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MRSA: Mit Killerenzym gegen Krankenhauskeime

Ein Killerenzym könnte den gefürchteten Krankenhauskeim MRSA bald aus dem OP verdrängen und so weitere Infektionen verhindern. <ic:message key='Bild vergrößern' />
Ein Killerenzym aus Bakteriophagen könnte helfen, den gefürchteten Krankenhauskeim MRSA zu verdrängen und damit weitere Infektionen mit der Mikrobe zu verhindern. Der Wirkstoff HY-133 soll in der Nase vorbeugend eingesetzt werden. Quelle: Pfree2014

29.05.2015  - 

Gegen Antibiotika resistente Keime sind eines der größten Probleme der modernen Medizin. Das Thema steht mittlerweile auf der Agenda der Weltpolitik – so auch beim bevorstehenden G-7-Gipfel im bayerischen Elmau. Passend zum Thema wurde heute unweit davon, in Bernried am Starnberger See, der Wirkstoff HY-133 als neue Waffe gegen Problemkeime vorgestellt. Es handelt sich um ein Phagenenzym, das gezielt an das Bakterium Staphylococcus aureus andockt und ihm den Garaus macht. Forscher in dem vom BMBF geförderten Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) bereiten mit der Biotech-Firma Hyglos klinische Studien vor. Erprobt wird eine prophylaktische Behandlung, um MRSA-Erreger in Kliniken einzudämmen und Infektionen bei Patienten zu verhindern.

Jeder dritte Mensch, so Schätzungen von Experten, beherbergt das Bakterium Staphylococcus aureus in seiner Nase – was im normalen Leben ungefährlich ist, wird bei einem Krankenhausaufenthalt schnell zum Problem. Denn die Erreger können zum Beispiel im Zusammenhang mit Operationen in Wunden gelangen und gefährliche Infektionen auslösen. Hinzu kommt die Gefahr einer Ausbreitung des Erregers als Krankenhauskeim. Besonders gefürchtet sind die sogenannten Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus-Keime, abgekürzt MRSA, denn sie sind unempfindlich gegen viele der gebräuchlichen Antibiotika.

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Nase als Hort für MRSA-Keime im Visier
„Eine schnelle Erkennung und wirksame Beseitigung einer MRSA-Besiedlung der Nase vor einem Krankenhausaufenthalt ist ein entscheidender Schritt im Kampf gegen diese Krankenhauskeime“, so die Überzeugung von Karsten Becker von der Universität Münster. Gegen das derzeit in Kliniken gebräuchliche Antibiotikum Mupirocin sind die Bakterien in der Nase zunehmend unempfindlich, und die Dauer einer „Sanierung“ und einer Kontrolle ihres Erfolgs liegt bei etwa einer Woche. Für Patienten, die schnell operiert werden müssen, ist damit keine wirksame MRSA-Vorsorge möglich.

Phagen-Enzym zerstört die Bakterien
Gemeinsam mit der Hyglos GmbH in Bernried und mit Förderung des Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) haben die Wissenschaftler am Uniklinikum Münster in den vergangenen Jahren einen schlagkräftigen Wirkstoff entwickelt: Es ist ein Eiweißmolekül, das aus Bakteriophagen stammt, also Viren, die ausschließlich Bakterien befallen. Das Phagenprotein ist ein Enzym. Das Lysin dockt ganz spezifisch wie ein Antikörper an S.aureus-Zellen an, und löst sie auf. In dieser Folge der Kreidezeit erklärt Annette Langbehn, was sich hinter der Abkürzung MRSA verbirgt. Quelle: biotechnologie.tvDie Biotechnologen von Hyglos haben das Phagenlysin im Labor hergestellt und als Designer-Protein unter dem Arbeitsnamen HY-133 optimiert. „Wir sprechen gern vom MRSA-Killerprotein, auch wenn das etwas reißerisch klingt“, sagt Wolfgang Mutter von der Hyglos GmbH. Denn tatsächlich würden alle Staphylococcus aureus-Zellen, ob resistent oder nicht resistent, von dieser Substanz innerhalb kürzester Zeit getötet. Und das, ohne die natürliche Mikroflora in der Nase zu zerstören oder eine Resistenzbildung zu fördern.

Weichen für klinische Tests gestellt
In Kooperation mit dem Mikrobiologen Andreas Peschel, der im DZIF den Forschungsbereich „Krankenhauskeime und antibiotikaresistente Bakterien“ koordiniert, soll die Substanz nun für die klinische Prüfung vorbereitet werden. Mehr als 1,5 Millionen Euro werden vom BMBF dafür vom bereitgestellt. Damit soll zunächst die Substanz nach GMP-Standards hergestellt werden, um anschließend in einer präklinischen Prüfung toxikologisch getestet zu werden. Der Pharmazeut Gerhard Winter von der LMU München entwickelt eine stabile Formulierung, damit der Wirkstoff als Gel oder in einer anderen Form bequem und sicher verabreicht werden kann. Das Projekt dient der Vorbereitung nachfolgender klinischer Studien, in denen die schnelle Sanierung von S. aureus-Stämmen in der Nasenflora von Freiwilligen untersucht wird. „Neben neuen Antibiotika und Impfstoffen brauchen wir dringend spezifische Wirkstoffe zur Sanierung von Problemkeimen. Das HY-133-Protein ist ein hoch innovativer Wirkstoff für diesen Zweck, der viele ähnliche Entwicklungsprogramme anstoßen könnte“, so Peschel.

© biotechnologie.de/pg
 

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