Wirtschaft
BIOTECHNICA 2010: Fokus auf molekulare Diagnostik
Bei Qiagen in Hilden sind zur Zeit mehr Bauarbeiter als Biotechnologen anzutreffen. Gleich mehrere Erweiterungsgebäude werden gleichzeitig hochgezogen. Deutschlands größte Biotechnologie-Firma expandiert, 2009 ist der Umsatz auf eine Milliarde Euro gestiegen, die Mitarbeiterzahl auf 3.500 angewachsen. Ein passender Hintergrund für die Deutsche Messe AG, um auf die nächste Ausgabe von Deutschlands größter Biotechnologie-Messe hinzuweisen. Einer der vielen Schwerpunkte der BIOTECHNICA 2010 vom 5. bis zum 7. Oktober 2010 ist nämlich die molekulare Diagnostik.
"Molekulare Diagnostik und personalisierte Medizin werden künftig immer wichtiger", sagt Ulrich Schriek, bei Qiagen zuständig für das Business Development, anlässlich der Fachpressekonferenz der Deutschen Messe AG zur nächsten BIOTECHNICA in Hannover. Die Entwicklung beim größten deutschen Biotech-Unternehmen zeigt, wie sehr neue Trends in der Molekularbiologie auch auf Firmenaktitvitäten Einfluss nehmen. So verfügt Qiagen mittlerweile über Testverfahren für rund 20 verschiedene Biomarker, die als Hinweis auf die Wirkung von Medikamenten dienen können. Der bekannteste dieser Art aus Qiagens Portfolio ist der K-RAS-Test, der Hinweis über die Mutation eines Gens gibt, dass bei vielen Krebsarten eine wichtige Rolle spielt und damit die Wirksamkeit von Medikamenten gegen mehrere Tumorarten vorhersagen kann. Erst im April hatte DxS, ein im vergangenen Jahr von Qiagen übernommener Diagnostikspezialist (mehr...), die weltweite Exklusivlizenz für den Biomarker PI3K von der amerikanischen Johns-Hopkins-Universität erworben. Studienergebnisse legen nahe, dass Mutationen im PI3K-Gen Prognosen über den Erfolg bestimmter Behandlungen von Patienten mit Lungen-, Brust- und Darmkrebs sowie anderer Krebsarten zulassen. 
Ulrich Schriek, bei Qiagen für das Business Development zuständig, betonte die enorme Bedeutung der personalisierten Medizin für das Gesundheitssystem und sein Unternehmen.Quelle: biotechnologie.de"Neben der Entwicklung dieser vielseitigen Biomarker in eigener Regie arbeiten wir auch mit rund 15 Pharmafirmen zusammen, um speziell für einige Medikamente den passenden begleitenden Test zu entwickeln", erklärt Schriek.
500 Referenten im begleitenden Konferenzprogramm
Nicht zuletzt aufgrund der dynamischen Entwicklungen in diesem Feld setzt die diesjährige BIOTCHNICA hier ihren inhaltlichen Schwerpunkt bei ihren begleitenden Konferenzprogramm. So wird die vom Cambridge Healthtech Institute organisierte Tagung „Molecular Diagnostics Europe“ im Herbst ihre Premiere feiern, die von einer Sonderausstellung begleitet wird. Ebenfalls zum ersten Mal in Hannover öffnet der „5. Weltkongress für Präventive und Regenerative Medizin“ unter Federführung von Augustinus Bader der Universität Leipzig seine Pforten. Die Veranstaltung findet seit 2003 an wechselnden Orten statt und erwartet 800 Wissenschaftler, die über Themen wie Gewebezüchtung, den Einsatz regenerativer Medizin in Kliniken und Anti-Aging-Medizin bis hin zu Stammzellforschung diskutieren. "War bislang noch üblich, Zellkulturen über Wochen im Labor zu generieren, so ist dies inzwischen nicht mehr notwendig", so Bader über die rasant fortschreitende Entwicklung. Eine Reihe von Implantaten könne bereits vor Ort im Patienten selbst herangezogen werden. Neben diesen beiden Veranstaltungen werden im Oktober auch wieder Tagungen zur Knochenheilung mit biotechnologischen Methoden (bone-tech) und zur Herstellung von therapeutischen Proteinen (Protein & Antibody Engineering Summit Europe) stattfinden. Um die Rolle der Sequenziermaschinen der nächsten Generation bei der Analyse von genetischen Daten geht es bei der "Bio.IT World Europe", die ebenfalls eine begleitende Ausstellung aufweisen wird. Insgesamt sollen auf den Konferenzen zusammengenommen mehr als 500 Referenten Vorträge halten.

