Bioelektronisches Testsystem für die Pharmaforschung
Philipp Julian Köster
Lehrstuhl für Biophysik
Universität Rostock
philipp.koester@uni-rostock.de, Telefon: 0381 / 498 6023, Fax: 0381 / 498 6022
Kurzzusammenfassung:
Elektrische Ladungen spielen im menschlichen Körper eine wichtige Rolle. So arbeiten nicht nur Nerven-, sondern auch Herz- und Netzhautzellen mit elektrischen Signalen. Diese sind an der Steuerung von Mechanismen beteiligt, die beispielsweise den Stoffaustausch zwischen Zellen betreffen. Inzwischen ist klar, dass solche Mechanismen bei der Entwicklung neuer Medikamente beachtet werden müssen: Sie können die Wirksamkeit beeinflussen und für Nebenwirkungen verantwortlich sein. Vor diesem Hintergrund wollen Philipp Köster und sein Forscherteam nun einen neuartigen Ansatz für Wirkstofftests in der pharmazeutischen Industrie weiterverfolgen, der verschiedene Disziplinen wie Biophysik, Zellbiologie, Pharmakologie, Mikrosystemtechnik, Elektrotechnik und Informationstechnik miteinander verknüpft. Dabei handelt es sich um ein Chipsystem, das mit der Technik ("Local Microinvasive Needle Electroporation") arbeitet. Hierbei messen kleinste Siliziumnadel-Elektroden das elektrische Potenzial von Zellen, die auf festen Oberflächen wachsen. Derartige elektrophysiologische Untersuchungen sind nicht nur für Grundlagenforscher von Interesse, sondern auch für Medikamentenentwickler. Die 100 wichtigsten Medikamente haben Zellmembrankanäle als Wirkungsorte. Mit dem Chipsystem könnten sie noch vor dem Einsatz in klinischen Studien – also in der präklinischen Phase – bestimmen, wie sich bestimmte Wirkstoffkandidaten auf Zellverbände auswirken. Im Rahmen von GO-Bio soll der patentierte Ansatz zu einem in-vitro-Diagnostik-System für den Life-Science-Markt weiterentwickelt werden. Langfristig ist die Gründung der Firma PoreGenic AG geplant.