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Ebola: Klinische Tests laufen auf Hochtouren

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Forscher des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) sind maßgeblich an Ebola-Impfstofftests beteiligen. Quelle: DZIF/scienceRELATIONS

06.01.2015  - 

Die Ebola-Epidemie ist aus den Schlagzeilen verschwunden, doch die Entwicklung von Medikamenten und Impfstoffen läuft derzeit auf Hochtouren. Wie Ärzte um Timo Wolf von der Frankfurter Universitätsklinik im Fachmagazin "The Lancet" berichten, konnte ein Arzt aus Uganda erfolgreich mit dem experimentellen Wirkstoff FX06 behandelt werden. Entwickelt wurde die Therapie von einem kleinen österreichischen Biotech-Start up. Darüber hinaus sind inzwischen erste Studien mit Ebola-Impfstoffen gestartet, an denen deutsche Ärzte und Forscher maßgeblich beteiligt sind.

Ende Dezember 2013 hatte der Ausbruch des Ebolafiebers in Westafrika begonnen, bislang sind ihm nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mehr als 7.500 Menschen zum Opfer gefallen. Es ist damit die größte, jemals aufgetretende Ebola-Epidemie (Mehr Informationen bei der WHO: hier klicken). Aktuell sind die Länder Guinea, Liberia und Sierra Leone betroffen, vielerorts vermelden einzelne Gebiete in diesen Ländern aber schon seit Wochen keine neuen Fälle mehr. Nigeria und Senegal wurden inzwischen von der WHO als frei vom Ebolafieber erklärt. Auch in Mali gab es im November 2014 nur noch einzelne Fälle. Inzwischen sind vielerorts Hilfsmaßnahmen – auch unter deutscher Mithilfe – gestartet. Die Entwicklung von Medikamenten und Impfstoffen läuft unterdessen auf Hochtouren. Ein in deutschen Laboren von Forscher Yuri Gleba entwickelter Antikörper ZMapp (mehr...) soll Anfang 2015 in die klinische Testung gehen. Die US-Firmen Mapp Pharmaceuticals sowie der auf sogenannte Plant-made-Pharmaceuticals spezialisierte Hersteller Kentucky Bioprocessing haben vom US-Gesundheitsministerium eine Förderzusage von knapp 25 Millionen US-Dollar erhalten, um die Produktionskapazitäten zu erhöhen und schnellstmöglich entsprechende Dosen zur Verfügung zu stellen. Neben der Produktion des Antikörpers in Tabakpflanzen wollen die Amerikaner auch ein Herstellungsverfahren auf der Basis von Hamsterzellen erproben.

Hintergrund

Sie wollen sich über den aktuellen Stand des Ebolafiebers informieren? Hier gibt es einen Überblick:

Bei der WHO (in Englisch): hier klicken
Beim RKI (auf Deutsch): hier klicken

Wiener Start-up liefert Medikament für Patient in Frankfurt
Deutsche Ärzte um Timo Wolf von der Frankfurter Universitätsklinik setzen wiederum auf einen experimentellen Wirkstoff, der ursprünglich in Wien entwickelt wurde. Mit ihm wurde ein 38-jähriger Patient behandelt, der Anfang Oktober von Sierra Leone nach Frankfurt am Main zur Behandlung geflogen worden war – fünf Tage nachdem bei ihm Ebola-Symptome aufgetreten waren. Drei Tage später kam es bei dem Mann zu Lungen-, Nieren- und Darm-Versagen, was typisch für einen schweren Verlauf der Ebola-Krankheit ist. Wie die Mediziner im Fachmagazin „Lancet“ (18. Dezember 2014, Onlinevorabveröffentlichung) berichten, wurde er zunächst künstlich beatmet und an die Dialyse angeschlossen. Neben Antibiotika erhielt er dann auch das experimentelle Medikament FX06. "Obwohl der Patient lebensgefährlich erkrankt war, konnten wir ihn lange genug unterstützen, damit sein Körper mit der Produktion von Antikörpern beginnen und das Virus durch seine Abwehrkräfte bekämpft werden konnte", sagt Wolf. Die Kombination aus intensivmedizinischer Behandlung und dem Medikament habe geholfen, den Patienten zu stabilisieren und zu retten.

