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Wochenrückblick KW 17

27.04.2015

Morbus Crohn: Darmmikroben-Mix außer Balance

Bei Mäusen mit Morbus-Crohn-ähnlicher Entzündung produzieren die Paneth-Zellen weniger Lysozym - eine Substanz, die wichtig für die Mikroben-Abwehr ist. Links: gesunde Zellen mit hoher Lysozym-Produktion (helles grün), rechts geschädigte Paneth-Zellen mit geringer Lysozym-Produktion. <ic:message key='Bild vergrößern' />
Bei Mäusen mit Morbus-Crohn-ähnlicher Entzündung produzieren die Paneth-Zellen weniger Lysozym - eine Substanz, die wichtig für die Mikroben-Abwehr ist. Links: gesunde Zellen mit hoher Lysozym-Produktion (helles grün), rechts geschädigte Paneth-Zellen mit geringer Lysozym-Produktion. Quelle: M. Schaubeck / TUM

Immer mehr Menschen erkranken in Deutschland an Morbus Crohn. Erstmals haben nun Münchner Forscher den Nachweis erbracht, dass ein bestimmtes bakterielles Ungleichgewicht zur Entstehung der chronischen Darmentzündung führen kann.

Seit langem steht fest: Die Darmflora beeinflusst die Gesundheit des Menschen. Damit spielen die Darmbakterien auch bei der Entstehung von Krankheiten wie etwa Diabetes und Adipositas oder Morbus Crohn eine entscheidende Rolle. In Deutschland sind etwas 350 000 Menschen von der chronischen Darmerkrankung betroffen. Lange war unklar, ob eine veränderte mikrobielle Bewohnerwelt im Darm Ursache oder Folge dieser Erkrankung ist. Nun haben Forscher der Technischen Universität München (TUM) erstmals den Nachweis dafür erbracht.

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News: Geografische Muster im Mikrobiom entdeckt
News: Die heilsame Kraft der Darmmikroben
Menschen: Dirk Haller: Die Darmmikrobe als Problemfall

Wie das Team um den Lebensmitteltechnologen Dirk Haller im Fachjournal Gut (2015, Online-Veröffentlichung) berichtet, kann eine ungünstige Konfiguration der bakteriellen Netzwerke im Darm tatsächlich Entzündungen auslösen. Im Rahmen der Studie transplantierten die Forscher Darmbakterien kranker Tiere in gesunde Mäuse. "Obwohl wir Mausstämme mit erhöhter Veranlagung für Morbus Crohn-ähnliche Entzündungen nutzten, entwickelten sie erst Symptome, als wir ihnen die Darmbakterien erkrankter Tiere einpflanzten", berichtet Dirk Haller, Leiter des TUM-Lehrstuhls für Ernährung und Immunologie. Der Studie zufolge sind es nicht einzelne Bakterienarten, die zu einer chronischen Darmerkrankung führen. „Es kommt vielmehr auf die Zusammensetzung der Mikrobengemeinschaft an. Offenbar gibt es 'dysbiotische' Bakterienkombinationen, deren charakteristische Eigenschaften jetzt aufgeklärt werden können", berichtet Haller. Darüber hinaus konzentrierten sich die Forscher auf die so genannten Paneth-Zellen in der Dünndarmschleimhaut. Die bei der Immunabwehr im Darm beteiligten Drüsenzellen, sterben bei Morbis Crohn ab. Ob dies die Krankheit oder Störung der Darmflora  auslöst, war jedoch bisher unklar. In ihrer Studie liefern die Münchner auch Anhaltspunkte dafür, dass der Funktionsverlust der Paneth-Zellen eher eine Folge aber nicht Ursache der Entzündungsreaktion ist. Das Team um Haller hofft, dass mit Hilfe ihrer Ergebnisse, die Behandlungsmöglichkeiten für Morbus Crohn verbessert werden können. Die Krankheit ist bis heute nicht heilbar. Medikamente helfen nur bedingt.  Eine vielversprechende Alternative zur Behandlung von Infektionserkrankungen im Darm sind indes Stuhltransplantationen. Bei chronischen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn gibt es allerdings dazu noch keine eindeutigen Therapieerfolge. Doch Haller ist optimistisch: „Unsere Erkenntnisse werden aber dazu beitragen, dass die Methode auf wissenschaftliche Grundlagen gestellt und verbessert wird - dann könnte es klappen."

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Die wichtigsten Nachrichten aus der Biotech-Branche

 

Malaria-Impfstoff vor Zulassung

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Die Anopheles-Mücke gilt als Überträger des gefürchteten Malaria-Erregers Plasmodium falciparum. Quelle: CDC, public domain, wikipedia.de

Der Malaria-Impfstoff RTS,S hat auch die klinischen Tests in Phase III erfolgreich bestanden: Die Vakzine verhinderten bei Kindern ungefähr jede dritte Infektion mit dem Erreger. Nun winkt die baldige Zulassung.

