BioPharma-Wettbewerb: 20 Millionen Euro für Neu2-Konsortium
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- Der Biopharma-Wettbewerb geht in die zweite Runde. Unter anderen darf sich das norddeutsche Konsortium Neu2 über 20 Millionen Euro an Fördergeldern freuen. Quelle: fotolia.de
07.08.2012 -
Mit dem BioPharma-Wettbewerb will das Bundesforschungsministerium die pharmazeutische Wertschöpfung in Deutschland stärken. So wurden 2008 bundesweit drei Konsortien ausgewählt, welche die gesamte Wertschöpfungskette von der Laborbank bis in die Apotheke abdecken, um innovative Wirkstoffe zu entwickeln. Das norddeutsche Netzwerk „Neu-Quadrat (Neu2)“ mit seinem Schwerpunkt auf Medikamenten zur Behandlung neurodegenerativer Erkrankungen wurde inzwischen positiv evaluiert. Damit verbunden: ein weiteres Forschungsbudget von 20 Millionen Euro.
Das BMBF hat die nächste Stufe im BioPharma-Strategiewettbewerb gezündet. Davon profitiert das Neu2-Konsortium, einer der drei 2008 gekürten Gewinner des Wettbewerbs (mehr...). Die Kieler dürfen jetzt weitere 20 Millionen Euro an Fördergeldern abrufen. In der ersten Runde des Wettbewerbs hatten sie wie auch die beiden anderen Gewinner Neuroallianz (Bonn) (mehr...) und das Drug Development & Discovery Center (DDC, Dortmund) (mehr...) bereits 20 Millionen Euro erhalten. Ende Juni dieses Jahres hatten sich alle drei Netzwerke einer Evaluation durch das BMBF stellen müssen. Wie die Urteile für die Neuroallianz und DDC ausgefallen sind, ist bislang nicht bekannt.
Wirkstoff-Portfolio von zehn Projekten
„Wir sind hocherfreut über das positive Ergebnis der Evaluation und nehmen das als Ansporn“, so Neu2-Sprecher Timm Jessen. „Es gibt aber noch Luft nach oben.“
| Konsortium Neu2 |
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Das von ihm geleitete Konsortium hat sich auf die Entwicklung von Therapien gegen neurodegenerative Erkrankungen, vor allem Multiple Sklerose, spezialisiert. Zusammengekommen ist ein Wirkstoff-Portfolio von etwa zehn Projekten, die derzeit in allen Phasen der Wirkstoffentwicklung bei den verschiedenen Partnern entwickelt werden. Das am weitesten fortgeschrittene Projekt ist der Antikörper BT-061 in Phase II, der von der Biotest AG eingebracht wurde. Weitere Mitglieder des Verbundes sind das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, die Merck KGaA, die Evotec AG, der European ScreeningPort sowie die Bionamics GmbH von Tim Jessen, welche den Zusammenschluss koordiniert.
Multiple Sklerose im Mittelpunkt
Für den BioPharma-Wettbewerb hat sich das Neu2-Konsortium ein neues Konzept für die Wirkstoffentwicklung ausgedacht und sich auf Erkrankungen des Zentralen Nervensystems spezialisiert. Vor allem Multiple Sklerose steht im Mittelpunkt der Aktivitäten.
| BioPharma-Wettbewerb |
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Als ehemaliger Leiter des Biotechnologie-Geschäftes von Hoechst-Marion-Roussel und einer darauffolgenden Tätigkeit als Forschungsvorstand von Evotec kennt Jessen sowohl die Welt von Big Pharma als auch die Sichtweise kleiner Biotech-Unternehmen. Das ist ein Vorteil, denn Neu2 vernetzt beide Welten. Mit universitären Instituten kommt sogar noch eine weitere Dimension hinzu. Von „Competence-Hopping“ spricht Jessen. „Wir bieten die Möglichkeit, Projekte schlank und ohne firmenrechtlichen Unterbau im Netzwerk weiterzuentwickeln. Nicht jeder Wirkstoff braucht eine eigene Firma.“ Bei Neu2-Sitzungen nehmen stets drei Parteien am Tisch Platz: Der „Owner“, der Sponsor und Bionamics als Koordinator. Hinzu kommt derjenige, der das Projekt gerade bearbeitet und Bericht erstattet.
Intelligente Alternative zur Forschungsfinanzierung
„Die bewilligten Fördermittel stellen eine intelligente Alternative zur Finanzierung unserer Forschung dar, ohne Erfinderrechte abgeben zu müssen“, sagte Dr. Klaus Maleck, Finanzvorstand von Evotec zu Beginn des Neu2-Projektes. „Der Sponsor erhält zwischen 10 und 100 Prozent der Projektrechte. Das ist Verhandlungssache“, so Jessen. Ist die Entwicklung einmal begonnen, werden die Wirkstoffe von Partner zu Partner weitergereicht. Der European Screening-Port entwickelt Assays für den Hochdurchsatz und sucht nach Wirksubstanzen, die das vorgegebene Target angreifen. Evotec übernimmt die Entwicklung zur Lead-Struktur. Bei Merck Serono kann die präklinische Entwicklung stattfinden. Klinische Studien können schließlich am Institut für Neuroimmunologie am Universitätsklinikum Eppendorf durchgeführt werden. „Die Partner werden auf Projektbasis für ihre Arbeit vom Sponsor vergütet“, erläutert Jessen.
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Der Investitionshorizont von qualifizierten Leitmolekülstrukturen bis zu einer erfolgreichen klinischen Phase IIa, nach der die Auslizenzierung verfolgen sollte, beträgt drei bis vier Jahre. Mit diesem Modell wurde auch die IPB AG gewonnen, welche die Bewertung und Verwertung von Patenten übernehmen sollte. Das Unternehmen ist aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten mittlerweile insolvent. Die Gruppe ist allerdings so flexibel aufgestellt, dass auch Dienstleistungen von außen eingekauft werden können. Jessen attestiert dem Neu2-Modell Zukunftsfähigkeit und hat dafür auch schon Zustimmung unter Investoren gefunden. „Mit Hilfe der BMBF-Förderung werden aus zwei investierten Euro bis zu drei Euro. Das ist interessant für Geldgeber.“
Weiteres Geld einwerben
Für die kommende Förderperiode hat sich Jessen viel vorgenommen. „Neue Projekte müssen nicht unbedingt im Gebiet der Multiplen Sklerose abspielen, auch andere neurodegenerative Erkrankungen sind für uns interessant“, so der Biotech-Experte. Neben der Erweiterung des Indikationsspektrums ist jedoch die Einwerbung weiteren Geldes die echte Herausforderung. Denn zusätzlich zu den öffentlichen Mitteln müssen die am Konsortium beteiligten Wirtschaftsunternehmen und andere Investoren noch einmal Gelder in mindestens gleicher Höhe bereitstellen. „Es wäre schön, hier eine Kontinuität hineinzubringen“, sagt Jessen. Die Traumkonstellation wäre ein Wagniskaptital-Investor, der einen Teil seines Fonds den Neu2-Projekten widmet und darüber am Erfolg der Unternehmung beteiligt wird. Eine „Wertsteigerung auf Portfoliobasis“ nennt Jessen das. Nicht nur für ihn wäre das die nächste Stufe in der Medikamentenentwicklung.
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