakonzern Pfizer. Mit dem EU-Beitritt und den Unterstützungszahlungen aus dem EU-Strukturfonds setzte sich diese Entwicklung in den folgenden Jahren weiter fort.

Damals wie heute ist die niedrige  Körperschaftssteuer (derzeit 12,5%) eines der attraktivsten Ansiedlungsargumente. Für jene Firmen, die bereits vor 1998 nach Irland gekommen sind, gilt sogar weiterhin der frühere Steuersatz von 10%. Auf diesem Weg hat sich Irland vom Armenhaus zu einem der reichsten Länder Europas hochgearbeitet. Das inflationsbereinigte Pro-Kopf-Einkommen in Irland liegt innerhalb der EU nach Luxemburg auf Rang 2 und ist etwa 31 % höher als in Deutschland.


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Biotech-Clusterregionen in IrlandQuelle: InterTradeIreland, 2003


Abbildung 1: Biotech-Cluster in Irland. Quelle: nach InterTradeIreland, 2003

Die Gesundheits- und Arzneimittelbranche zählt zu den wichtigsten Standbeinen der irischen Wirtschaft.  Die Exporte von chemischen Erzeugnissen (einschließlich Pharmazeutika) machen nach Angaben der deutschen Bundesagentur für Außenwirtschaft (Bfai)  inzwischen beinahe die Hälfte der gesamten Güterausfuhren aus. Irland hat sich vor allem als Produktionsstandort etabliert. Einige der umsatzstärksten Medikamente der Welt werden in Irland hergestellt, darunter Lipitor und Zocor. Waren es anfangs vor allem pharmazeutische Produkte, so spielt die biotechnologische Produktion eine immer wichtigere Rolle. Erst Ende 2007 verkündete das US-amerikanische Pharmaunternehmen Merck, im Südosten eine Impfstoff- und Biologics-Anlage zu bauen, neben seinen zwei beiden bereits existierenden Standorten.  Und der Konzern ist längst nicht allein mit dieser Entscheidung: Abbott hat inzwischen sieben Anlagen in Irland, Johnson&Johnson und Wyeth jeweils sechs, Pfizer fünf, Schering Plough und GlaxoSmithKline haben jeweils vier. Die größte Biotech-Anlage in Irland kann Wyeth vorweisen. 2005 ließ der Pharmakonzern einen rund 1,8 Milliarden Euro teuren 'Biotechnology Campus' in Dublin errichten. Die angegliederte und weltweit größte integrierte Biotech-Fabrikationsanlage soll die Produktion schrittweise aufnehmen und bis 2009 vollständig einsatzbereit sein, mit Platz für 1300 Beschäftigten.

Irland auf der BIO 2008

Sie wollen sich einen kurzen Überblick über Biotechnologie in Irland verschaffen? Dann schauen Sie sich einen kleine Film an, der auf der BIO 2008 in Kalifornien entstanden ist. 

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Nach Angaben der Ansiedlungsagentur Industrial Development Agency Ireland (IDA) haben inzwischen 13 der 15 wichtigsten pharmazeutischen Unternehmen und 15 der 25 größten Unternehmen für medizinische Geräte und Diagnostik der Welt nennenswerte Niederlassungen in Irland.

Diagnostik und Biopharmazeutika bilden Schwerpunkt

Wie groß die irische Biotechnologie-Branche ist, darüber gibt es verschiedene Angaben. In einem im Juli erschienenen Irland-Spezial der Zeitschrift The Scientist ist von 170 Life Sciences-Unternehmen die Rede, die 35.000 Menschen beschäftigen. Der im Jahr 1997 gegründete Unternehmerverband Irish Bioindustry Association (IBA) hat indes etwas mehr als 50 Mitglieder. Dort wird zudem auf Daten der Wirtschaftsförderungsagentur InterTradeIreland verwiesen, die auf die Jahre 2004 und 2003 zurückgehen. Demnach hat die irische Biotech-Industrie  2004 insgesamt 700 Millionen Euro erwirtschaftet. Im Jahr 2003 wurden 59 Unternehmen mit über 4000 Beschäftigten (s. Tabelle 1) gezählt, wobei bei der Erfassung der irischen Biotech-Szene sowohl Unternehmen mit Sitz in der Republik Irland als auch in Nordirland berücksichtigt wurden.


