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Bei Codon deutet sich Strategiewechsel an

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Das Firmengebäude der Codon AG in Teltow. Quelle: Codon AG

13.03.2006  - 

Bei der Codon AG in Teltow rumort es offenbar hinter den Kulissen. Davon zeugen mehrere Personalwechsel zu Beginn des Jahres 2006. Sowohl im Aufsichtsrat als auch im Vorstand hat ein Teil der Führungsmannschaft seine Posten verlassen. Dabei könnte das auf Tissue-Engineering spezialisierte Biotech-Unternehmen gerade jetzt Ruhe gebrauchen: Derzeit werden Verhandlungen mit potenziellen Investoren geführt, um gemeinsam mit einem strategischen Partner einen zweiten Anlauf im US-amerikanischen Markt zu wagen.

Bei der Brandenburger Biotech-Firma hat es in den vergangenen Jahren immer wieder Diskussionen darüber gegeben, in welche Richtung sie sich entwickeln soll. Wie das Biologie-Fachmagazin Laborjournal (1-2/2006) jüngst berichtete, hat sich dabei bisher Mitgründerin Olivera Josimovic-Alasevic durchsetzen können. Gemeinsam mit Karl-Gerd Fritsch hatte die Biochemikerin das Unternehmen im Jahr 1993 gestartet, um patienteneigene (autologe) Knorpelzelltransplantate zur Reparatur von Knorpeldefekten im Knie und zur Regeneration degenerierter Bandscheiben zu entwickeln. Im Jahr 1997 erhielt Codon als erste Firma in Europa die Herstellungserlaubnis für autologe Knorpel- und Knochenzelltransplantate. Wie das Laborjournal berichtet, geriet das Unternehmen jedoch vor einigen Jahren in eine finanzielle Schieflage. Der Grund dafür wird vor allem in der Verweigerung der Krankenkassen gesehen, die Kosten für den Einsatz von Tissue-Engineering-Produkten zu erstatten. So hatte Codon zwar eine große Produktionsanlage gebaut, mit der jährlich bis zu 5000 Transplantate hergestellt werden könnten, aber bisher wurde sie nicht ausgelastet. Auch der Börsengang 2001 brachte weniger Geld ein als erhofft. Die Gründung der Tochterfirma in den USA war ebenfalls nicht so erfolgreich, sie musste 2004 aus Kostengründen wieder geschlossen werden.

Streit im Vorstand über strategische Ausrichtung

Angesichts der finanziellen Sorgen waren sich Fritsch und Josimovic-Alasevic uneins darüber, welche Abteilung im Hause bleiben und welche ausgelagert werden sollte. Wie Josimovic-Alasevic im Laborjournal berichtet, wollte Fritsch offenbar Forschung und Entwicklung auslagern, sie hingegen war dafür, Marketing und Vertrieb extern verwalten zu lassen. Auf der Hauptaktionärsversammlung im Sommer 2003 kam es zum Showdown: die Mehrheit unterstützte Josimovic-Alasevic’ Weg, Fritsch hingegen wurde das Misstrauen ausgesprochen.

Kapitalerhöhung im Herbst 2005

Doch auch im Jahr 2004 kam die Codon-Führungsebene nicht zur Ruhe – Fritschs Nachfolger Eckhard Polzer verließ Codon schon nach einem halben Jahr. Auf den kommissarischen Vorstandschef Roland Alexander folgte vor einem Jahr schließlich Betriebswirt Jörg Richter, und damit schien endlich die richtige Person gefunden. Josimovic-Alasevic zog sich aus dem Vorstand zurück, und Richter begann, den Vertrieb auf externe Distributoren und freie Handelsvertreter umzustellen. Mit ihrer Rückendeckung. „Er ist genau der Mann, den Codon gebraucht hat“, wird die Mitgründerin im Laborjournal zitiert. Und: „Die Arbeit, die Herr Richter im vergangenen Jahr geleistet hat, wird sich schon bald auswirken.“ Davon waren offenbar auch Investoren überzeugt: Im November 2005 konnte eine Kapitalerhöhung von 2,5 Millionen Euro abgeschlossen werden.

Neue Personalwechsel Anfang 2006
Anfang Januar jedoch setzte sich erneut ein Personalkarussel in Gang: Zwei neue Aufsichtsratsmitglieder – der Schweizer Unternehmensberater Thommy Stählin und der Mediziner Gert Weidl – waren kaum benannt, da kündigte der vorherige Aufsichtsratsvorsitzende Bernd Wegener seinen Weggang an. Anfang März verließ zudem Finanzchefin Diana Behnen nach nur einem halben Jahr im Job ihren Posten und Josimovic-Alasevic wurde wieder zurück in den Vorstand bestellt. Einige Tage später, am 8. März, wurde dann folgende Nachricht veröffentlicht: „Der Aufsichtsrat vereinbarte mit Herrn Richter heute die Beendigung seiner Tätigkeit, nachdem zwischen dem Aufsichtsrat und Herrn Richter Meinungsverschiedenheiten über die strategische Ausrichtung der Gesellschaft entstanden waren.“ Um welche Meinungsverschiedenheiten es sich dabei konkret handelt, darüber gibt das Unternehmen keine Auskunft. Sprecher Matthias Meissner bestätigte gegenüber biotechnologie.de lediglich, dass Richter offenbar eine neue strategische Orientierung nicht mittragen wollte.

Auf der Suche nach Investor für US-amerikanischen Markt

Zeitlich kommt das personelle Hin und Her für Codon in einem unpassenden Moment. „Wir stehen mit potenziellen Investoren für den US-amerikanischen Markt in Verhandlungen“, sagte Meissner auf Anfrage. Gemeinsam mit einem finanzkräftigen strategischen Partner will man sich ein zweites Mal auf den US-amerikanischen Markt wagen – und ihn dieses Mal gemeinsam erobern. Wann die Verträge unter Dach und Fach sind, ist allerdings ungewiss. Spätestens im August diesen Jahres – dann findet die Aktionärshauptversammlung statt – soll es laut Meissner soweit sein. Davon war allerdings auch schon im August 2005 die Rede. Im Geschäftsbericht für das Jahr 2004 heißt es im Vorwort: „Gegenwärtig befindet sich der Vorstand in der Endphase der Verhandlungen mit einer US-amerikanischen Unternehmensgruppe über die Zeichnung weiterer 2.360.884 Aktion zum Ausgabenpreis von 1,10 Euro und eine langfristige strategische Kooperation, innerhalb derer über Synergien in den Produktportfolien beider Parteien weitere 10 bis 15 Millionen Euro in die Gesellschaft investiert werden sollen.“

 
Weiterführende Informationen

co.don® AG

Das Laborjournal ist ein Service-Magazin für Medizin und Biowissenschaften. Es behandelt alle Themengebiete rund um die Biotechnologie und Lifesciences.

Laborjournal

Downloads

Geschäftsbericht 2004 der Codon AG

Download PDF (625,1 KB)

Pressemitteilung der Codon AG vom 8. März 2006

Download PDF (35,4 KB)