Malaria ist eine der häufigsten und tückischsten Infektionskrankheiten weltweit. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO starben 2013 584.000 Menschen an der Tropenkrankheit. Die Todeszahlen sind zwar seit Jahren rückläufig. Doch bis heute gibt es keinen effektiven Langzeitschutz gegen den durch einen Stich der Anopheles-Mücke übertragenen Erreger. Vor allem Kinder unter fünf Jahren zählen zu den Leidtragenden. Eine internationale Studie zu dem bisher am weitesten entwickelten Impfstoffkandidaten macht zuversichtlich, den Kampf gegen die Tropenkrankheit gewinnen zu können. An der im Fachjournal The Lancet (2015, Online-Veröffentlichung) publizierten Studie waren auch Tropenmediziner vom Universitätsklinikum Tübingen und dem Partnerinstitut des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung DZIF in Lambaréné beteiligt.

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News: Malaria: Lebendimpfstoff in klinischer Prüfung
News: Malaria-Impfung: Etappenziel erreicht
News: Deutsches Zentrum für Infektionsforschung gestartet

Seit 2009 wurde in einer Phase-III-Studie der vom Pharmakonzern GlaxoSmithKline entwickelte Wirkstoff RTS,S in afrikanischen Ländern getestet. In den elf beteiligten Zentren in Burkina Faso, Gabun, Ghana, Kenia, Malawi, Mosambik und Tansania wurden  mehr als 17.000 Kinder im Alter von 6 Wochen bis zu 17 Monaten mit dem Wirkstoff geimpft. Die Studie belegt: der Lebendimpfstoff RTS,S ist nicht nur gut verträglich und hat kaum Nebenwirkungen. Eine Impfung in drei Dosen konnte bei Säuglingen und Kindern tatsächlich Malaria verhindern. Eine Auffrischungsimpfung hat zudem die Wirksamkeit noch erhöht. Den Forschern zufolge konnte damit, abhängig vom Alter des Kindes, ein Impfschutz zwischen 26 und 36 Prozent erreicht werden und das über die Dauer des Tests von fast vier Jahren. Die Gabe der Vakzine senkte die Zahl der Infektionen also ungefähr um ein Drittel. „Da es trotz 100 Jahren Forschung auf diesem Gebiet bis heute noch keinen Impfstoff gegen Malaria gibt, wird RTS,S ein Meilenstein bei der Malaria-Kontrolle sein“, ist Peter Kremsner überzeugt. Der Direktor des Tübinger Tropeninstituts und Leiter des Centre de Recherches Médicales de Lambaréné hat die Studie in Gabun koordiniert. Die Forschungsförderung für die klinische Prüfung des Impfstoffs von der Entwicklung bis zur Zulassung wird durch die Bill & Melinda Gates Foundation sowie GSK unterstützt. Der Pharmakonzern hatte 2014 für den Wirkstoff RTS,S die Zulassung bei der der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) beantragt. Auch durch die WHO läuft derzeit ein Begutachtungsprozess. Die Impfstoffzulassung soll noch 2015 erfolgen. Danach soll die Malaria-Impfung zusammen mit schon etablierten Impfungen Säuglingen in afrikanischen Krisenländern in den ersten Lebensmonaten verabreicht werden.

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EU-Kommission genehmigt Einfuhr von 19 Gentechnik-Pflanzen

Die Kommission hat 19 Gentechnikpflanzen für den Import auf den europäischen Markt zugelassen, darunter zahlreiche Soja-Sorten. <ic:message key='Bild vergrößern' />
Die Kommission hat 19 Gentechnikpflanzen für den Import auf den europäischen Markt zugelassen, darunter zahlreiche Soja-Sorten. Quelle: Benjamin Klack/pixelio.de

Die EU-Kommission hat für die Einfuhr von 17 gentechnisch veränderten Pflanzen grünes Licht für deren Verwendung in Lebens- und Futtermitteln erteilt. Auch zwei Nelkensorten dürfen als Schnittblumen importiert werden.

In Europa sind bisher 58 gentechnisch veränderte Pflanzen als Importware für den Einsatz in Lebensmitteln oder Futtermitteln zugelassen. Dazu gehören Mais, Baumwolle, Sojabohnen, Ölraps und Zuckerrüben. Nach zwei Jahren Pause erteilte die EU-Kommission am 24. April gleich für eine ganze Serie von Gentechnik-Pflanzen die Zulassung für den europäischen Markt. Der Kommission zufolge hätten die nun zugelassenen Gewächse und deren Früchte  "ein vollständiges Zulassungsverfahren durchlaufen" und seien nach Prüfung durch die Lebensmittelbehörde EFSA „sicher“. Die Abstimmung der Gremien der Mitgliedstaaten wurde aber zur Hängepartie: Weder für noch gegen die Zulassung fand sich eine qualifizierte Mehrheit. Die Kommission war nun aber an die EU-Rechtsvorschriften gebunden: Insgesamt wurden 19 gentechnisch veränderte Nutz- und Zierpflanzen aus den USA, Australien und Deutschland für den Im- und Export in die Europäischen Union genehmigt.