Tabelle 1: Biotechnologie-Unternehmen nach Sektor (2003)

SektorFirmaMitarbeiter
Diagnostik211657
Agrobiotechnologie/ Ernährung11277
Pharmazeutische Services774
Umweltschutz449
Pharmazeutische Biowirkstoffe162033
Total594090

Quelle: InterTradeIreland, 2003

Ein detaillierterer Blick in die Zahlen zeigt, dass von den 59  Firmen insgesamt 18 Unternehmen multinationalen Ursprungs sind, also ihren Hauptgeschäfts- oder Gründungssitz in anderen Ländern haben. Bei den restlichen 41 Unternehmen handelt es sich tatsächlich um einheimische Firmen aus Nordirland bzw.der Republik Irland, die zumeist als Spin-Off einer Universität gegründet worden sind (s. Tabelle 2).

Wie eine Aufschlüsslung nach inhaltlichen Aktivitäten zeigt, sind die meisten Firmen im Bereich Biopharmazeutika aktiv (s.Tabelle 1 und 2). Während 16 Unternehmen, z.B. EiRx Pharma, Elan und Genemedix, Vakzine und Biotherapeutika gegen Krebs, Entzündungen bzw. Autoimmun- und neurodegenerative Erkrankungen entwickeln, gibt es insgesamt 21 Firmen im Diagnostika-Bereich. Aufgrund der unkomplizierten Zulassungsvoraussetzungen und niedrigen Herstellungskosten bietet die Diagnostik-Sparte vor allem universitären Start-Ups die Möglichkeit, relativ leicht Produkte auf dem Markt zu bringen und Einkommensquellen für weitere Forschungsaktivitäten zu generieren. Durch die starken Produktionskapazitäten im Land bieten viele Biotech-Unternehmen Dienstleistungen im pharmazeutischen Gesundheitssektor an. Darunter haben sich insgesamt sieben Unternehmen auf biotechnologische Anwendungen spezialisiert. Dies schließt beispielsweise CMOs für rekombinante Proteine (Archport), die Qualitätssicherung bei der Produktion rekombinanter Biotech-Wirkstoffe (Arqtech Labs) oder genomische und analytische Dienstleistungen ein (Hibergen, Genomic Mining und Surgen).

Zu den bekanntesten Vertretern der irische Biotech-Branche gehört sicherlich Elan, ein irisches Urgewächs, das 1969 gegründet wurde und sich ziemlich schnell als das irische Pharmaunternehmen mit biotechnologischer Ausrichtung entwickelte. Aufgrund hoher finanzieller Risiken entging die Firma im Jahr 2002 nur knapp einem Beinahe-Kollaps, woraufhin viele Mitarbeiter gehen mussten. Heute hat sich das Unternehmen wieder berappelt und verbucht Einnahmen aus vier Produkte auf dem Markt - unter anderem das MS-Mittel Tysabri (zusammen mit Biogen). Rund 1600 Mitarbeiter weltweit sind aktuell bei Elan beschäftigt. Für irische Verhältnisse ist die Pipeline zudem immer noch gut gefüllt. Zwei Präparate befinden sich in Phase III und werden u.a. mit Wyeth zusammen entwickelt. Weitere neun sind in früheren Phasen. 

Für die irische Szene war die Elan-Krise zudem ein regelrechter Segen. Eine Reihe von Elan-Alumni gründeten kurzerhand selbst Biotech-Firmen, darunter Azur Pharmasowie die 2006 an die Börse gegangene AGI Therapeutics und die seit 2007 an der Börse gelistete Merrion Pharmaceuticals. Manche dieser Firmen - wie etwa Athpharma - wurden bereits von größeren gekauft. Andere Ex-Elan-Mitarbeiter verteilten sich wiederum im ganzen Land, wechselten zu bereits bestehenden Firmen in Irland, in die Finanzwelt, an Universitäten oder  Regierungsberatungsstellen. Aus der Sicht von Mary Skelly, Chef von Angel Bioventures in Dublin, war die Elan-Krise "das beste Einzelereignis, das dem Land jemals passiert ist", wie sie im Magazin The Scientist sagt. 

