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MS: Immunzellen schützen vor körpereigener Abwehr

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Bei der Multiplen Sklerose werden die - hier blau eingefärbten - Myelinscheiden beschädigt. Quelle: Marvin 101/Wikimedia commons

21.08.2012  - 

Bei der Multiplen Sklerose führt vermutlich ein außer Kontrolle geratenes Immunsystem zu Schäden an den Nervenfasern. Bisher gingen Wissenschaftler davon aus, dass alle Immunzelltypen mit dafür verantwortlich sind, dass das Immunsystem bei Multipler Sklerose (MS) Neurone angreift. Doch das stimmt offenbar nicht, wie Mainzer Wissenschaftler im Fachmagazin Immunity (2012, Online-Vorabveröffentlichung) berichten. Sie konnten in einem Tiermodell zeigen, dass die Zugabe eines bestimmten Immunzelltyps, sogenannter dendritischer Zellen, die Autoimmunaktivität abschwächt. Die Forscher hoffen, dass diese Entdeckung den Weg zu neuen Therapien ebnet.

Auch wenn die genauen Ursachen der Multiplen Sklerose bis heute nicht genau verstanden sind, bisher herrschte unter Experten große Einigkeit: Aus unbekannten Gründen – die Vererbung spielt wohl auch hier eine Rolle (mehr...) – wendet sich das Immunsystem gegen die körpereigenen Neurone und greift sie an. Dabei entstehen viele kleine fokale Entzündungsherde in der sogenannten weißen Substanz von Hirn und Rückenmark. Die dort liegenden Nervenfortsätze sind Ziel des Attacke, genauer gesagt die sogenannten Myelinscheiden. Diese Strukturen wickeln sich wie ein Isolator um die eigentlichen neuronalen Ausläufer und sorgen für eine schnelle Informationsübermittlung. Werden sie beschädigt, hat das schlimme Folgen. Die neurologischen Symptome bei Multipler Sklerose reichen von Sehstörungen mit Minderung der Sehschärfe und Störungen der Augenbewegung über Taubheitsgefühle und Schmerzen bis hin zu Lähmungen ganzer Gliedmaßen. Nicht in jedem Fall führt MS zu schweren Behinderungen, die Mehrzahl der Patienten bleibt auch viele Jahre nach Beginn der Erkrankung noch mobil.

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Dendritische Zellen schwächen Autoimmunreaktion

Bisher gingen die Wissenschaftler davon aus, dass ein bestimmter Immunzelltyp, sogenannte dendritische Zellen, mit dafür verantwortlich sind, dass das Immunsystem bei Multipler Sklerose (MS) Neurone angreift. In einem Mausmodell haben Mainzer Wissenschaftler nun aber nachgewiesen, dass genau das Gegenteil zutrifft. Sie haben erstmals zeigen können, dass dendritische Zellen in einem MS-Mausmodell sogar eine schützende Funktion erfüllen, berichtet Studienleiter Ari Waisman vom Institut für Molekulare Medizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz: „Durch die Zugabe von dendritischen Zellen ins Blut könnte möglicherweise die Autoimmunaktivität verringert werden.“  

Simulation am Mausmodell

In den Versuchen nutzten die Forscher ein Mausmodell, dass die Entstehung von Multipler Sklerose simuliert. Ein komplizierter Prozess, bei dem unterschiedliche Immunzelltypen einander In der 70. Folge von biotechnologie.tv stellen wir unter anderem neue Forschungsergebnisse aus dem DZNE in Bonn vor.Quelle: biotechnologie.tvbeeinflussen. Dabei werden T-Zellen durch Antigen-präsentierende Zellen aktiviert und rufen die für MS typische Entzündungsreaktion hervor. Bisher war unklar, ob diese Aktivierung durch dendritische Zellen erfolgt, die auch zur Gruppe der Antigen-präsentierenden Zellen gehören. Um dies zu untersuchen, veränderten die Forscher das Maus-Erbgut so, dass keine dendritischen Zellen mehr gebildet wurden. Das Ergebnis: Die Mäuse zeigten sogar schwerere Entzündungsreaktionen als unbehandelte Tiere. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass die dendritischen Zellen das Immunsystem unter Kontrolle halten,“ fasst der am Projekt beteiligte Forscher Nir Yogev zusammen. Ob die Gabe von dendritischen Zellen tatsächlich auch bei MS-Patienten zu einer Linderung der Erkankung führt, müssen weitere Studien zeigen.

© biotechnologie.de/bk
 

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