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Crowdfunding: Forschungsgelder aus dem Schwarm

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Auch für Forscher stellt die Crowd eine interessante Finanzierungsmöglichkeit dar. Quelle: Fotolia

28.06.2012  - 

Schwarmfinanzierung oder crowdfunding ist eine neue Möglichkeit, an Geld für Forschungsprojekte zu kommen. Viele Kleinbeträge ergeben zusammengenommen genügend Geld für die Umsetzung von Ideen. In Deutschland wurden in den letzten Jahren vor allem soziale und künstlerische Projekte via Crowdfunding verwirklicht. In den USA ist diese Finanzierungsform hingegen auch schon bei wissenschaftlichen Fragestellungen gang und gäbe. Andreas Will von der TU Ilmenau möchte mit seinem Apell nun die deutsche Wissenschaftsszene auf Crowdfunding aufmerksam machen.

Mit durchschnittlich 83 US-Cent beteiligten sich die Bürger der Vereinigten Staaten von Amerika 1885 am wohl ersten schwarmfinanzierten Projekt der Welt, dem Sockelbau für die Freiheitsstatue in New York. Mit dieser Anekdote begann Slava Rubin, Geschäftsführer und Mitbegründer des weltweit größten Webservices für Schwarmfinanzierung (crowdfunding) Indiegogo, seinen Vortrag auf der diesjährigen co:funding-Konferenz. Die auf das Thema Crowdfunding spezialisierte Konferenz fand im Rahmen der Internet- und Zukunftskonferenz re:publica am 4. Mai 2012 in Berlin-Kreuzberg statt. Laut Rubin war es allerdings erst das Demokratiewerkzeug Internet, das der Schwarmfinanzierung zum Durchbruch verhalf. „Seit 2007 hat Indiegogo 70.000 Kampagnen in mehr als 200 Ländern finanziert“, erklärte er. Vom Folkmetal-Album bis zur Spezialschlafbrille, kaum eine Idee ist zu abgedreht, als dass sie nicht doch die nötigen Unterstützer fände. Ende 2011 finanzierte der Schwarm einem verzweifelten Paar gar die in vitro-Fertilisation.

Die Vorreiter kommen aus Großbritannien und den USA

Auch Wissenschaftsprojekte bemühen sich um Gunst und Geld der Webgemeinde. Die Pioniere kommen aus dem angelsächsischen Raum, wo durch die gemeinsame Sprache eine große, interessierte Spenderbasis vorhanden ist. Außerdem ist dort die Konkurrenz um die Finanztöpfe ausgeprägter als zum Beispiel in Deutschland. Die Initiative MyProjects der Krebsorganisation Cancer Research UK konnte seit 2008 knapp 1 Million Euro einsammeln.

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In den USA brachten die beiden im November 2011 und im Mai 2012 auf der Plattform Rockethub durchgeführten Finanzierungsrunden insgesamt etwa 140.000 Euro ein. Dank dieser sogenannten #SciFund Challenges konnte somit Geld für 43 Forschungsvorhaben gesammelt werden. Auch über kickstarter.com und über die sich auf Forschung spezialisierenden Crowdfunding-Services petridish.org und sciflies.org wurden schon mehrere Wissenschaftsprojekte erfolgreich finanziert. Bei all diesen Plattformen müssen die werbenden Wissenschaftler mit ihren Projekten nur recht einfache Kontrollmechanismen zu Person und Projekt durchlaufen. Die Spender sollten daher immer genau prüfen, ob ihr Geld zu einer vertrauenswürdigen Person mit einem interessanten und realistischen Projekt fließt. Anders hingegen das Projekt Open Genius und das Open Source Science Project (OSSP): Um mögliche Missbrauchsversuche von vornherein auszuschließen, sollen zum Beispiel nur jene Wissenschaftler Projekte anbieten dürfen, die bereits einer renommierten Forschungsinstitution angehören.

Zur Auswahl stehende Projekte sprechen Menschen in Deutschland nicht an

Bereits 2008 sah Michael Nestor in einem Nature-Blogbeitrag den Nutzen der neuen Finanzierungsart nicht nur in dem Erkenntnisgewinn der so möglich gemachten Forschung, sondern vor allem im Aufbau sogenannter sozioökonomischer Werte: „Lokale Gemeinschaften unterstützen die Forscher ihrer Heimat und werden so zu einer lokalen politischen Kraft, die jene Wissenschaft fördert, die den Menschen vor Ort hilft.“ Jedoch: „Die vorhandenen Plattformen konzentrieren sich auf Projekte, die die Deutschen meist nicht ansprechen“, meint Andreas Will, Professor am Institut für Medien und Kommunikationswissenschaft der Technischen Universität Ilmenau. Auf der co:funding 2012 stellte Will in seinem Vortrag die Ergebnisse seiner Forschung über die Erfolgsfaktoren gelungener Crowdfunding-Projekte vor.

Die co:funding 2012 war in die Konferenz re:publica 2012 eingebettet. Die Vorträge fanden in den Hallen der STATION-Berlin im Stadtteil Kreuzberg statt.Lightbox-Link
Die co:funding 2012 war in die Konferenz re:publica 2012 eingebettet. Die Vorträge fanden in den Hallen der STATION-Berlin im Stadtteil Kreuzberg statt.Quelle: co:funding/Nico Benedickt

Will glaubt, dass viel Potential in Deutschland verschenkt wird. Obwohl die Wissenschaftsfinanzierung in Deutschland auf soliden Füßen steht, seien schwarmfinanzierte Forschungsprojekte dennoch sinnvoll: Mit Forschung von nebenan könne das Bewusstsein für Wissenschaft in Deutschland allgemein geschärft und die Akzeptanz kontroverser Zukunftstechnologien wie Synthetische Biologie oder Nanotechnologie in der Bevölkerung vergrößert werden. Vom Erfolg des Schwarmfinanzierungs-Gedankens überzeugt, richtete er am Ende einen Apell an die Zuhörer, „auch einmal so etwas in Deutschland zu machen“.

Spanische Schwarmfinanzierer spendabler als deutsche

Eines der wenigen schwarmfinanzierten Wissenschaftsprojekte Deutschlands lief über startnext.de. Mit „Lab in a Cell“ wollten Freiburger Studenten 2011 insgesamt 2.500 Euro einwerben, um ihren iGEM-Beitrag auf eine solide wissenschaftliche Basis zu stellen. Die iGEM Competition am MIT in Boston ist der weltweit wichtigste Wettbewerb der synthetischen Biologie. Das Projekt der Freiburger fand aber keine Unterstützer und erreichte nur knapp 10% der veranschlagten Summe. In Spanien hingegen schaffte ein iGEM-Team aus Sevilla die Finanzierung. Der Schwarm spendierte fast 7.000 Euro. Auf lanzanos.com lief das Projekt in der Kategorie „Naturwissenschaft“. Ein klarer Vorteil bei der Werbung um Spendengelder, bei Startnext fehlt nämlich eine solche Kategorisierung. „Noch besser wäre natürlich eine deutsche Crowdfunding-Plattform, die sich ganz der Wissenschaft verschreibt“, so Will.

© biotechnologie.de/ml

 

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