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Wochenrückblick KW 48

05.12.2011

Qiagen: Personalabbau für mehr Rendite

Um seinen Umsatz zu steigern, will das Biotech-Unternehmen Qiagen bis zu zehn Prozent seiner 3 800 Mitarbeiter entlassen.

Das teilte Unternehmenssprecher Thomas Theuringer am 29. November  in einem Interview mit der Rheinischen Post mit. Bis zu 150 Stellen sollen dabei am Stammsitz in Hilden wegfallen, die übrigen in den US-amerikanischen Niederlassungen rund um Washington. Betroffen seien „alle Bereiche und alle Hierarchien“, sowohl Forschung und  Entwicklung als auch Management und Produktion. Das Unternehmen müsse nach „rund 30 Zukäufen in den letzten zehn Jahren nun auch seine administrativen Strukturen konsolidieren", so die Argumentation von Firmenchef Peer Schatz. Qiagen hatte in der Vergangenheit mit der angespannten Wirtschaftslage und Sparanstrengungen in den öffentlichen Gesundheitssystemen zu kämpfen.

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Besonders in den USA gingen die Umsätze mit Qiagens wichtigstem Produkt, einem Test für Gebärmutterhalskrebs-auslösende Viren (HPV), spürbar zurück. „Jetzt haben wir strategische Initiativen auf den Weg gebracht, um die nächste Wachstumswelle vorzubereiten", so Schatz. Er rechnet mit Ersparnissen von jährlich 50 Millionen US-Dollar, die in das Wachstumsfeld molekulare Diagnostik reinvestiert werden sollen. Dem stehen zunächst durch den Konzernumbau entstehende Kosten von 70 Millionen Dollar im vierten Quartal und weiteren 20 Millionen Dollar 2012 gegenüber. Um betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden, plant Qiagen, den Betroffenen „generöse Abfindungen und Unterstützungsleistungen" anzubieten. Gänzlich ausgeschlossen seien betriebsbedingte Kündigungen jedoch nicht, sagte ein Firmensprecher. Die Unternehmensleitung geht davon aus, dass Qiagen im kommenden Jahr weiter wachsen wird. In Hilden wurde 2011 in zwei neue Gebäude investiert.

©biotechnologie.de/bk

Die wichtigsten Nachrichten aus der Biotech-Branche

 

Oxidativer Stress verkürzt das Leben nicht

Oxidativer Stress hat keine Auswirkungen auf die Lebenserwartung.

Diese Theorie vertreten Forscher um Tobias Dick vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in einer Mitteilung vom 5. Dezember. Wie sie in einem Artikel im Fachmagazin Cell Metabolism  (2011, Online-Vorabveröffentlichung) ausführen, gelang es dem Team erstmals, oxidative Prozesse in einem lebenden Organismus zu beobachten. 

Ein Biosensor macht die Oxidantienproduktion (gelb) im Gewebe einer wandernden Fliegenlarve sichtbar.Lightbox-Link
Ein Biosensor macht die Oxidantienproduktion (gelb) im Gewebe einer wandernden Fliegenlarve sichtbar.Quelle: Tobias Dick, DKFZ

Die Forscher schleusten Gene für Biosensoren in das Erbgut von Fruchtfliegen ein. Diese Biosensoren sind spezifisch für unterschiedliche Oxidantien und zeigen durch ein Lichtsignal den oxidativen Status jeder einzelnen Zelle – in Echtzeit, im gesamten Organismus und über die gesamte Lebensspanne. Bereits in den Fliegenlarven entdeckten die Forscher, dass Oxidantien in den verschiedenen Gewebetypen sehr unterschiedlich gebildet werden. Bislang gingen die Wissenschaftler davon aus, dass es mit dem Alter zu einer generellen Zunahme an Oxidantien im ganzen Körper kommt, und dass die Lebensspanne eines Organismus durch die Bildung schädlicher Oxidantien begrenzt wird.