Das Medikament war an einem Krankenhaus in Wien entwickelt worden und stammt von der kleinen österreichischen Firma MChE-F4Pharma. Der peptidbasierte Wirkstoff wurde bereits um die Jahrtausendwende von Peter Petzelbauer, Chef der Abteilung für Haut- und Endothelforschung der Wiener Universitäts-Hautklinik im AKH, als mögliche Wirksubstanz für eine Reihe von Einsatzgebieten entdeckt: z.B. zur Behandlung von Herzinfarktschäden und Komplikationen von Schockzuständen (bei Multi-Organ Versagen etc.). Nach Aussage von Petzelbauer ist das Eiweißfragment eine Art Versiegelung für im Rahmen solcher Erkrankung "löchrig" gewordene Blutgefäße, aus denen Flüssigkeit in das Gewebe austritt. Es wurde zunächst vom Wiener Biotech-Unternehmen Fibrex bereits in einer klinischen Studie bei Herzpatienten getestet, dann an eine US-Firma auslizensiert. Inzwischen liegen die Rechte bei MChE-F4Pharma. "Ich wollte nicht, dass die Substanz einfach in irgendeiner Schublade liegen bleibt", sagt Geschäftsführer Thomas Steiner, der von Anfang in die Entwicklung des Wirkstoffs einbezogen war.

Während in Afrika weiterhin an der Zurückdrängung des Ebola-Ausbruchs gearbeitet wird, laufen erste klinische Tests für Medikamente und Impfstoffe auf Hochtouren.Lightbox-Link
Während in Afrika weiterhin an der Zurückdrängung des Ebola-Ausbruchs gearbeitet wird, laufen erste klinische Tests für Medikamente und Impfstoffe auf Hochtouren.Quelle: flickr.com/Internationales Rotes Kreuz

Deutsche Ärzte aktiv bei internationalen Impfstoff-Studien
Auch die auf dem Vesikulären Stomatitis-Virus (VSV) basierende Vakzine rVSV-ZEBOV wird inzwischen an ersten Patienten getestet – beteiligt sind hier unter anderem Forscher vom Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF): Die Teams um Marylyn Addo vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) und Stephan Becker, Direktor des Instituts für Virologie der Philipps-Universität Marburg, sind Teilnehmer eines unlängst unter Führung der WHO gegründeten internationalen Experten-Konsortiums (VEBCON). Der Verbund hat sich zum Ziel gesetzt, den Impfstoffkandidaten möglichst rasch und koordiniert in die klinische Testung zu bringen. Der Kandidat rVSV- ZEBOV gilt aufgrund der Ergebnisse aus präklinischen Studien als vielversprechend: Der Impfschutz tritt nach dem Verabreichen einer einzigen Dosis rasch ein und hat demnach auch unmittelbar nach einer erfolgten Ebola-Infektion noch ein Wirkungspotential. In zahlreichen, nicht-klinischen Studien konnte die Vakzine Labortiere vor dem tödlichen Ebola-Virus schützen. In Hamburg haben 30 Freiwillige den Impfstoff erhalten, im Hochsicherheitslabor in Marburg werden die serologischen Untersuchungen zu den Studien durchgeführt. Das Blut aller Probanden wird hier unter anderem auf Antikörper untersucht.

