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Medizingipfel: Mehr Impfungen und neue Antibiotika gefordert

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Mehr als 1200 Teilnehmer lockte der Wolrd Health Summit 2011 nach Berlin. Quelle: biotechnologie.de

01.11.2011  - 

Neue Impfstoffe, bessere Antibiotika und präventive Gesundheitsprogramme – dies sind drei der Bausteine, mit denen der steigenden Verbreitung von chronischen Leiden und dem Auftreten von zunehmend resistenten Problemkeimen begegnet werden soll. So könnten sich die Herausforderungen meistern lassen, vor denen die Gesundheitsysteme weltweit stehen, glauben die Konferenzteilnehmer des „World Health Summit 2011“, der Ende Oktober in Berlin stattgefunden hat. Mehr als 1200 führende Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik diskutierten über Strategien, um die Probleme in den Griff zu bekommen.

 

In einer der zahlreichen Veranstaltungen des Kongresses wurde diskutiert, wie die Forschung an neuen Antibiotika vorangebracht werden kann.Lightbox-Link
In einer der zahlreichen Veranstaltungen des Kongresses wurde diskutiert, wie die Forschung an neuen Antibiotika vorangebracht werden kann.Quelle: biotechnologie.de
 

„Wir müssen die Menschen befähigen, die richtigen Entscheidungen in Bezug auf ihre Gesundheit  zu treffen”, forderte Tikki Pang, Direktor für Forschungspolitik und Zusammenarbeit bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO). „Nötig ist eine effiziente Translation von wissenschaftlichen Befunden in politische Entscheidungsprozesse.” Auch Bundesforschungsministerin Annette Schavan betonte in ihrer Eröffnungsrede, wie wichtig es sei, dass Forschungsergebnisse schnell den Patienten erreichen. „Unsere wichtigste Maßnahme dafür ist die Gründung von Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung", sagte die Ministerin (mehr…). "Der Patient, der Bürger, muss dabei im Mittelpunkt aller unserer Aktivitäten rund um die Gesundheit stehen und bleiben.“ Bei Detlev Ganten, dem Initiator und Präsidenten des Gipfels, rannte sie damit offene Türen ein. „Gesundheit ist nur zu etwa zehn bis 20 Prozent Medizin”, lautete seine Einschätzung. „Faktoren wie Politik, Wirtschaft, Religion, Umwelt oder Geographie spielen ebenso eine Rolle.”

World Health Summit

Der World Health Summit wird von der "M8 Alliance", einem Zusammenschluss von Universitätskliniken und medizinischen Hochschulen, ausgerichtet. Auf dem jährlich organisierten Gipfelt treffen führende Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik zusammen.

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Impfungen als Schlüsselstrategie

Trotzdem, das wurde auf dem Kongress deutlich, kommt der Medizin eine Schlüsselfunktion zu. So herrschte unter den Experten Einigkeit darüber, dass Impfungen eine Schlüsselstrategie gegen ansteckende Krankheiten darstellen. “Jede Minute sterben drei Kinder an Krankheiten, die durch eine Impfung hätten vermieden werden können”, berichtete Dagfinn Høybråten, Aufsichtsratsvorsitzender der GAVI Alliance. Dem im Jahr 2000 von Regierungen aus Industrie- und Entwicklungsländern, Impfstoffherstellern sowie zahlreichen Gesundheitsorganisationen gegründeten Netzwerk gehören auch die WHO und die Weltbank an. Die GAVI Alliance setzt sich für einen erleichterten Zugang von Impfstoffen für Kinder in Entwicklungsländern ein. “Wir besitzen die Kenntnisse und die Impfstoffe, aber tun noch zu wenig“, so Høybråten. „Obwohl eine Trendwende sichtbar ist und die Staaten, trotz Wirtschaftkrise, zusammenrücken und Gelder für Impfkampagnen freigeben.” Auch wenn mit Hilfe der GAVI-finanzierten Impfungen inzwischen mehr als fünf Millionen Todesfälle verhindert werden konnten – so eine aktuelle Schätzung der WHO – gibt es noch viel zu tun. "Wir brauchen die Wissenschaft und die Forschung, um auch solch wichtige Impfstoffe wie zum Beispiel gegen AIDS oder Malaria zu entwickeln”, mahnte Stefan Kaufmann an, dem Direktor des Max-Planck-Instituts für Infektionsbiologie. Zumindest für die Tropenkrankheit Malaria keimten zuletzt die Hoffnungen auf einen baldigen Erfolg. Der britische Pharmakonzern GlaxoSmithKline meldete einen Erfolg in der klinischen Phase III (mehr…), auch die Biologie des Malariaerregers wird immer besser verstanden (mehr…).

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Neue Antibiotika gegen resistente Keime

Sanofi-Experte Peter Hammann wirbt dafür, die Anstrengungen in der Antibiotikaentwicklung zu erhöhen.Lightbox-Link
Sanofi-Experte Peter Hammann wirbt dafür, die Anstrengungen in der Antibiotikaentwicklung zu erhöhen.Quelle: biotechnologie.de
In Berlin diskutierten die Experten in einem Panel auch über die Entwicklung neuer Antibiotika. Weil Krankheitserreger immer häufiger Resistenzen entwickeln, verlieren die Medikamente zunehmend ihre Wirkung. Auch eigentlich einfach zu behandelnde Erkrankungen können dann mitunter einen tödlichen Ausgang nehmen. „Nur fünf der großen Pharmaunternehmen entwickeln derzeit noch Antibiotikawirkstoffe“, sagte Bruno Strigini, der Chef des EU- und Kanadageschäfts des US-Pharmariesen Merck & Co. Noch in den achtziger Jahren seien es 37 gewesen. Wegen anhaltenden Misserfolges haben viele der Firmen ihre Forschungsprogramme in den vergangenen Jahren eingestellt. „Im 21. Jahrhundert sind nur acht neue Antibiotika auf den Markt gekommen“, so der koreanische Mediziner Jae Hoon Song, Direktor des Samsung International Hospital Project. Und ohne weitere Unterstützung wird diese Zahl nicht steigen, da sind sich die Fachleute einig. „Die großen Pharmakonzerne haben ihre Substanzbibliotheken durchgescreent“, berichtete Peter Hammann, Head of Opportunities and Innovation beim französischen Pharmakonzern Sanofi. Obwohl hunderttausende Substanzen in Millionen Tests untersucht worden seien, wurde keine neue wirksame Substanz gefunden. Für Hammann ist daher klar: „Wir müssen von Grund auf neue Wirkstoffe entwickeln.“ Nicht nur Antibiotika, die gezielt den Erreger abtöten, seien gefragt, sondern auch Arzneien, die die körpereigene Abwehr stärken oder die krankheitsauslösenden Mechanismen der Keime blockieren. Nabil Safrany, der als Vertreter der EU-Generaldirektion für Gesundheit und Verbraucher an der Diskussion teilnahm, warf die Frage auf, ob zusätzliche Marktanreize, etwa Steuererleichterungen oder Forschungsbeihilfen, die Entwicklung neuer Wirkstoffe vorantreiben könnte. „Wir brauchen ein neues Geschäftsmodell“, lautet sein Fazit. Die Zeit dafür drängt. Sanofi-Experte Hammann warnte in Berlin: „Wir müssen dieses Thema voranbringen, sonst werden uns die Antibiotika ausgehen. Das ist nur eine Frage der Zeit.“

© biotechnologie.de/bk
 

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