Was die Pipeline irischer Therapieentwickler angeht, so liegt sie trotz der Anstrengungen der letzten Jahre im europäischen Vergleich eher am unteren Ende. Nach Angaben des Ernst&Young Global Reports 2008 hat Irland drei Präparate in Phase III, 16 in Phase II, 3 in Phase I sowie 8 in der präklinischen Phase. Damit liegt Irland weiter hinter Großbritannien, Deutschland oder Frankreich, aber auch hinter kleineren Biotech-Nationen wie Italien, Spanien, Belgien oder Norwegen. 

Tabelle 2: Biotechnologie-Unternehmen nach Unternehmenssitz (2003)

Irland Multinational
SektorFirmaMitarbeiterFirmaMitarbeiter
Diagnostik169275730
Agrobiotechnologie/ Ernährung6615216
Pharmazeutische Services77400
Umwweltschutz44900
Pharmazeutische Wirkstoffe86081973
Total411171182919

Quelle: InterTradeIreland, 2003

Der Bereich Ernährung und Agrobiotechnologie ist trotz der Agrartradition Irlands nicht sehr stark ausgeprägt. Ein Grund dafür könnte die gespaltene Haltung der irischen Bevölkerung gegenüber biotechnologischen Anwendungen in der Landwirtschaft sein (siehe rechtliche Grundlagen). Die elf existierenden Unternehmen konzentrieren sich fast ausschließlich auf die Extraktion und Herstellung von speziellen Nahrungsmittelbestandteilen, die im Lebens- und Futtermittelsektor abgesetzt werden. Lediglich ein Unternehmen, Plant Technology, ist im Bereich der Pflanzenbiotechnologie tätig. Die Firma hat Techniken entwickelt, mit der sich Pflanzen schnell und in hoher Qualität vermehren lassen. Die Umweltbiotechnologie wird durch drei Unternehmen repräsentiert (BioFuture, Bio-IndustriesAlpha Environmental Systems), die sich auf mikrobielle Umweltsanierungen kontaminierter Böden,  Grund- und Abwässer spezialisiert haben. Darüber hinaus existiert ein Forschungszentrum, das in Kooperation mit der Industrie an diesen Themen arbeitet: das Questor Centre.

Regierung setzt auf Ausbildung und Forschung

Um noch mehr Unternehmen nach Irland zu locken, setzt die irische Regierung in den letzten Jahren vor allem auf die Ausbildung von hochqualifzierten Nachwuchs. Aus diesem Grund wurde 2005 unter anderem der Beschluss gefasst, das National Institute for Bioprocessing Research and Training (NIBRT) aus der Taufe zu heben. Stakeholder des NIBRT sind das Trinity College, das University College Dublin, die Dublin City University und das Institute of Technology Sligo. Das NIBRT hat den Auftrag, durch praxisnahe Forschung und der Ausbildung hochqualifizierter 'fourth-level' Experten die im Land ansässigen Biotech-Unternehmen zu unterstützen. Darüber hinaus hat die Regierung zusätzliche Steuervergünstigungen für Firmen eingeführt, die in Irland Forschungsaktivitäten durchführen wollen. Auch dies soll - so die Hoffnung - die irische Forschungsszene stärker befruchten. Um die Entwicklung der irischen Wissenschafts- und Technologiestandorte zu beschleunigen, hat die Regierung zwischen 2000 und 2008 über acht Milliarden Euro bereitgestellt. Weitere 8,2 Milliarden Euro sollen zwischen 2006 und 2013 investiert werden.

Geografisch gesehen befinden sich die meisten Biotech-Firmen (46 der 59) in Regionen, die sich Ende der 90iger Jahre als Cluster herausgebildet haben. Diese verteilen sich rund um die irische Küste und sind vor allem im Umfeld von Universitäten oder großen Städten angesiedelt (s. Tabelle 3 und Abbildung 1). Die wichtigsten Cluster befinden sich in Dublin (16) und Belfast (14) sowie in Cork (8), Galway (5) und Coleraine (3). Unter den insgesamt 46 geclusterten Firmen befinden sich 36 Unternehmen, die in Irland gegründet wurden. 25 (40%) aller 59 Unternehmen haben ihren Ursprung als Spin-Off einer irischen Universität, während einige andere Firmen ihr Geschäftsmodell auf Einlizensierungen von Technologien ausländischer Universitäten stützen.

