Leipziger Stammzellfirmen schließen sich zusammen

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Die Nabelschnurblutstammzellen werden in flüssigem Stickstoff gelagert und können so auch nach vielen Jahren noch transplantiert werden. Quelle: Vita 34 AG

27.06.2012  - 

Zwei deutsche Biotech-Spezialisten tun sich zusammen: Die Vita 34 AG, nach eigenen Angaben „älteste und erfahrenste Nabelschnurblutbank für Eigenvorsorge im deutschsprachigen Raum“ übernimmt den Pflanzenbiotech-Spezialisten Bioplanta GmbH, eine Firma, die für sich in Anspruch nimmt „angewandte Pflanzenbiotechnologie und Ingenieurleistungen auf höchstem Niveau“ zu verbinden. Die Firmengründer kennen sich seit langem. In den neunziger Jahren haben sie sich dafür entschieden ihre jeweiligen Start-ups in der Biocity Leipzig anzusiedeln. Seit 2011 gibt es ein gemeinsames Forschungsprojekt. Durch die Übernahme wechselt die Führungsspitze: Vita 34-Chef Eberhard Lampeter geht, künftig ist der bisherige Bioplanta-Geschäftsführer André Gerth verantwortlich.

Auf den ersten Blick haben die beiden Unternehmen nicht viel gemein: auf der einen Seite die Nabelschnurblutbank Vita 34. Auf der anderen Seite Bioplanta, ein Unternehmen, das auf die pharmazeutische Forschung und Produktion mit Pflanzenzellen spezialisiert ist, international aber auch mit der biologischen Reinigung von kontaminierten Böden mit speziell optimierten Pflanzen punktet.

Mitte Mai hatten die beiden in der Biocity Leipzig angesiedelten Unternehmen angekündigt, zusammengehen zu wollen. Vita 34 übernimmt Bioplanta und zahlt dafür mit 380.000 eigenen Aktien. Bei einem Börsenkurs von rund drei Euro entspricht das einem Kaufpreis von etwas mehr als einer Million. Euro. „Die Zeit für den Zusammenschluss war reif“, sagte der bisherige Bioplanta-Chef André Gerth. Bereits Ende der neunziger Jahre hätten er und Vita-Gründer Eberhard Lampeter sich bewusst gemeinsam für den Standort in der Biocity entschieden. Seit 2011 wird an einem gemeinsamen Verfahren zur Produktion von Frostschutzproteinen in Pflanzenbioreaktoren und deren Anwendung bei der Kältekonservierung von Stammzellen gearbeitet. Vor einiger Zeit kam das Projekt „Arche Noah“ hinzu, bei dem eine kommerzielle Pflanzenkryobank in Deutschland aufgebaut werden soll (mehr...).

Synergieeffekte durch Übernahme

„Vita 34 will durch die Übernahme Synergien im Bereich Biotechnologie gezielt nutzen und die Wertschöpfungskette ausweiten“, hieß es von Seiten der Kryobank bei der Bekanntgabe der Übernahme. Gerth wird noch konkreter: „Wir wollen in drei Bereichen noch enger zusammenarbeiten: in der Forschung und Entwicklung, vor allem von Schutzproteinen für die Kryokonservierung, bei der Expansion ins außereuropäische Ausland und bei der Verwaltung.“ Veränderungen in der Mitarbeiterzahl seien hingegen nicht geplant, versichert Gerth. Im Gegenteil, die Stammzellspezialisten sind weiter auf Wachstumskurs. „Spätestens im nächsten Jahr werden wir neue Flächen im Biocube Leipzig beziehen.“ Die sächsische Metropole soll zu einem wichtigen Standort für die Kryokonservierung biologischer Materialien ausgebaut werden.

Gerth sieht das Zusammengehen von Bioplanta und Vita 34 als weiteren Baustein für eine Stärkung der Lebenswissenschaften in Mitteldeutschland. Passen die Firmen also besser zueinander, als es sich auf den ersten Blick vermuten ließe? Ja, findet Gerth: „Vor allem in der Anwendung finden wir wieder zusammen. Bei beiden Firmen spielen Stammzellen eine zentrale Rolle.“ Entweder, um mit Nabelschnurblut-Stammzellen schwere Krankheiten zu heilen oder um mit Pflanzen-Stammzellen die Renaturierung von belasteten Flächen voranzutreiben.

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„Klassische Bewertungsansätze schlagen fehl“

Mit 16 Mitarbeitern erzielte Bioplanta im vergangenen Jahr einen Umsatz von rund 1,5 Millionen Euro und arbeitet nach eigenen Angaben schon seit vielen Jahren profitabel. Der mit der aktuellen Vereinbarung erzielte Verkaufserlös scheint sich vor diesem Hintergrund – insbesondere im Vergleich zu den sonst in der Biotechnologie gezahlten Aufschlägen – eher bescheiden auszunehmen. „Beim Anteilstausch können klassische Regeln nicht gelten“, räumt Gerth ein. Die üblichen Bewertungsmethoden schlügen in diesem Fall fehl. Da sich die beiden Firmen schon seit langer Zeit gut kennen, sei vor allem im Bereich gemeinsame Produkte noch Großes zu erwarten. „Bioplanta hat ein deutliches Bekenntnis zur gemeinsamen Zukunft mit Vita 34 abgegeben“, so Gerth. Das trifft auch auf ihn ganz persönlich zu: Er allein zeichnete die 380.000 neuen, auf den Namen lautenden Aktien ohne Nennbetrag mit einem rechnerischen Anteil am Grundkapital der Gesellschaft von jeweils einem Euro. Eine Barzahlung sei für ihn nie in Frage gekommen, so Gerth: „Der Aktientausch ist attraktiver als die Cash-option, bei der immer nur ein Augenblickszustand abgebildet wird.“

Die neuen Anteile sichern Gerth einen Vorstandssitz bei Vita 34. Ab dem 1. Juni ist er für das operative Geschäft und die Auslandsaktivitäten verantwortlich. „Wir müssen uns im Bereich International Sales breiter aufstellen.“ Der bisherige Vorstandsvorsitzende Eberhard Lampeter nimmt hingegen seinen Hut,  bleibt dem Unternehmen jedoch als medizinischer Berater verbunden. „Herr Lampeter will sich nach 15 Jahren gerne wieder mehr um die Wissenschaft und die Strategie kümmern“, erläutert Gerth. „Von daher könnte man fast sagen, dass der Vorgang einem turnusgemäßen Wechsel entspricht.“

© biotechnologie.de/bk

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