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Erreger des Schwarzen Todes im Mittelalter identifiziert

Die Pest, der Schwarze Tod, wütete Mitte des 14. Jahrhunderts in Europa. 25 Millionen Menschen starben. Hier eine Darstellung der Pest in Florenz 1348 von Giovanni Boccaccio. <ic:message key='Bild vergrößern' />
Die Pest, der Schwarze Tod, wütete Mitte des 14. Jahrhunderts in Europa. 25 Millionen Menschen starben. Hier eine Darstellung der Pest in Florenz 1348 von Giovanni Boccaccio. Quelle: Wellcome Images

13.10.2010  - 

Das Bakterium Yersinia pestis ist tatsächlich der Erreger des "Schwarzen Todes" im Mittelalter. Das haben Anthropologen der Johannes Gutenberg-Universität Mainz anhand von molekularbiologischen Analysen an Pestskeletten belegt. Wie sie im Fachjournal PLoS Pathogens (7. Oktober 2010, Online-Veröffentlichung) berichten, wurde die große Pestwelle, die zwischen 1347 und 1350 Europa überrollte, durch zumindest zwei bisher unbekannte Varianten von Yersinia pestis hervorgerufen. Eine dieser Formen ist heute bereits ausgestorben. Die Analysen erlaubten den Forschern auch zu rekonstruieren, wie sich die tödlichen Keime damals über den europäischen Kontinent ausbreiteten. Aus Asien eingeschleppt, gelangten die Mikroben über Marseille und Westfrankreich bis nach England. Eine andere Route führte offenbar über Skandinavien.

Kaum eine Infektionskrankheit hat das Europa des Mittelalters so stark erschüttert wie die Pest. "Der Schwarze Tod" wurde die Pestwelle genannt, die zwischen 1347 bis 1350 den Kontinent überrollte. Geschätzt 25 Millionen Menschen fielen der Seuche zum Opfer, etwa ein Drittel der Bevölkerung. Bereits seit langer Zeit spekulieren Paläopathologen um den Erreger des Schwarzen Todes. Wegen der Ähnlichkeit des ausgelösten Krankheitsbildes kam für die meisten Mikrobiologen schon früh das Bakterium Yersinia pestis in Frage. Doch der Ursprung der Epidemie war bisher rätselhaft. Auch wurde immer wieder über andere Erreger als mögliche Ursache spekuliert, insbesondere für den nordeuropäischen Raum. Molekularbiologische Analysen von Anthropologen um Barbara Bramanti von der Universität Mainz bringen nun Licht in die düsteren Geschehnisse vor mehr als 600 Jahren. Wie die Mainzer Forscher anhand von DNA- und Proteinanalysen an Pestskeletten eindeutig belegen können, ist Yersinia pestis tatsächlich für das Massensterben im 14. Jahrhundert verantwortlich.

Skelette aus mittelalterlichen Pestgruben abgesucht

Für die jetzt in PLoS Pathogens (7. Oktober 2010, Online-Veröffentlichung) veröffentlichte Arbeit wurden 76 menschliche Skelette aus Massengräbern, mutmaßlichen Pestgruben aus England, Frankreich, Deutschland, Italien und den Niederlanden untersucht. Während andere Erkrankungen wie beispielsweise Lepra an deformierten Knochen auch lange Zeit nach dem Tod gut erkannt werden können, besteht das Problem bei der Suche nach Pestopfern darin, dass diese Krankheit innerhalb von wenigen Tagen zum Tod führen kann und deshalb keine sichtbaren Spuren in den Überresten hinterlässt. In seltenen Fällen hat sich jedoch die DNA des Erregers in der Zahnpulpa erhalten oder es sind noch Proteinspuren in den Knochen nachweisbar. Immer aber müssen die Forscher damit rechnen, dass Kontaminationen ihre Ergebnisse verfälschen. Trotz aller Schwierigkeiten gelang es in zehn Individuen aus Frankreich, England und den Niederlanden, ein Yersinia-pestis-spezifisches Gen zu isolieren. In den anderen Proben wurden die Paläopathologen mithilfe einer immunochromatographischen Methode fündig. Nachdem die Wissenschaftler die Infektion mit Yersinia pestis in ihren Proben eindeutig nachgewiesen hatten, haben sie anhand einer Analyse von rund 20 Markern untersucht, ob eine der bekannten Bakterienvarianten "Orientalis" oder "Medievalis" vorliegt.

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Mittelalterliche Varianten von Yersinia pestis

Stattdessen fanden sie aber zwei unbekannte Formen, die älter sind und sich von den modernen Erregern in Afrika, Amerika, dem Nahen Osten und dem Gebiet der früheren Sowjetunion unterscheiden. Eine dieser beiden Formen, die vermutlich wesentlich zu dem katastrophalen Verlauf der Seuche im 14. Jahrhundert beigetragen haben, ist heute mit großer Wahrscheinlichkeit ausgestorben. Die andere Variante scheint Ähnlichkeiten mit Formen zu zeigen, die vor kurzem in Asien isoliert worden sind.
Aus ihren Resultaten ziehen die Paläopathologen auch weitergehende Schlüsse über die Ausbreitungsroute der Erreger: "Unsere Befunde lassen vermuten, dass die Pest über mindestens zwei Kanäle nach Europa eingeschleppt wurde und dann jeweils eine individuelle Route genommen hat", sagt Barbara Bramanti. Demnach wurden die todbringenden Mikroben im November 1347 aus Asien nach Marseille eingeschleppt und bahnten sich ihren Weg über Westfrankreich nach Nordfrankreich und England. Weil im niederländischen Bergen op Zoom ein anderer Typ von Y. pestis gefunden wurde, gehen die Forscher davon aus, dass die südlichen Niederlande nicht direkt von England oder Frankreich aus infiziert wurden, sondern von den nördlichen Niederlanden aus. Dies wäre eine andere Infektionsroute, die aus Norwegen kommend über Friesland ihren Weg in die Niederlande genommen hätte. Weitere Untersuchungen sind nötig, um den gesamten Ablauf des Seuchenzugs zu entschlüsseln.

 

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