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Biotech-Firma will per Crowdfunding Krebsstudie finanzieren

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Riboxxim ist ein auf RNA-Bausteinen basierender Wirkstoff, der das Immunsystem im Kampf gegen Krebs ankurbeln soll. Für klinische Testphasen will die Herstellerfirma aus Radebeul bei Dresden nun per Crowdfunding Geld einsammeln. Quelle: Riboxx GmbH

24.07.2014  - 

In der deutschen Pharmabranche ist es ein Novum: Das 2009 gegründete Start-Up Riboxx will für eine Patientenstudie für seine Krebsimmuntherapie Geld von Privatinvestoren einsammeln – per Crowdfunding. 400.000 Euro will das 15 Mitarbeiter zählende Unternehmen aus Radebeul damit einnehmen, wie es am 24. Juli mitteilte. Der RNA-Wirkstoff namens Riboxxim kurbelt das Immunsystem an und könnte so womöglich Rückfällen bei Krebspatienten vorbeugen. In der Regel gehen Biotechnologie-Unternehmen mit großen Pharmaunternehmen Partnerschaften ein, um die kostspielige Arzneientwicklung finanziell zu stemmen. Für die einst vom Bundesforschungsministerium geförderte Riboxx GmbH bietet das Crowdfunding laut Gründer Jacques Rohayem hingegen die Möglichkeit einer „unabhängigeren, demokratischen“ Finanzierung.

Virologe Jacques Rohayem ist der Erfinder des RNA-Wirkstoffes und des Verfahrens, mit dem Riboxxim im industriellen Maßstab hergestellt werden kann. Wegen des wirtschaftlichen Potenzials dieser Innovation erhielt er im Jahr 2007 und 2010 eine Millionenförderung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) – als einer der Gewinner des GO-Bio-Wettbewerbs, mit den Gründerteams in den Lebenswissenschaften unterstützt werden (mehr...). Kleine RNA-Moleküle bilden die Basis der Wirkstoffe, die Riboxx entwickelt.

Crowdfunding

Die Riboxx GmbH-Präsenz auf der Crowdfunding-Plattform Seedmatch: hier klicken

Spin-off der TU Dresden

Die Riboxx GmbH wurde 2009 als Spin-off aus der Medizinischen Fakultät der Technischen Universität Dresden gegründet. 2010 konnte das Start-up Wagniskapital vom Technologiegründerfonds Sachsen einsammeln. Am weitesten fortgeschritten sind die Radebeuler mit ihrem Medikamenten-Kandidaten Riboxxim. GO-Bio: Jaques RohayemUntersuchungen von Kollaborationspartnern an zwei Unikliniken in Deutschland hätten gezeigt, dass der Riboxxim-Wirkstoff die Immunzellen von Patienten stark aktiviert. Diese Wirkung soll dazu genutzt werden, die Immunabwehr gezielt auf die Bekämpfung von Krebszellen im Körper auszurichten - vor allem nach vorausgegangener Erstbehandlung durch Chemo- oder Radiotherapie. So sollen Krebsrückfälle mithilfe der körpereigenen Immunabwehr aufgehalten werden. Bisherige Studienergebnisse bei Tieren legen nahe, dass dieser Ansatz übergreifend für alle Krebsarten funktioniert. Immuntherapien gegen Krebs sind derzeit die große Hoffnung in der Bekämpfung gegen Krebs - weltweit, aber auch in Deutschland. Deutsche Biotech-Firmen wie die Tübinger Firmen Immatics (mehr...) oder Curvac (mehr...) haben sich diesem Ansatz ebenfalls verschrieben und bereits finanzstarke Investoren wie den SAP-Gründer Dietmar Hopp und die Strüngmann-Zwillinge für sich begeistern können. Während diese Unternehmen aber bereits Kandidaten in der fortgeschrittenen klinischen Entwicklung haben, ist Riboxx noch in der ganz frühen Phase.

Nächste Schritte per "pharmaunabhängiger" Crowd finanzieren

Nach abgeschlossenen vorklinischen Studien will das Team von Riboxx nun aber den nächsten Schritt gehen: Klinische Studien, bei denen der Wirkstoff auf Sicherheit und Wirksamkeit getestet wird. Das Geld für eine Phase I-Studie soll nun unter anderem mit einem Trend-Finanzierungsinstrument eingesammelt werden: dem Crowdfunding. Ab dem 30. Juli 2014 können Privatpersonen die Entwicklung des Medikamentes unterstützen und Beträge ab 250 Euro bei der Crowdfunding-Plattform Seedmatch in das Unternehmen investieren.

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„Uns ist es bewusst, dass wir als sehr innovative, aber doch kleine Firma ein Medikament gegen Krebs nicht allein entwickeln können. Es geht hier nicht nur um Know-how, sondern vor allem um die finanziellen Ressourcen, die dafür notwendig sind. Dafür brauchen wir große Pharma-Konzerne als Partner“, sagt Rohayem. Schon jetzt wurden einzelne Kooperationen abgeschlossen, wie die mit der China National Biotec Group Company Limited (CNBG), einem Unternehmen des chinesischen Impfstoffmarktführers China National. Diese 2013 gestartete Forschungskooperation soll zunächst evaluieren, in welcher Weise sich die von Riboxx entwickelten Nukleinsäuremoleküle mit den von CNBG verwendeten antigenen Wirkstoffen kombinieren lassen.

Firmenchef Rohayem will sich bis in die erste klinische Phase der Medikamententestung aber eine Teil-Unabhängigkeit bewahren. „Auch deswegen setzen wir auf ein Crowdfunding, also eine unabhängigere, demokratischere Finanzierung mit Hilfe vieler Privatinvestoren“, so Rohayem. Als Dankeschön erwartet Finanziers je nach Investitionssumme eine Flasche Sekt ("August der Starke"), ein Erfinder-Buch oder sogar ein Abendessen mit dem Gründer in einem Dresdner Luxushotel.

© biotechnologie.de/pg
 

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