Die Veranstalter der BIOTECHNICA präsentierten in den Räümen von Qiagen in Hilden einen Ausblick auf das Messeprogramm. In diesem Jahr soll die Biotechnica in Hannover inhaltlich noch vielfältiger werdenQuelle: biotechnologie.de
Hoffnung auf ähnlich hohe Ausstellerzahl wie 2008
Trotz der neuen Angebote erwartet die Deutsche Messe AG gegenüber 2009, als rund 650 Aussteller in Hannover waren (mehr...), jedoch nicht unbedingt ein Plus an Ausstellern. „2008 werden wir knacken“, gab sich Kühne in Hilden dennoch zuversichtlich. Damals kamen 535 Aussteller nach Hannover (mehr...). Der Vergleich mit 2008 ist tatsächlich treffender, weil die BIOTECHNICA bis vor kurzem nur alle zwei Jahre stattfand, und zwar immer an den ungeraden Jahreszahlen. Im Jahr 2008 wurde schließlich die jährliche Schlagzahl beschlossen. Das Experiment glückte mehr oder weniger (mehr...), jedoch halten einige Aussteller nach wie vor an dem alten Rhythmus fest. Das kann auch Annette Angenendt vom Biotechnologiecluster BIO.NRW bestätigen: "Für unseren Gemeinschaftsstand peilen wir in diesem Jahr knapp 20 Aussteller an." 2009 präsentierten sich unter dem Dach des Clusters insgesamt 27 Unternehmen, Institutionen und Universitäten.
Prominenz am Vorabend zur Eröffnung
Zum Eröffnungsprogramm am Vorabend haben sich indes schon eingie prominente Gäste angesagt. Chris Viehbacher, Vorstandsvorsitzender von Sanofi-Aventis, wird die Messe gemeinsam mit dem niedersächsischen Wirtschaftsminister Jörg Bode und Maharaj Kishan Bhan, Regierungssekretär für Biotechnologie im indischen Ministerium für Wissenschaft und Technologie, eröffnen. Angekündigt ist auch John Dalli, der EU-Kommissar für Gesundheit und Verbraucherpolitik, der erst jüngst mit Forderungen aufgefallen ist, den Anbau gentechnisch veränderte Pflanzen in Europa auf europäischer Ebene zu vereinfachen, gleichzeitig aber auch nationale Verbote zu ermöglichen.
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Die Fachmesse BIOTECHNICA versammelt seit 1985 die europäische Biotechnologie-Branche in Hannover. |
Projektforum Biotechnologie mit 120 Vorträgen
Mehr als 120 Vorträge werden auf dem Projektforum Biotechnologie erwartet.Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) zum vierten Mal initiierte Veranstaltung gibt über drei Tage hinweg einen Einblick in alle öffentlich geförderten Forschung- und Entwicklungsprojekte zur Biotechnologie, die im Jahr 2009 abgeschlossen wurden. Wichtig für junge Forscher ist auch die Berufsbörse auf der BIOTECHNICA, die von jobvector betrieben wird. Am 7. Oktober wird hier der "Career day" veranstaltet, an dem sich Arbeitgeber der Branche mit Kandidaten zu Bewerbungsgesprächen treffen.
Unternehmen werden indes bereits den nächsten Sieger des EUROPEAN BIOTECHNICA Awards erwarten. Der von der Deutschen Messe AG vergebene Preis ist mit 75 000 Euro dotiert und zeichnet europäische kleine und mittlere Unternehmen der Biotechnologie und Life Sciences aus, die Innovationskraft mit Markterfolg verbinden. 2009 machte die Schweizer NovImmune SA das Rennen.
