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MERS-Impfstoff schützt Kamele vor Ansteckung

Dromedare gelten als Überträger des MERS-Virus. Das Virus löst eine Erkrankung der Atemwege aus, die bei Menschen tödlich verlaufen kann. <ic:message key='Bild vergrößern' />
Dromedare gelten als Überträger des MERS-Virus. Das Virus löst eine Erkrankung der Atemwege aus, die bei Menschen tödlich verlaufen kann. Quelle: Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover

18.12.2015  - 

Dromedare gelten als Überträger der gefährlichen Atemwegserkrankung MERS, die vor drei Jahren erstmals eindeutig identifiziert wurde. Seither sind weltweit 1.400 Menschen daran erkrankt. Ein Drittel starben daran. Ein von deutschen und niederländischen Forschern 2013 entwickelter Impfstoff wurde jetzt an Kamelen, die als wichtige Überträger der Erkrankung gelten, erfolgreich getestet. Wie die Wissenschaftler im Fachjournal Science (2015, Online-Vorabveröffentlichung) berichten, konnte die Virenlast bei den Tieren durch den Impfstoff MVA-MERS-S deutlich reduziert und so eine Infektion verhindert werden. Der Impfstoff könnte auch beim Menschen wirken.

2012 wurde der MERS-Coronavirus (MERS-CoV) erstmals auf der arabischen Halbinsel und dem mittleren Osten identifiziert. Der Erreger, der schwere Atemwegserkrankungen auslöst, wurde daher nach seinem Ursprungsort benannt. Inzwischen hat das „Middle East Respiratory Syndrom – Coronavirus auch Nordafrika und Europa erfasst. Weltweit sind bisher 1.400 an dem Virus erkrankt. Obwohl Forscher die Ansteckungsgefahr für den Menschen als gering einstufen, bleibt der Erreger gefährlich (mehr...). Denn die Infektion kann beim Menschen zu Atemnot und Lungenentzündung führen aber auch tödlich enden. Ein Drittel der Infizierten starben bisher daran.

Wirksamkeit erneut bestätigt

Nachdem Forscher Kamele eindeutig als Krankheitsüberträger identifiziert hatten (mehr...) galt es vorrangig das Virus in den Tieren zu bekämpfen, um eine Epidemie zu verhindern. Der erste vielversprechende Impfstoff wurde vor zwei Jahren entwickelt.  Einem Team um Gerd Sutter vom Institut für Infektionsmedizin und Zoonosen an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) war es gemeinsam mit Kollegen aus Marburg und den Niederlanden gelungen, auf Basis eines abgeschwächten Pockenvirus -  dem Modifzierten Vacciniavirus Ankara MVA – den Impfstoff MVA-MERS-S herzustellen. Seither wurde der Impfstoff bereits bei an Mäusen erfolgreich getestet.

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In der aktuellen Studie konnte nun erstmals auch die Wirksamkeit bei Kamelen nachgewiesen werden. An der Studie waren neben Sutter und den Kollegen vom Erasmus Medical Center (MC) in Rotterdam auch Wissenschaftler der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover beteiligt. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Impfung mit MVA-MERS-S die Anzahl ansteckender Mers-Erreger in der Nasenschleimhaut von Kamelen deutlich reduziert“, sagt Albert Osterhaus von der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover.

Virenlast reduziert, Krankheit verhindert

Wie das Team im Fachjournal Science berichtet, wurden dafür acht Kamele gezielt mit dem Erreger angesteckt. Eine Gruppe wurde dabei drei Wochen zuvor sowohl intranasal als auch intramuskulär mit MVA-MERS-S geimpft. „Durch die Impfung hatten die Tiere bereits ausreichend Antikörper entwickelt, sodass eine Virusvermehrung und Erkrankung geblockt werden konnten“, sagt Asisa Volz von der LMU. Der Studie zufolge konnten sowohl in der Nasenschleimhaut als auch im Blut der Tiere Antikörper nachgewiesen werden.  Jene Tiere, die nicht geimpft waren, bekamen dagegen die für Mers typische Nasen- und Nasennebenhöhleninfektion, deren Symptome einem kräftigen Schnupfen gleichen. „Wir haben zum ersten Mal gezeigt, dass durch unseren Impfstoff die Viruslast in Kamelen signifikant reduziert wird“, sagt Sutter.  Daneben erwies sich MVA-MERS-S  bei den Tieren auch als Schutz vor Pockeninfektionen, die den Pocken beim Menschen sehr ähnlich ist, aber für Kamele lebensgefährlich sein kann.

Impfstoff wird für Test am Menschen vorbereitet

Einen Impfstoff, der Menschen vor einer möglichen Mers-Epidemie schützten kann, gibt es zwar noch nicht. Doch auch hier ist MVA-MERS-S ein vielversprechender Impfkandidat. Am Deutschen Zentrum für Infektionsforschung wird derzeit im Rahmen eines Projektes unter der Leitung von Gerd Sutter der neue Mers-Impfstoff für klinische Tests am Menschen vorbereitet.

© biotechnologie.de/bb
 

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