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US-Konzern Merck hat sich Lizenz gesichert
Der Impfstoff besteht aus einem abgeschwächten, mit dem Tollwuterreger verwandten VS-Virus, das mit speziellen Oberflächen-Glykoproteinen von Ebola ausgestattet ist. Gegen dieses Protein soll das Immunsystem der Geimpften Antikörper bilden, die im Falle eines Kontakts mit dem Ebola-Virus die Krankheit zu verhindern helfen. Entwickelt von der kanadischen Gesundheitsbehörde PHAC, wird rVSV-ZEBOV von der US-Firma NewLink Genetics hergestellt. Inzwischen ist das Unternehmen ein Lizenzvertrag mit dem US-Pharmakonzern Merck eingegangen, das den Impfstoff bis zur Marktreife entwickeln will. Dafür haben die Beteiligten nun auch einen Zuschuss der US-Regierung erhalten. Ende Dezember bewilligte die US-Behörde Biomedical Advanced Research and Development Authority (BARDA) eine Förderung in Höhe von 30 Mio. US-Dollar, die zur weiteren Finanzierung klinischer Studien genutzt werden soll (Mehr Informationen: hier klicken). Sobald erste Ergebnisse aus den Phase-I-Studien vorliegen, soll Anfang 2015  eine große Phase II/III Studie zur Wirksamkeit des Impfstoffkandidaten bei Risikopatienten starten.

Das vom Bundesforschungsministerin finanzierte DZIF hat die in Hamburg und Marburg laufenden Vorbereitungen der Studie unterstützt und eine Anschubfinanzierung zur Verfügung gestellt, das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) sowie der britische Wellcome Trust stellen die Fördermittel für die Durchführung der klinischen Prüfung zur Verfügung. Bei der Vorbereitung der Studie haben die DZIF-Wissenschaftler eng mit dem Paul-Ehrlich-Institut (PEI) zusammengearbeitet, das sich als Partner des DZIF für die Erforschung neuer Impfstoffplattformen einsetzt.

Der Ebola-Erreger zählt zu den gefährlichen Filoviren. Immunologen hoffen, die rasante Ausbreitung der Erreger im Körper von Patienten durch Gabe von Antikörpern zu stoppen.Lightbox-Link
Der Ebola-Erreger zählt zu den gefährlichen Filoviren. Immunologen hoffen, die rasante Ausbreitung der Erreger im Körper von Patienten durch Gabe von Antikörpern zu stoppen.Quelle: Hans Gelderblom/RKI

Tübinger Tropenmediziner leiten Studie in Afrika
Ebenfalls mit Unterstützung des DZIF testen derzeit Tropenmediziner aus Tübingen den Impfstoff direkt in Zentralafrika. Der Direktor des Tropeninstituts an der Universität Tübingen, Peter Kremsner, koordiniert eine Studie mit 60 Freiwilligen in Gabun, die Ende November 2014 gestartet ist und ebenfalls im VEBCON-Verbund integriert ist. „Die klinische Studie soll Informationen darüber liefern, wie gut der Impfstoff von Menschen in der afrikanischen Bevölkerung vertragen wird“, so Kremsner. Das Projekt werde von entscheidender Bedeutung sein, um eine schnelle Verteilung des Impfstoffes in Westafrika zu ermöglichen, sobald eine sichere und immunogene Dosis etabliert ist. Finanziert wird die klinische Prüfung in Gabun unter anderem durch das Forschungskonsortium EBOKON, das bis Ende 2015 über zwei Millionen Euro vom BMBF erhält. EBOKON wurde vom DZIF initiiert, um die Ebola-Forschung zu stärken und den Kampf gegen die Epidemie zu unterstützen.Über den Verlauf der Studien in Hamburg und Gabun wurden bislang keine Details veröffentlich. Eine weitere Testreihe mit dem Impfstoff wird in Genf am Universitätsspital durchgeführt. Diese musste jedoch im Dezember unterbrochen werden, weil einige Studienteilnehmer Nebenwirkungen zeigten. Inzwischen wurde die Studie am 5. Januar mit einer niedrigeren Dosis fortgesetzt.

