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Dossier

Gene geben Gewicht

03.02.2009
Übergewicht kann von Genen beeinflusst werden. Wie genau, das verstehen Forscher immer besser.
Quelle: nafas/pixelio.de

Sind die Gene schuld am Übergewicht? Ja und nein, antworten die Wissenschaftler stets. Aufgrund neuer Erkenntnisse fällt die Antwort jetzt aber so detailliert aus wie nie. Forscher des Helmholtz-Zentrums in München identifizierten sechs neue Gene, die im Gehirn den Appetit anregen. Durch das vor kurzem entdeckte FTO-Gen bekommen Kinder Appetit auf süße und fette Speisen, wie eine irische Studie beweist. Einige wenige Menschen wiederum bleiben aufgrund einer Genmutation auch nach dem dritten Nachtisch rank und schlank. Dass die Menschen in Sachsen-Anhalt im Durchschnitt mehr wiegen als alle anderen Deutschen, liegt wohl aber nicht nur an den Genen.



 

Das Appetit-Gen

Das Gen, das am deutlichsten mit Übergewicht in Zusammenhang gebracht werden kann, ist das sogenannte FTO-Gen. Es wurde im April 2007 von britischen Wissenschaftlern entdeckt (Science, Vol. 316, Nr. 5822, S. 165). Wie eine irische Forschergruppe jetzt mit einer Untersuchung an Kindern feststellte,  verursacht das FTO-Gen einen erhöhten Appetit auf süße und energiereiche Speisen. In der im New England Journal of Medicine (NEJM 2008; 359: 2558-2566) veröffentlichten Studie benötigten Kinder mit dem Adipositas-Gen deutlich mehr Kalorien als andere, um satt zu werden.

Wer Träger bestimmter Genvarianten ist, hat mehr Appetit auf energiereiche Speisen.Lightbox-LinkWer Träger bestimmter Genvarianten ist, hat mehr Appetit auf energiereiche Speisen.Quelle: rezeptanleitung.de

Essverhalten von 97 Kindern untersucht

Die Gruppe um Colin Palmer von der Universität Dundee hatte zunächst 2.726 Kinder im Alter von vier bis zehn Jahren auf das Gen gescreent und zunächst frühere Ergebnisse bestätigt: Träger der Genvariante bringen etwa 1,2 Kilogramm mehr auf die Waage brachten als ihre FTO-losen Altersgenossen. Danach nahmen die Wissenschaftler die Energiebilanz und das Essverhalten von 97 Kindern genauer unter die Lupe.

Eine wichtige Frage betraf den Energieumsatz. Macht das FTO-Gen die Kinder dick, indem es den Grundumsatz senkte? Das würde bedeuten, dass die Kinder bei gleicher Zufuhr von Kalorien weniger Energie verbrauchen würden und deshalb mehr Fett einlagern könnten. Dieses Argument wird häufig von adipösen Patienten geäußert: Sie würden gar nicht mehr essen als andere Menschen und deshalb seien Diäten bei ihnen zwecklos (es sei denn man wolle sie mit einer Hungerkost quälen).

Dieser Mechanismus trifft aber auf das FTO-Gen nicht zu. Kinder mit der als “rs9939609” bezeichneten Risiko-Variante des Gens unterschieden sich im Grundumsatz nicht von anderen Kindern. Sie waren auch nicht bewegungsärmer. Bei einer Testmahlzeit, welche die Forscher den Kindern anboten, fielen die FTO-Genträger aber durch die Wahl ihrer Lieblingsspeisen auf. Zielsicher griffen sie zu den Snacks mit dem höchsten Gehalt an Zucker und Fetten. Nach den Berechnungen der Diätassistenten nahmen sie im Durchschnitt 100 Kalorien mehr zu sich.

Vorliebe für energiedichte Nahrungsmittel

Die Beobachtungen unterstützen die These, dass eine Gehirnregion, der Hypothalamus, maßgeblich an der Steuerung des Appetits beteiligt ist. Genau dort nämlich wirkt das FTO-Gen. Es hat eigentlich die Aufgabe, den Hunger bei einer Mahlzeit rechtzeitig zu dämpfen. Wenn die Genvariante “rs9939609” nun dafür sorgt, dass es diese Funktion nur noch eingeschränkt erfüllen kann, führt dies offenbar dazu, dass die Genträger einen größeren Appetit haben und mehr essen.

Palmer spricht von einem „hyperphagen Phänotyp” des FTO-Gens mit einer starken Präferenz zu energiedichten Nahrungsmitteln, welche die Gewichtsunterschiede erklären könnte. Damit würden Diäten nicht schlechter anschlagen als bei anderen Menschen, vermuten die Forscher. Die Betroffenen müssten allerdings lernen, welche Nahrungsmittel die meisten Kalorien enthalten und diese dann meiden.

 

Hintergrund

Was bedeutet eigentlich Übergewicht? Und ab wann wird Übergewicht zu Adipositas? Das gängiste Maß hierfür ist der Body-Mass-Index (BMI). Er wird berechnet, indem das Körpergewicht (in Kilogramm) durch die Körpergröße (in Metern zum Quadrat) geteilt wird.

unter 18,5 (Untergewicht)

18,5 bs 24,99 (Normalgewicht)

25 bis 29,99 (Übergewicht)

30-34,99 (Adipositas Grad I)

35 bis 39,99 (Adipositas Grad II)

über 40 (Adipositas Grad III) 


Mehr Informationen zum Thema Übergewicht erhalten Sie hier:

International Association for the Study of Obesity (IASO): www.iaso.org

Nationale Verzehrstudie: www.was-esse-ich.de

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