Förderung
GO-Bio-Wettbewerb: Vierte Runde gestartet
Sie sind Biophysiker, Mediziner oder Pflanzenforscher, sie entwickeln neue Mikroskope, Therapien gegen Krankheitserreger oder Mini-Bioreaktoren mit Test-Organen: Insgesamt 28 Forscherteams aus den Biowissenschaften unterstützt das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) bereits mit dem GO-Bio-Wettbewerb, der im Jahr 2005 ins Leben gerufen wurde. Ziel der Initiative ist es, Wissenschaftlern bei der Umsetzung einer kommerziell interessanten Idee zum marktreifen Produkt unter die Arme zu greifen. Nun ist die vierte Ausschreibungsrunde gestartet. Bis zum 20. Juli 2010 können Teams ihre Projektskizzen beim Projektträger Jülich einreichen.
Die Biotechnologie gilt als Innovationstreiber, doch Wirtschaftsimpulse hängen entscheidend davon ab, dass gute Ideen auch tatsächlich ihren Weg vom Labor in den Markt finden. Aber in Deutschland sind Forscher, die mit ihren Ideen den Schritt zur Unternehmensgründung wagen, rar. Das hat kürzlich der Vorstandvorsitzende der Biotechnologie-Firma Qiagen, Peer Schatz, auf den Punkt gebracht. Im Interview mit der Welt sagte er: "Deutschland hat keine Gründungskultur. Wir sind Angsthasen geworden." Neben der Gründermentalität mangelt es auch an Risikokapital, mit dem junge Biotechnologiefirmen die Entwicklung ihrer risikoreichen Projekte finanzieren können. Das BMBF hat deshalb 2005 erstmals die Gründungsoffensive GO-Bio aufgelegt. Ziel dieses Wettbewerbs ist es, Forschungsteams auf ihrem Weg von der vielversprechenden Idee zum marktfähigen Produkt zu unterstützen. Über maximal sechs Jahre finanziert das BMBF ein durch den Wettbewerb ausgewähltes Forscherteam, am Ende sollte im Idealfall die Firmengründung stehen. Angesprochen sind besonders jüngere Forscher, die aber bereits über mehrere Jahre Erfahrung in Wissenschaft oder Forschung und Entwicklung in Unternehmen verfügen.
Bisher 28 Teams mit 62 Millionen Euro gefördert
Die Bilanz der bisher drei GO-Bio Ausschreibungsrunden aus den Jahren 2005, 2006 und 2008 kann sich sehen lassen: Bisher sind 62 Millionen Euro in 28 Projekte geflossen, insgesamt 150 Millionen Euro will das BMBF bis 2015 in die Initiative investieren.
Im Schnitt beläuft sich die Fördersumme pro Gründungsprojekt auf mehr als 2,2 Millionen Euro für die erste von zwei möglichen Phasen. 315 Forscherteams haben sich seit dem Start von GO-Bio mit Projektskizzen beworben, davon hatten es 62 Anträge in die engere Auswahl geschafft, letztlich machten dann 28 Forscherteams das Rennen. Bisher sind aus der GO-Bio Förderung sechs Firmengründungen hervorgegangen, und weitere stehen in nächster Zeit bevor.
Förderung in zwei Phasen
Die GO-Bio-Förderung erfolgt dabei in zwei Phasen, die jeweils auf maximal drei Jahre angelegt sind: In der ersten Förderphase soll von der Arbeitsgruppe das Anwendungspotenzial der Entwicklung herausgearbeitet und bewertet werden (proof of concept). Begleitend sollen konkrete Kommerzialisierungsstrategien für die weitere Umsetzung der Ergebnisse entwickelt werden. In der zweiten Förderphase, über die nach einer Zwischenevaluation entschieden wird, erfolgt die Überführung dieser Strategien in die wirtschaftliche Verwertung (proof of technology & proof of market). Neben der finanziellen Unterstützung werden die ausgewählten Teams von Mentoren begleitet und gezielt beraten.
Nun sind erneut Wissenschaftlerteams aus Hochschulen, Fachhochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen aufgerufen, sich mit guten Ideen für die vierte Auswahlrunde des GO-Bio-Wettbewerbs zu bewerben. Bis zum 20. Juli 2010 muss zunächst eine Projektskizze beim Projektträger Jülich eingereicht werden. Ansprechpartner ist Jan Strey (j.strey@fz-juelich.de).
| Mehr zum Thema auf biotechnologie.de |
Förderung: Biotech-Gründer und Nachwuchsforscher ziehen Bilanz Förderung: Dritte Runde GO-Bio: 14 Millionen Euro für sechs Biotechnologie-Gründerteams biotechnologie.tv: GO-Bio-Spezial |
Neues Modul: Die Innovationsakademie Biotechnologie
Die nun eingeläutete vierte Runde von GO-Bio bietet auch einige neue Elemente für die Bewerber mit Gründungsambitionen. Um den Pool der Vorhaben zu vergrößern, sind in diesem Jahr erstmals auch Forscherteams aus Fachhochschulen aufgerufen, ihre Projektideen einzureichen.
Neu ist auch das Zusatzmodul namens „Innovationsakademie Biotechnologie“. Von diesem Angebot sollen diejenigen Bewerber profitieren, die es mit ihrem Projektantrag nicht in die engere Auswahl der Anträge geschafft haben. Das BMBF möchte einige dieser Bewerber zu einer mehrtägigen Veranstaltung einladen. Bei der „Innovationsakademie Biotechnologie“ sollen neue Ideen für künftige biotechnologische Produkte entstehen. Das Konzept: Es werden Zweierteams aus einem Wissenschaftler und einem Wirtschaftsexperten gebildet. Aus dieser Konstellation heraus soll ein Projektvorschlag entstehen, der nach einer Bewertung durch den Projektträger Jülich in einer Sondierungsphase (9 Monate) und in einer Machbarkeitsphase (bis 2 Jahre) reifen soll. Für bewilligte Projektphasen werden zusammen bis zu 500.000 Euro zur Verfügung gestellt. Eine erste Innovationsakademie soll im November 2010 im Rahmen der „Gründerwoche Deutschland“ stattfinden.
| Mehr Informationen |
Ein weiteres GO-Bio-Novum ist ein Fördermodul zur Stärkung des Technologietransfers. In diesem Rahmen sollen an den Hochschulen oder Forschungeinrichtungen der GO-Bio-Forscher die Strukturen verbessert werden, die den Technologietransfer und patentrechtliche Fragen regeln. Pro bewilligtem Fördervorhaben werden hier 250.000 Euro vom BMBF zur Verfügung gestellt.