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News: Anbau von Gentechnik-Pflanzen wird Ländersache

News: Verbraucher lehnen Gentechnik im Essen ab

News: Top-Pflanzenforscher plädieren für Gentechnik in der EU

Darunter sind zehn Neuzulassungen für Sojabohnen, Baumwolle und Mais sowie sieben Genehmigungen für Baumwolle, Mais und Raps, die erneuert wurden. Mit den blauvioletten Nelken „Moonlite“ und „Moonaqua“ des australischen Züchters Florigene Limited könnten nach dem EU-Beschluss nun erstmals auch gentechnisch manipulierte Zierpflanzen als Schnittblumen den Weg in deutsche Blumenläden finden. Die Zulassungsbeschlüsse insbesondere bei Soja- und Baumwollsorten gelten für zehn Jahre, erlauben aber nicht den Anbau in Europa, wie die EU-Kommission mitteilte. Die Nutzpflanzen stammen von den US-Konzernen Monsanto und Du Pont sowie von den deutschen Firmen Bayer und BASF. Ob die neuen Gentechnik-Pflanzen tatsächlich auch den deutschen Markt erobern werden, ist offen. Bei Import-Zulassungen für gentechnisch veränderte Pflanzen will die EU-Kommission künftig den Mitgliedsstaaten auch hier die Möglichkeit einräumen, Lebens- und Futtermittel auf nationaler Ebene verbieten zu können. Einen entsprechenden Entwurf zur Änderung der bestehenden EU-Rechtsvorschriften hinsichtlich nationaler Ausstiegsklauseln hatte die Kommission vergangene Woche beschlossen. Nun müssen noch EU-Parlament und Mitgliedstaaten zustimmen.

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Mologen sammelt 28 Millionen Euro ein

Die Pläne für die Kapitalerhöhung hatte Mologen bereits im März vorgestellt. <ic:message key='Bild vergrößern' />
Die Pläne für die Kapitalerhöhung hatte Mologen bereits im März vorgestellt. Quelle: Audindesign/istockphoto

Das Berliner Biopharma-Unternehmen Mologen hat frisches Kapital in Höhe von 28,3 Millionen Euro eingesammelt und sich damit mehr Planungssicherheit verschafft.

Insgesamt wurden bis zum 22. April 2015 rund 5,7 Millionen neue Aktien zu einem Stückpreis von 5 Euro ausgegeben. Die Zahl der ausstehenden Aktien wird um rund 25 Prozent erhöht. Altaktionäre, die im Rahmen ihrer Bezugsrechte und eines Mehrbezugs rund 57 Prozent der Aktien zeichneten, brachten etwa 16,2 Millionen  Euro auf. Die restlichen 12,1 Millionen  Euro wurden im Rahmen einer Privatplatzierung von institutionellen Anlegern investiert.  „Der erfolgreiche Abschluss der Kapitalerhöhung zeigt das Vertrauen unserer bestehenden und neuen Anteilseigner in unser Unternehmen. Die finanzielle Ausstattung ermöglicht es uns, die nächsten wichtigen Meilensteine für unser Hauptprodukt, die Krebsimmuntherapie MGN1703, zu erreichen,“ so Matthias Schroff, Vorstandsvorsitzender der Mologen AG. Die Pläne für die Kapitalerhöhung hatte Mologen im März vorgestellt (mehr...).

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News: Mologen will 28 Mio. Euro einsammeln

News: Vorzeitiger Erfolg für Mologen-Studie

News:  Mologen wirbt 22 Millionen Euro ein

Die Mittel sollen laut Prospekt vorrangig zur Deckung eines Fehlbetrags beim Geschäftskapital in Höhe von rund 10 Millionen  Euro bis 15 Millionen  Euro verwendet werden. Darin sind auch ein Teil der Kosten für die klinische Entwicklung von Wirkstoffkandidaten enthalten. Weitere 9 bis 15 Millionen Euro sind für die Fortführung von zwei klinischen Studien mit dem Wirkstoffkandidaten MGN1703 in den Indikationen Darmkrebs (Phase III) sowie Lungenkrebs (Phase II) reserviert. 1 bis 2 Millionen Euro sollen schließlich in andere präklinische und klinische Entwicklungsprojekte fließen. Dank des frischen Kapitals vergrößert sich der finanzielle Spielraum von Mologen erheblich. Vor der Kapitalerhöhung ging die Gesellschaft noch davon aus, bis zum August dieses Jahres finanziert zu sein. Wird der durchschnittliche monatliche Barmittelverbrauch 2014 zugrundegelegt, so dürfte das Geld nun möglicherweise bis ins zweite Halbjahr 2017 reichen.

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