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News: Im Alter aus dem Gleichgewicht

Genau das konnten die Versuche der DKFZ-Forscher jetzt aber nicht bestätigen: Nur im Darm der Fliege nehmen die Oxidantien altersabhängig zu – ihre Aufnahme beschleunigte sich sogar mit fortschreitender Lebensdauer. Auch die gesundheitsfördernde Wirkung von Antioxidantien stellen die Forscher inzwischen in Frage. Hintergrund: Weil viele Krankheits- und Alterserscheinungen mit oxidativem Stress gleichgesetzt werden, verschreiben Ärzte in diesen Fällen Antioxidantien wie N-Acetyl-Cystein (NAC). Bei den Fliegen zeigte sich: Die Menge der Oxidantien im Körper nahm nicht ab, nachdem die Tiere mit NAC gefüttert wurden, sondern im Gegenteil sogar zu. „Offenbar sind viele Ergebnisse, die an isolierten Zellen gewonnen wurden, nicht ohne Weiteres auf die Situation in einem lebenden Organismus übertragbar“, resümiert Projektleiter Dick. Zur besseren Vergleichbarkeit sei nach den Studien an Insekten jetzt ein Versuch mit Säugetieren geplant. 

© biotechnologie.de/ck

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Forschungspreis für nächste Generation biotechnologischer Verfahren

Wissenschaftler, die bereits heute an den biotechnologischen Verfahren von morgen arbeiten, können sich um einen Forschungspreis bewerben, den das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) ausgeschrieben hat.

Künftigen Preisträgern winken Fördermittel, mit denen die Forscher eine eigene Arbeitsgruppe finanzieren können, und das  über einen Zeitraum von bis zu fünf Jahren. Zur Bewerbung aufgerufen sind besonders Nachwuchsforscher, die sich bereits mit der Entwicklung biotechnologischer Produktionsverfahren beschäftigen. Die Ausschreibung ist Teil des Strategieprozesses „Nächste Generation biotechnologischer Verfahren-Biotechnologie 2020+“, den das BMBF 2010 angestoßen hat. Viele Bio- und Ingenieurwissenschafter forschen bereits daran, biotechnologische Methoden weiterzuentwickeln. Oft ist ihnen allerdings nicht voll bewusst, welche Auswirkung ihre Arbeit auf die Entwicklung neuer biotechnischer Produktionsverfahren haben könnte. Das führt oft dazu, dass sie ihre Forschungsanstrengungen in andere Richtungen lenken. Hier setzt die Förderung durch den Forschungspreis „Nächste Generation biotechnologischer Verfahren“ an. Mit dem Preis sollen Forschungsresultate anerkannt werden, die in Hochschulen, Forschungseinrichtungen oder auch in Unternehmen erzielt wurden und die das Potenzial für wissenschaftliche Durchbrüche bergen.

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Förderung: Auftakt zum Strategieprozess: Ideen zur Biotechnologie der Zukunft gefragt

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Um das aufgebaute Know-how zu sichern und auszubauen, wird vielversprechenden Kandidaten eine Forschungsgruppe über bis zu fünf Jahre  finanziert. Die Erkenntnisse sollen dann möglichst in die Entwicklung einer nächsten Generation von biotechnischen Produktionsverfahren münden. Bewerben können sich in Deutschland tätige Forscherinnen und Forscher, die an einer Hochschule oder Forschungseinrichtung tätig sind oder an eine solche wechseln werden. Die Bewerber sollten promoviert sein und möglichst schon Erfahrungen als Arbeitsgruppenleiter gesammelt haben. Besonders aussichtreich sind Bewerber, die ein herausragendes Forschungsresultat erzielt haben, das einen Durchbruch für die Entwicklung innovativer biotechnologischer Verfahren erwarten lässt. Bewerbungen für die erste Auswahlrunde des Forschungspreises können bis zum 31. Januar 2012 beim Projektträger Jülich eingereicht werden (Ansprechpartnerin: Claudia Junge).

