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Dossier

Gene und Verbrechen

30.03.2009
Genetische Fingerabdrücke gibt es überall. Auch auf sterilisierten Wattestäbchen, wie die Polizei im Fall des Phantoms von Heilbronn feststellen musste.
Quelle: jokerbomber / pixelio.de

Am Tatort nach Spuren von Erbgut zu suchen, ist für die Polizei mittlerweile zum Standard geworden. Knapp 800.000 Datensätze hat das Bundeskriminalamt schon gesammelt. Schon jetzt können aus ihnen Merkmale über die Personen herausgelesen werden, der genetische Fingerabdruck könnte zum genetischen Phantombild werden. In England helfen die Gene nicht nur bei der Aufklärung, sondern auch bei der Verhinderung von Straftaten. Wie das Ermittlungsdebakel um das "Phantom von Heilbronn" allerdings zeigt, können DNA-Spuren auch in die Irre führen. In diesem Dossier lesen Sie, welche Rolle die Gene in der Polizeiarbeit spielen, was in Zukunft möglich ist und was nicht.



 

Mit künstlicher DNA Dieben das Geschäft vermasseln

Einen genetischen Fingerabdruck der anderen Art will die Bremer Polizei einsetzen. "DNA-like Coding" heißt die Methode, die es erleichtern soll, Diebesgut wieder aufzuspüren. Wertvolle Gegenstände werden mit einem unabwaschbaren und unsichtbaren Spray markiert, das durch seine individuelle Zusammensetzung jederzeit die eindeutige Zuordnung des Gegenstands zu seinem früheren Besitzer ermöglicht. Die Polizei muss die aufgetragene Substanz auf den gestohlenen Wertsachen nur analysieren und kann dann in einer Datenbank den wahren Besitzer herausfinden, sofern dieser das Perlencollier oder das Ölgemälde zuvor einem "DNA-like Coding" unterzogen hat.

Diebstahlsicherung per künstlicher DNA

In Großbritannien sind zwei Unternehmen schon seit Jahren mit unterschiedlichen Systemen des "DNA-like Coding" auf dem Markt.

Selectamark Security Systems: hier klicken

Smart Water: hier klicken

Dieses Haus ist DNA-geschützt
In Großbritannien und den Niederlanden wird diese Methode schon seit Jahren angewendet, mit erstaunlichen Erfolgen in der Aufklärung, vor allem aber in der Prävention von Verbrechen. Eine Befragung von 101 inhaftierten Verbrechern in britischen Gefängnissen ergab, dass 91 Prozent von ihnen diese Methode des Diebstahlschutzes kannten. 74 Prozent erklärten, dass sie bei einem Hinweisschild wie "Dieses Haus ist DNA-geschützt" von einem Einbruch abgesehen hätten. Die Bremer Polizei kann sich für ihr Pilotprojekt zwischen einem  chemischen und einem biologischen  Codierverfahren entscheiden.

Beide stammen aus Großbritannien. Die Firma SmartWater setzt auf "robuste anorganische Metallverbindungen", die je nach Charge kleine aber feine Unterschiede im Aufbau vorweisen. Der Konkurrent Selectamark Security Systems hingegen arbeitet mit künstlicher DNA. "Wir können die Länge unserer Oligonucleotide und damit die Codierungsmöglichkeit durch die Abfolge der Bausteine beliebig steuern", erklärt Geschäftsführer Chris Taylor.

80 Prozent weniger Einbrüche

Beide Unternehmen verkaufen Sprays, die etwa für fünfzig Markierungen reichen, zu einem Preis um die vierzig Euro. In Bremen, dem bundesweiten Spitzenreiter  bei "Diebstählen unter erschwerenden Umständen", verspricht sich die Polizei einiges von der neuen Technologie. In Großbritannien ging in den markierten Bezirken die Einbruchsrate um achtzig Prozent zurück.

 

Hintergrund

Der genetische Fingerabdruck beschäftigt nicht nur Polizei und Verrbecher, sondern auch Kriminalbiologen, Gerichte, Väter und Künstler. Hier eine Auswahl an weiterführenden Informationen im World Wide Web.


Der Kriminalbiologe Mark Bennecke hat eine ausführliche Linkliste zur Ermittlungsarbeit mit gentechnischen Methoden zusammengestellt.
hier klicken

Zur Verfassungsmäßigkeit des genetischen Fingerabdrucks - eine Einschätzung des Bundesverfassungsgerichts
hier klicken

Eine weitverbreitete Anwendung des genetischen Fingerabdrucks ist der Vaterschaftstest. Anfang 2008 beschloss der Bundestag ein neues Gesetz zur Klärung der Vaterschaft.
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Das britische Unternehmen DNA11 hält die genetischen Fingerabdrücke für Kunst und bietet individuelle DNA-Porträts an.
hier klicken

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