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Deutsche Forscher experimentieren mit Crowdfunding

Saskia Oldenburg setzt auf Crowdfunding. Mit den Fördergeldern soll eine Pilotanlage entstehen, die Pferdemist für weitere Anwendungen wie der Biogasproduktion aufbereitet. <ic:message key='Bild vergrößern' />
Saskia Oldenburg setzt auf Crowdfunding. Mit den Fördergeldern soll eine Pilotanlage entstehen, die Pferdemist für weitere Anwendungen wie der Biogasproduktion aufbereitet. Quelle: TUHH

22.11.2012  - 

Auf einem Reiterhof fällt viel Mist an. Schade eigentlich, dass dieser nicht direkt zur Biogaserzeugung genutzt werden kann. Die Umwelttechnikerin Saskia Oldenburg von der Technischen Universität Hamburg-Harburg möchte das gern ändern. Sie hat sich ein Konzept für die Aufbereitung von Pferdemist überlegt, das sie gern im Großmaßstab testen möchte. Gemeinsam mit zwei Kollegen wirbt sie nun online um potenzielle Investoren. Auf der Webseite der Crowdfunding-Plattform Sciencestarter stellen sie ihr Projekt vor. 10.000 Euro müssen zusammenkommen, damit der Forschertraum Realität wird. Sciencestarter ist die erste deutschsprachige Adaption eines Crowdfunding-Service für Forschung. International gibt es bereits Anbieter wie die #SciFund Challenge und PetriDish.org, doch ist nicht jeder Forschungsbegeisterte in Deutschland des Englischen mächtig. Diese Lücke will Sciencestarter schließen.

Vor wenigen Monaten beklagte sich der Medienwissenschaftler Andreas Will von der TU Ilmenau auf einer Konferenz in Berlin, dass es noch keinen deutschsprachigen Crowdfunding-Service gäbe (mehr...). Sein Flehen wurde erhört. Seit 21. November ist Sciencestarter am Start. Der Motor hinter dem Projekt ist die Wissenschaft im Dialog gGmbH, eine Art Experimentallabor für Wissenschaftskommunikation der großen deutschen Forschungsinstitutionen wie der Helmholtz-Gemeinschaft und der Fraunhofer-Gesellschaft. Katja Machill und Thorsten Witt kümmern sich bei Wissenschaft im Dialog um das Nesthäkchen – und sind knapp 24 Stunden nach dem Start der Website stolz über die Entwicklung. „Die Zahl der Fans und Unterstützer steigt nahezu minütlich“, so Machill. 

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Das Alles-oder-nichts-Prinzip
Ein neues Forschungsprojekt durchläuft bei Sciencestarter immer zwei Phasen. Zunächst beschreiben die jeweiligen Initiatoren die Idee. Texte, Videos und Bilder sollen möglichst genau dessen Sinn, Zweck und Durchführbarkeit beschreiben. Dabei gibt es eine konstante Rückmeldung durch die interessierte Netzgemeinde. Erst wenn genügend Fans das Projekt für gut genug befinden, startet Phase zwei. Nach dem Festlegen des nötigen Budgets und des gewünschten Zeitrahmens gilt es in der Finanzierungsphase, möglichst viele spendable Unterstützer zu finden. Misslingt es den Forschern, genügend Geld für ihr Vorhaben zu sammeln, dann bekommen die Unterstützer ihren jeweiligen Geldbetrag zurück. Kommt das Geld jedoch zusammen, startet das Projekt durch.

„Für das erste Jahr haben wir uns vorgenommen, etwa 50 Projekte in die Finanzierungsphase zu bringen“, erläutert Machill die Ziele der Sciencestarter-Macher. „Richtig toll wäre es, wenn wir etwa 15 bis 20 Projekte davon auch finanziert bekämen.“ Derzeit sind fünf Projekte in der Finanzierungs- und zwei weitere in der Vorbereitungsphase. Das ist aber noch nicht das Ende der Fahnenstange, weiß Machill: „Wir stehen noch mit etwa zehn weiteren Forschern in Kontakt. Einige davon haben ihr Video leider nicht mehr zum Start der Website fertig produzieren können.“ Somit wird in den nächsten Wochen noch so manch neue Idee auf Sciencestarter auftauchen.