Mehr Informationen auf der Website biotechnologie2020plus.de: hier klicken

©biotechnologie.de/pg

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Gel gegen Borreliose-Infektion

Ein neues Gel soll künftig die Infektion mit Lyme-Borreliose nach Zeckenbissen verhindern. 

Wie das Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie in Leipzig (IZI) am 1. Dezember bekannt gab, wird ein entsprechendes Mittel derzeit an Personen mit nachgewiesenen Zeckenbissen getestet. Die Lyme-Borreliose wird durch Zeckenbisse übertragen – jährlich infizieren sich nach Angaben des Robert Koch-Instituts deutschlandweit rund 60 000 Menschen mit dem Bakterium.

Borrelia burgdorferi gilt als Verursacher der Lyme-Borreliose und wird durch Zecken übertragen.Lightbox-Link
Borrelia burgdorferi gilt als Verursacher der Lyme-Borreliose und wird durch Zecken übertragen.Quelle: Center for Disease Control and Prevention

Die Krankheit breitet sich aus, weil milde Winter und die Klimaveränderung das Überleben der Zecken begünstigen. Rechtzeitig erkannt, kann Lyme-Borreliose gut mit Antibiotika therapiert werden, ist sie aber chronisch, ist eine Heilung so gut wie unmöglich. Die Folge sind Rheuma-ähnliche Beschwerden,  Schäden an Nerven, Muskeln, Gelenken und inneren Organen. Die Infektion verläuft oft ohne Symptome, die Krankheit wird deswegen häufig falsch behandelt oder gar nicht erkannt. Eine vorbeugende Therapie oder einen Impfstoff gibt es bisher nicht.

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Forscher am IZI entwickeln derzeit zusammen mit der Schweizer Ixodes AG und dem Institut für Infektionsmedizin und Zoonosen der LMU München ein Gel, welches die Infektion künftig im Keim ersticken soll, wie Projektleiter Jens Knauer erklärt: „Trägt man das Gel gleich nach dem Entfernen der Zecke an der Stichstelle auf und wartet gar nicht erst eventuelle Symptome ab, könnte die Lyme-Borreliose verhindert werden. Denn die Bakterien halten sich die ersten Tage um die Zeckenstichstelle auf und breiten sich erst dann aus.“ Der aktive Wirkstoff des Gels sei Azithromyzin, das sehr effektiv gegen Borrelien wirke und diese in der Haut abtöte. Anders als bei Antibiotika seien auch keine Resistenzen von Borrelien gegen Azithromyzin bekannt. Die präklinischen Studien wurden erfolgreich abgeschlossen, das Gel befindet sich jetzt in der klinischen Phase. „Eine etablierte Infektion lässt sich mit dem Gel jedoch nicht bekämpfen, es dient lediglich der Prophylaxe“, betont Knauer.

© biotechnologie.de/ck

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3,2 Millionen für Cytotools

Die Zulassungsphase für das Wundheilungsmittel DermaPro der Dermatools Biotech AG ist gesichert.

Das teilte die Cytotools AG am 1. Dezember mit. Wie berichtet erwarb Cytotools, der Mutterkonzern von Dermatools Biotech, bei einer Kapitalerhöhung 3,2 Millionen Euro durch Aktienverkauf. Anvisiert waren bis zu 5 Millionen Euro, die für die Finanzierung der klinischen Studie notwendig sind. Statt wie geplant rund 370.000 Aktien fanden aber nur etwa 240.000 Papiere zum Preis von 13,30 Euro pro Stück einen Abnehmer – unterm Strich blieb ein Bruttoemissionserlös von etwa 3,2 Millionen Euro. Mark Freyberg, der Vorstandsvorsitzende ist trotzdem zufrieden: „ Wir werten dies als starken Vertrauensbeweis unserer Aktionäre – gerade im derzeitigen Kapitalmarktumfeld.“ Das restliche benötigte Kapital stelle ein Altgesellschafter von Dermatools Biotech zur Verfügung, so dass die Vorbereitungen für die abschließende klinische Phase nun kurzfristig beginnen können.

