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Dossier

Neue Technologien zur Energiegewinnung

04.10.2007
Aus Pflanzenabfällen kann über thermo-chmische Konversionsverfahren Biodiesel gewonnen werden.
Quelle: Daimler-Chrysler

Nach dem prognostizierten Ende des Erdöl-Zeitalters noch in diesem Jahrhundert drängen fast täglich Meldungen über neue Ansätze alternativer Technologien zur Energiegewinnung an die Öffentlichkeit. Weltweit wird an der industriellen Umsetzung innovativer Konzepte zu erneuerbaren Energien gearbeitet, die eine Sicherung des weltweiten Energiebedarfs angesichts hoher Ölpreise, wachsender Energiebedürfnisse bei gleichzeitig sinkenden Reserven gewährleisten sowie eine Bremsung des Klimawandels beschleunigen soll. Die Biotechnologie ist dabei ein Weg, zur Entwicklung optimierter Verfahren der Gewinnung von Biokraftstoffen beizutragen.

Weltweite Entwicklung von Algenkraftstoffen

Die Herstellung von Algenkraftstoffen wird auch in vielen Ländern Europas und Amerika verfolgt. Der Schwerpunkt liegt vor allem in der Entwicklung geeigneter Industrieanlagen, die als Algenfarmen zur Treibstoffproduktion im industriellen Maßstab verwendet werden können.

Anfang 2007 vermeldete das spanische Biotech-Unternehmen Bio-Fuel-Systems (BFS) den Bau der ersten industriellen Anlage weltweit zur Algensprit-Produktion in der Region Alicante in Spanien. Den spanischen Wissenschaftlern um Christian Gomis war es gelungen, Algen in drei Meter langen senkrechten Röhren im industriellen Maßstab zu kultivieren und dabei die Wachstumsdichte auch noch zu erhöhen. Auch aus Frankreich, Holland, Portugal und USA nehmen die Nachrichten über geplante oder im Bau befindliche Algenfarmen rasant zu. Wissenschaftler des französischen Forschungsinstituts INRIA berichteten sogar Anfang des Jahres von Ölausbeuten aus Algen, die im Verhältnis 30 mal ergiebiger als Raps seien. In Villefranche-sur-Mer laufen nun erste Versuche mit Mikroalgen.
Lightbox-LinkBioreaktor zur AlgenzuchtQuelle: Greenfuel Inc.
Geschlossener Bioreaktor zur Algenproduktion. Quelle: Greenfuel Inc.

Mitte des Jahres verkündeten das Biotech-Unternehmen Vertigro und SGCEnergia aus Portugal die Bildung eines gemeinsamen europäischen Biodiesel Rohstoffunternehmens auf Basis von Mikroalgen. Miteigentümer von Vertigro ist das amerikanische börsennotierte Unternehmen Global Green Solutions, das sich auf die Entwicklung von Ökotechnologien für erneuerbarer Energien spezialisiert hat. Der Baubeginn der Pilotanlage in der Nähe von Lissabon ist für Ende 2007 geplant. Das Abkommen sieht vor, dass SGC sich verpflichtet, weitere gewerbsmäßige Anlagen in Portugal und anderen Ländern Europas zu bauen. Darüber hinaus sollen auch in Afrika Anlagen gebaut werden. Auch in Israel startete 2006 eine Kooperation zur Kraftstoffgewinnung aus Algen zwischen dem amerikanischen Unternehmen GreenFuel Technologies und der israelischen Biotech-Firma Algatechnologies, die in der Wüste Arava an der effizienten Kultivierung von Algen in geschlossenen Bioreaktoren arbeitet. Das Projekt wird durch die BIRD (Israel-US Binational Industrial Research and Development) Foundation mit 36 Millionen Dollar unterstützt.

In Neuseeland laufen bereits Tests für Algen-Biodiesel der Firma Aquaflow Bionomic in Marlborough. Der Biodiesel enthält momentan nur eine aus Algen gewonnene Kraftstoffbeimischung von 5%. Das Unternehmen hat eine Million NZ-Dollar und eineinhalb Jahre Forschung in diese Entwicklung investiert, mit der sie aus in Abwasser wachsenden Algen Öl  gewinnen können. Für 2008 wird ein Biodiesel-Beimischungszwang durch die neuseeländische Regierung erwartet.


Auch in Amerika wird die Entwicklung erneuerbarer Energien dank milliardenschwerer Investitionen kräftig angeschoben. US-Präsident George W. Bush forderte in einer Rede zur Lage der Nation 2007, dass bis zum Jahr 2017 mindestens 20% des Benzinbedarfs der USA, d.h. 132 Milliarden Liter, aus dem eigenen Land stammen müsse. Bereits mehrere US-Start-Ups, wie LiveFuels, SolixBiofuels, PetroSun, oder Solazyme arbeiten dabei an verschiedenen Technologien, mit denen sich speziell gezüchtete Algen kultivieren und zu Biodiesel verarbeiten lassen. Während Solix Biofuels mit geschlossenen Algentanks operiert, sieht LiveFuels die einzig kommerziell lohnende Möglichkeit zur Algenkultivierung mit offenen Beckensystemen. Kapitalgeber unterstützten diesen Ansatz bislang mit 10 Millionen Dollar. Das Spin-off Unternehmen GreenFuel aus dem MIT in Cambridge erhielt bislang 20 Millionen Dollar von Venture-Capital-Gebern, womit GreenFuel die Frühphasenfinanzierung weiterer vielversprechender Unternehemen und ihrer Technologien auf diesem Gebiet unterstützt. Das Beratungsunternehmen New Energy Finance schätzte für das Jahr 2006, dass weltweit ein Investitionsvolumen von 8,6 Milliarden Dollar in erneuerbare Technologien durch Venture-Capital-Unternehmen und private Geldgeber aufgebracht wurde, was eine Steigerung um 68% gegenüber 2005 bedeutete. Der größte Teil des Geldes für derartige Unternehmen kam dabei aus den USA, insbesondere aus dem Silicon Valley, das sich damit zunehmend zu einem Hochtechnologiepark, dem „Green Valley“, für erneuerbare Technologien entwickelt.

 

Hintergrund

Umfangreiche Informationen zum Thema Biokraftstoff gibt es bei folgenden Organisationen:

Europäische Technologieplattform Biotreibstoffe: www.biofuelstp.eu
Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR): www.fnr.de
Landwirtschaftliche Biokraftstoffe e.V.: www.lab-biokraftstoffe.de

Downloads

A Look Back at the US Department of Energy's Aquatic Species Program - Biodiesel from Algae

US Department of Energy's Office of Fuels Development, 1998 Download PDF (3,6 MB)

Enerneuerbare Energien: Innovationen für die Zukunft

Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, April 2006 Download PDF (6,4 MB)

Erneuerbare Enegien kompakt: Ergebnisse systemanalytischer Studien

Institut für Energie- und Umweltforschung (IFEU) im Auftrag des BMU, Mai 2007 Download PDF (1,6 MB)

Kraftstoff, Strom und Wärm aus Stroh und Waldrestholz

Forschungszentrum Karlsruhe, 2007 Download PDF (3 MB)


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