Sciencestarter unterstützt nicht nur Forschungsprojekte. Auch wissenschaftliche Reisen oder Beiträge zur Wissenschaftskommunikation können vorgestellt werden.Lightbox-Link
Sciencestarter unterstützt nicht nur Forschungsprojekte. Auch wissenschaftliche Reisen oder Beiträge zur Wissenschaftskommunikation können vorgestellt werden.Quelle: sciencestarter.de

Pferdemist und Sensorknoten 
Bereits online ist das Hamburger Pferdemist-Projekt. Mit einem neuen Aufbereitungskonzept für Dung sollen konventionelle Biogasanlagen auch ohne teure Anpassung der Technik Pferdemist vergären können. Saskia Oldenburg, Verena Höck und Florian Haberland von der Technischen Universität Hamburg-Harburg brauchen für den Aufbau einer Testanlage im Technikumsmaßstab insgesamt 10.000 Euro. Oldenburg, Diplomingenieurin für Energie und Umwelttechnik, tüftelt gerade an ihrer Doktorarbeit. Unterstützer will sie auch mit originellen Prämien gewinnen. Wer 500 Euro investiert, der erhält einen in Acrylglas gegossenen Pferdeapfel. Wer 1.000 Euro locker macht, dem winkt eine Reitstunde unter Anleitung der 28-jährigen Pferdenärrin. 

Felix Büsching und sein Team bieten als Dankeschön für die Finanzierung gleich das Gerät an, für das sie werben. Es geht um ein Medizinprodukt mit dem schönen Namen INGA. INGA ist ein Sensorknoten, der an der TU Braunschweig entwickelt wurde. Moderner und preiswerter als andere Sensorsysteme soll er in Zukunft zur Aktivitätsbestimmung von Menschen eingesetzt werden. Für die Zertifizierung als Medizinprojekt benötigen die Ingenieure allerdings 20.000 Euro. Mögliche Unterstützer könnten vor allem am Open Access-Gedanken der Braunschweiger Gefallen finden: „Alles was wir machen ist quelloffen. Wir glauben, dass wir so die Welt einfach ein kleines bisschen besser und gerechter machen können“, so Büsching. 

Sciencestarter

Mit Crowdfunding wissenschaftliche Projekte fördern - dieser Herausforderung widmet sich die im November eröffnete Website sciencestarter.de. hier klicken

Eine Lücke geschlossen 
Markus Weißkopf, Geschäftsführer von Wissenschaft im Dialog, glaubt, dass Sciencestarter ein Lücke in der Finanzierungslandschaft der deutschen Wissenschaftsszene schließt: „Gerade Wissenschaftler, die Mittel brauchen, die vom Volumen her unter dem Radar großer Förderprojekte liegen, passen zu uns.“ Besonders Projekte und Anschaffungen, die ein Forschungsinstitut nicht selbst finanzieren kann, für die aber ein Antrag auf Unterstützung durch klassische Fördereinrichtungen wie die Deutsche Forschungsgemeinschaft zu aufwendig ist, könnten sich für eine Finanzierung durch den Schwarm anbieten. Neben Forschungsprojekten können übrigens auch wissenschaftliche Reisen oder Beiträge zur Wissenschaftskommunikation wie Scienceslams oder Publikationen eingereicht werden.

Die Technik hinter der Webseite wird von der Startnext Network betrieben. Startnext.de ist schon bundesweit bekannt. Ebenfalls ein gemeinnütziger Schwarmfinanzierer, hat sich Startnext aber auf kreative Projekte aus den Bereichen Kunst oder Musik spezialisiert – und ist dort erfolgreich. Ob Sciencestarter durchstartet hängt nicht zuletzt auch von der Bekanntheit des Service ab. „Ohne mediale Präsenz geht es nicht.“ Was laut Weißkopf für die Projekte seiner Plattform zutrifft, gilt erst recht für Sciencestarter als Ganzes. Die Anschubfinanzierung stammt vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, der einen fünfstelligen Betrag beigesteuert hat. Langfristig soll sich Sciencestarter über Spenden finanzieren.

© biotechnologie.de/ml

 

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