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Förderbeispiel: Neue Polymere lassen Zellen wachsen

Förderbeispiel: Turbo für Wundheilung bei Zahnimplantat

DermaPro soll zur Wundheilung insbesondere bei Durchblutungsstörungen, Druckgeschwüren und diabetischem Fuß eingesetzt werden, bevorzugte Zielgruppe sind Patienten, die bereits Kontaktallergien gegen die in den meisten Wundheilungsmitteln enthaltenen Trägersubstanzen und Konservierungsmittel aufweisen. Derzeit wird DermaPro in Phase IIb getestet. Bei positiven Studienergebnissen und wenn die Auswertung im ersten Quartal 2012 erfolgreich verläuft, könnte im kommenden Jahr die entscheidende Studienphase III beginnen. In einer parallel laufenden Studie in Indien wurden dem Wirkstoff bereits eine gute Verträglichkeit und hohes Heilungspotenzial bescheinigt. Mit dem europäischen Zulassungsverfahren will Dermatools Biotech einen weiteren Markt erschließen.

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Darmentzündungen: Infektionsweg entschlüsselt

Ein eigentlich nützliches Darmbakterium greift bei entsprechender genetischer Disposition die Darmschleimhaut an.

Das haben Wissenschaftler der TU München (TUM) herausgefunden und in der Fachzeitschrift Gastrojournal (2011, Bd. 141, S. 959) publiziert.

Durchlässige Schutzbarriere: Fehlt das abdichtende Protein E-Cadherin (hellgrün), entstehen Darmentzündungen.Lightbox-Link
Durchlässige Schutzbarriere: Fehlt das abdichtende Protein E-Cadherin (hellgrün), entstehen Darmentzündungen.Quelle: TUM

Nach ihren Erkenntnissen spielt das Bakterium Enterococcus faecalis dabei eine tragende Rolle. Es produziert das Enzym Gelatinase, das im Mausmodell bei gesunden Tieren harmlos ist. Bei entsprechender genetischer Disposition greift es jedoch die E-Cadherin-Moleküle an, die wie Klebstoff zwischen den Epithelzellen des Darms sitzen und das Gewebe abdichten. Die Darmwand wird durchlässig für Krankheitserreger, und die körpereigene Immunabwehr reagiert auf die Verminderung der Schutzbarriere mit Entzündungen, wodurch weitere Keine in die Darmwand gelangen.

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Menschen: Dirk Haller: Die Darmmikrobe als Problemfall

News: Wie entzündliche Darmleiden Krebs auslösen

So kam es bei den untersuchten Mäusen zur chronischen Darmerkrankung. Der Mechanismus wurde von einem Forscherteam um Dirk Haller vom Lehrstuhl für Biofunktionalität der Lebensmittel an der TUM entdeckt. Die Erkenntnisse tragen dazu bei, die komplexen Ursachen chronischer Darmerkrankungen besser zu verstehen. Die genauen Ursachen entzündlicher Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis Ulcerosa sind nach wie vor unbekannt. Zwar sind bisher rund 100 Gene und Genabschnitte bekannt, die die Anfälligkeit für die Krankheit erhöhen, aus ihrem Vorhandensein lässt sich aber nicht ableiten, ob die Krankheit tatsächlich ausbricht. Hier spielen auch Umweltbedingungen wie Ernährungsgewohnheiten, ein schwaches Immunsystem und Stress eine Rolle. „Bakterien wie E. faecalis wirken verstärkend nach beiden Seiten“, sagt Haller. „Sie können die Erkrankungen eindämmen oder begünstigen. In welche Richtung das Pendel ausschlägt, hängt auch von den Erbanlagen des Wirtsorganismus ab.“

© biotechnologie.de/ck

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