Tabelle 3: Cluster der Biotechnologie-Unternehmen in Irland

ClusterAnzahl der Unternehmendavon nicht einheimischMittleres Alter der einheimischen Unternehmen
Dublin16124.8
Belfast14145.2
Cork844.8
Galway532.7
Coleraine335.3

Quelle: InterTradeIreland, 2003

Irlands Beteiligungskapitalmarkt bewegt sich

Trotz der kleinen Größe des Landes gibt es eine Reihe von Risikokapitalgebern, die in Irland angesiedelt sind. Wenige allerdings investieren ausschließlich in Biotechnologie. Für die meisten ist dieser Bereich einer von vielen attraktiven Investitionsfeldern. Das zeigt sich auch im Investmentreport 2007 des Seed and Venture Capital Programme von Enterprise Ireland. Demnach sind die Lebenswissenschaften nach Softare und Kommunikation das drittbeliebteste Investitionsfeld. Unter den rund 500 Firmen, in die von 2001 bis 2007 Geld geflossen ist, waren insgesamt 140 Unternehmen aus den Lebenswissenschaften. Sie haben dabei rund 47 Millionen Euro Seed- und VC-Kapital erhalten (Gesamtvolumen 2001-2007: 295 Millionen Euro), während 147 Millionen Euro an Kommunikationsfirmen und 84 Millionen Euro in Softwarefirmen ging.  

Mehr Informationen zum Report: PDF Download

Für neuen Schwung sorgten letztlich auch hier ehemalige Elan-Mitarbeiter, die früher im Elan-eigenen VC Fonds gearbeitet hatten. Im Frühjahr 2008 gründeten sie Fountain Healthcare Partners Venture Fonds mit Hauptsitz in Dublin. Der produktorientierte VC-Fond will zwischen 0,5 Millionen und 7,0 Millionen Euro pro Unternehmen investieren, die Produktentwicklungsprogramme zu speziellen Arzneimitteln, Biotechnologie, medizinischen Geräten und Diagnostika haben. Der Fond hat die erste Finanzierung für seinen Eröffnungsfonds, Fountain Healthcare Partners I, mit 75 Millionen Euro abgeschlossen, will das Volumen allerdings noch auf 100 Millionen Euro erhöhen. Schon jetzt ist er der größte irische VC-Fonds mit Biotech-Aktivitäten. Unterstützt wurde die Gründung unter anderem durch Steuererleichterungen, die von der Regierungsagentur Enterprise Ireland seit 2007 für den Aufbau neuer Wagniskapitalfonds gegeben werden.  

Eine Übersicht über weitere Wagniskapitalgeber in Irland finden Sie hier in einer Zusammenstellung von der irischen Handelsagentur InterTradeIreland: Download PDF

 

Hintergrund

Unternehmen: ca. 59

Schwerpunkt: medizinisch-pharmazeutische Biotechnologie, Diagnostik

Allgemeine Information: www.biotechnologyireland.com

Wirtschaftsverband: Irish Bioindustry Association (IBIA) www.ibec.ie/ibia

Forschungsförderung: Science Foundation Ireland (SFI) www.sfi.ie

Technologietransfer: Enterprise Ireland www.enterprise-ireland.com/

Rechtliche Grundlagen: totales Verbot der embryonalen Stammzellforschung

Downloads

Mapping the Bio-Island

A North-South Study of the Private Biotechnology Sector, IntertradeIreland 2003 Download PDF (465,3 KB)

Vision 2004-2008

People, Ideas & Partnerships for a Globally Competitive Irish research System, SFI 2008 Download PDF (229,2 KB)

BioPolis - Inventory and analysis of national public policies that stimulate research in biotechnology in the period 2002-2005

National Report of Ireland, März 2007 Download PDF (425,4 KB)