Erste positive Ergebnisse für zweiten Impfstoff-Kandidat
Unterdessen sind auch die ersten Verträglichkeits-Tests eines anderen Impfstoffkandidaten gestartet: So hat der britische Pharmakonzern GlaxoSmithKline (GSK) bereits Ende November von einer ersten erfolgreichen Testphase des Adenovirus-Vektorimpfstoffs ChAd3 berichtet. Die ersten 20 Probanden in den USA zeigten nach der Injektion schützende Antikörper gegen Ebola, berichteten die beteiligten Wissenschaftler im New England Journal of Medicine (26. November 2014). ChAd3 wurde von GSK gemeinsam mit dessen schweizerisch-italienischen Biotech-Tochter Okairos sowie der US-Behörde NIAID entwickelt. Inzwischen hat sich der Pharmakonzern GSK mit drei europäischen Forschungseinrichtungen – darunter das Bernhard-Nocht-Institut aus Deutschland – zu einem Konsortium zusammengefunden, das von der Europäischen Kommission mit 15 Millionen Euro aus dem Horizon 2020-Programm unterstützt wird. Weitere 1,4 Millionen Euro sollen von der Schweizer Regierung kommen. Mit dem Geld wird die Studie in Lausanne finanziert, alle 120 gesunden Freiwilligen haben ihre Dosis erhalten – vor allem medizinisches Hilfspersonal, das für Einsätze in Westafrika vorgesehen ist. Mitte Dezember wurde vermeldet, dass bislang keine unerwarteten Nebenwirkungen aufgetreten seien (Mehr Informationen: hier klicken). „Die bisherigen Ergebnisse sehen vielversprechend aus“, sagte Blaise Genton vom Universitätsspital Lausanne (CHUV). Für Ende Januar werden die  offiziellen Studienergebnisse erwartet. An weitere 160 Personen wird der Impfstoff in den USA, in Großbritannien sowie Mali getestet. In Studien an der Universität Oxford, Großbritannien, kommt zudem die Hälfte der Probanden einen zusätzlichen Booster, der auf einem Ebola-Impstoff-Kandidat der dänischen Biotech-Firma Bavarian Nordic basiert (Mehr Informationen: hier klicken).

Aktuelle Ebola-Forschungsverbünde

Um klinische Tests koordiniert voranzubringen, wurden auf internationaler und nationaler Ebene mehrere Konsortien gegründet. Ein Überblick:

Bei der WHO - VEBCON: hier klicken

Bei der EU: hier klicken

In Deutschland am DZIF - EBOKON: hier klicken

24 Millionen Euro von der EU
Insgesamt gibt die EU eine Summe in Höhe von rund 24 Millionen Euro für die Ebolaforschung aus (Mehr Informationen: hier klicken), darunter auch für das „Evident“-Projekt. In diesem, vom  Bernhard-Nocht-Institut  geleiteten  Vorhaben geht es darum,  Interaktionen zwischen dem Ebola-Virus und dem Wirt zu untersuchen. Dies ist vor allem mit Blick auf mögliche Übertragungswege von großer  Bedeutung. Von der Bundesregierung wurden im Oktober insgesamt fünf Millionen Euro zugesagt (mehr...). Die Hälfte des Geldes fließt in den EBOKON-Verbund, unter dessen Dach neben den klinischen Prüfstudien drei weitere Forschungsprojekte vom Robert-Koch-Institut und eines vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig koordiniert werden.  

 
Zum Beginn des Jahres ist in Großbritannien an der Universität Oxford zudem eine weitere Impfstoff-Studie mit ersten gesunden Freiwilligen gestartet. Bis Ende Januar sollen 72 Probanden geimpft werden. Hier wird ein Kombi-Präparat getestet, das mehrheitlich vom US-Konzern Johnson&Johnson finanziert wird. Dieser setzt zum einen auf die AdVac-Technologie des niederländischen Biotech-Unternehmens Crucell – das seit ein paar Jahren zu J&J gehört – sowie auf einen vom dänischen Biotech-Unternehmen Bavarian Nordic entwickelten zweiten Ebola-Impfstoff, der auf einem modifizierten Vaccinia Ankara-Virus (MVA) besteht. Im Oktober hatte J&J einen entsprechenden Lizenzvertrag mit den Dänen abgeschlossen. Die Impfdosen wurden zum einen durch Bavarian Nordic (Mehr Informationen: hier klicken) und zum anderen am Schweizer Crucell-Standort in Bern-Bümpliz hergestellt (Mehr Informationen: hier klicken). Insgesamt 200 Millionen US-Dollar will J&J für die Entwicklung eines Ebola-Impfstoffes investieren.

© biotechnologie.de/sw
 

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