BDI lenkt Blick auf Wachstumsmotor Gesundheitswirtschaft

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Die Gesundheitswirtschaft als Wachstumsbranche: Laut Zahlen des BDI produziert sie 11 Prozent des deutschen Bruttoinlandsprodukts. Quelle: Harry Hautumm /pixelio.de

26.10.2012  - 

Vom Kostentreiber zur Wachstumsbranche – das Bild von Krankenhäusern, Medikamentenherstellern und Medizintechnikfirmen soll sich ändern. Dafür gründete der in Berlin ansässige Industriedachverband BDI nun einen Ausschuss für Gesundheitswirtschaft. Deren Vorsitzender ist der Bayer-Vorstand Wolfgang Plischke. „Wir wollen darauf hinweisen, dass die Gesundheitswirtschaft zum Wachstum in Deutschland beiträgt und nicht nur als Kostenfaktor gesehen wird“, so Andreas Barner, als Vorstandssprecher von Boehringer Ingelheim ebenfalls in der Arbeitsgruppe vertreten. Um die Qualitäten der Branche zu betonen, hat der BDI eigens eine Studie in Auftrag gegeben, die am 26.Oktober in Berlin im Beisein von Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler vorgestellt wurde.

Analysiert wurden die sieben in Deutschland ansässigen Gesundheitskonzerne Bayer, Boehringer Ingelheim, Fresenius, Grünenthal, Merck KGaA, Roche und Sanofi. Ihre Bruttowertschöpfung ist in den Jahren 2005 bis 2010 um knapp 40 Prozent gestiegen. Das ist rund dreimal so viel wie der Durchschnitt der Gesamtwirtschaft. Insgesamt liegt der Anteil der Gesundheitswirtschaft am deutschen Bruttoinlandsprodukt bei 11 Prozent. Jeder siebte Arbeitnehmer in Deutschland arbeitet hier. Bis zum Jahr 2030 könnte bereits jeder fünfte Arbeitsplatz von Produktion, Vertrieb und Dienstleistungen im Gesundheitssektor abhängig sein. „Die Gesundheitswirtschaft ist der größte Sektor der deutschen Wirtschaft“, sagte BDI-Präsident Hans-Peter Keitel in Berlin. So habe die Industrie von 2005 bis 2010 rund 900 Mio. Euro in „Sachanlagen“ wie etwa neue Fabriken oder Labore in Deutschland investiert.

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Hohe Investionsquote in Forschung & Entwicklung

Mit 9,1 Prozent liegt die Quote der F&E-Investitionen am Umsatz in der Gesundheitswirtschaft so hoch wie in keinem anderen Bereich, knapp geschlagen von der Luft- und Raumfahrtbranche (9,7 Prozent). Dem BDI zufolge sind Gesundheitsprodukte made in Germany ein Exportschlager. Rund 75 Prozent der Erlöse kommen aus dem Ausland. Doch die Branche drückt der Schuh. Verglichen mit den größten 15 Exportnationen in der Gesundheitswirtschaft, gehe der deutsche Marktanteil zurück. „Wir verlieren an Boden“, sagte Heinz Riederer von Sanofi.

Probleme schweißen zusammen. Denn als Gemeinschaft hat sich die Gesundheitsbranche bisher noch nicht verstanden. Zu unterschiedlich waren die Interessen von Arzneimittelproduzenten, Medizintechnikunternehmen, Gesundheitsdienstleistern und Herstellern von Heil- und Hilfsmitteln. „Wir sehen die Notwendigkeit für eine gemeinsame Plattform“, sagt Hermann Requardt, der Chef von Siemens Diagnostics. „Unser Ziel ist das Agenda-Setting in der Gesundheitswirtschaft“, sekundiert der BDI-Vorsitzende Keitel. Er kritisierte in Deutschland einen zurückhaltenden Umgang mit neuen Entwicklungen und nannte dabei die Gentechnik als Beispiel. „Wandel ist nicht bequem.“ Viele Produkte würden in Deutschland nur zurückhaltend angewandt. Im Ausland laute schließlich die erste Frage: Warum benutzt ihr das selbst nicht? Wirtschaftsminister Rösler kennt das Problem – Stichwort Transrapid. Er versprach sich dafür einzusetzen, „das Gesundheitssystem offener für Innovationen zu machen“.

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Der BDI ist Dachverband der deutschen Industrie und vertritt die politische Interessen von mehr als 100.000 Unternehmen mit etwa acht Millionen Beschäftigten.

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Steuerliche Forschungsförderung im Visier

Auch anderen Themen, die sich der neue Ausschuss widmen will, zeigte sich Rösler aufgeschlossen gegenüber. So bei der steuerlichen Forschungsförderung. Die Forschungsministerin sei auf seiner Seite, die Kanzlerin „halb“, nur beim Finanzminister sei man bisher nicht durchgedrungen. Dieser müsse jedoch die „Milliarde“ finanzieren. Auch Barner brennt das Thema auf den Nägeln: „Steuerliche Förderung von F&E ist das effizienteste Mittel zur Stimulierung von Innovation. Schließlich wissen die Unternehmen am besten, wo sich Wissenschaft lohnt.“ Auch andere Themen wie Erstattung oder Kosten- und Nutzenberwertung und weitere Klassiker, die auf der Agenda von Fachverbänden wie etwa dem Verband forschender Arzneimittelhersteller (VFA) seit langem vertreten sind, wurden vorgetragen. Konkurrenzdenken unter den Verbänden gibt es jedoch nicht, wie Susan Knoll vom VFA betont.

Nach all der Harmonie gab der Siemens Diagnostics-Chef Requardt eine ganz eigene Sichtweise auf die Gesundheitswirtschaft. Die Gesellschaft altere und mit ihr auch die in deutschen Betrieben Beschäftigten. Damit Deutschland seinen industriellen Standard halten könne, müsse die Gesundheit bis ins höhere Alter erhalten bleiben. „Damit werden Gesundheitsausgaben zu einer Investition in die ökonomische Basis Deutschlands – den Arbeitnehmern“, so Requardt. Mit einem Seitenhieb auf das Finanzgewerbe schloss er: „Die Gesundheitswirtschaft ist systemrelevant.“

© biotechnologie.de/pd

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