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Versuchstiere verschwinden in der Statistik

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Wieviele Tiere bei Experimenten zum Einsatz kommen, ist meist schwer nachvollziehbar. Quelle: Igrik/Fotolia.com

08.01.2016  - 

2,8 Millionen Tiere wurden 2014 zu wissenschaftlichen Experimenten in deutschen Laboren eingesetzt. In der Mehrzahl sind es Mäuse, die zu Versuchszwecken herangezogen werden. Wieviele Tiere im Rahmen eines Experiments tatsächlich genutzt werden, bleibt häufig im Dunkeln. Zu diesem Schluss kommt ein Forscherteam um Ulrich Dirnagl von der  Universitätsmedizin Berlin - Charitè. Gemeinsam mit Kollegen der Abteilung für Experimentelle Neurologie hat er wissenschaftlöiche Studien ausgewertet. Wie das Team im Fachjournal Plos Biology (2016, Online-Veröffentlichung) berichtet, werden durch das „Verschwinden“ von Versuchstieren aus Statistiken zahlreiche Studienergebnisse getrübt. Derweil suchen Forscher nach Wegen, Tierversuche zu vermeiden.

Immer wieder kommt es bei der Forschung mit Versuchstieren dazu, dass einzelne Individuen nicht in die Auswertung einzelner Experimente einbezogen werden. Gerade bei Arbeiten mit  kleinen Stichproben kann der Verlust von Versuchstieren jedoch Forschungsergebnisse entscheidend beeinflussen. Ein Forscherteam um Ulrich Dirnagl, Leiter der Abteilung für Experimentelle Neurologie an der Charité – Universitätsmedizin Berlin, hat die Auswirkungen der Verkleinerung von Stichproben nun untersucht und dafür hunderte publizierte Versuche genau unter die Lupe genommen. Im Fachmagazin Plos Biology ziehen die Wissenschaftler nun ein ernüchterndes Fazit: Die überwiegende Mehrheit der Publikationen enthält keine ausreichenden Informationen darüber, wie viele Tiere aufgewendet wurden, um das Forschungsziel zu erreichen. In vielen Publikationen „verschwinden“ zudem scheinbar Individuen, was massive Auswirkungen auf die Aussage der Studie haben kann. 

Angaben zu Versuchtstieren unklar

„Wo also sind die Tiere hin? Wurden sie aus nachvollziehbaren Gründen ausgeschlossen? Sind sie vom Forscher bewusst aussortiert worden? Oder waren sie aufgrund schwerwiegender Nebenwirkungen zu krank, um ausgewertet zu werden?“, diese Fragen stellt Dirnagl. „In den überprüften Publikationen sind die Informationen meist so unklar, dass Antworten auf diese Fragen nicht gegeben werden können“, so der Wissenschaftler weiter.

Studienergebnisse werden unbewusst verfälscht

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Die Schlussfolgerung der Berliner Forscher ist gravierend. Ist die Auswertung von zahlreichen Veröffentlichungen aus der Krebs- und Schlaganfallforschung repräsentativ, dann verdankt möglicherweise eine nicht unerhebliche Anzahl biomedizinischer Studien ihre Aussage Tierverlusten oder dem Ausschluss einzelner Individuen. Demnach liegen einer großen Anzahl bereits veröffentlichter Studien überbewertete, wenn nicht gar verfälschte Forschungsergebnisse zugrunde. „In der Regel sei die Ursache aber nicht auf Betrug zurückzuführen, sondern auf sogenannten ‚Bias‘, also den unbewussten Einfluss des Wunschdenkens der Forscher, die ihre Hypothesen bestätigt sehen wollen“, heißt es in einer Mitteilung der Charité.

Derweil gibt es bereits vielversprechende Alternativen zu den umstrittenen Tierversuchen. So entwickeln Forscher der Technischen Universität Berlin einen Multiorganchip (mehr...) auf dem menschlichen Organe im Miniformat abgebildet sind. Das Minilabor befindet sich bereits im Test und soll Wirkstofftests an Tieren gänzlich ablösen. Auch Unternehmen wie BASF setzen indes auf Alternativen, um die Wirksamkeit neuer Substanzen zu erproben (mehr....).

© biotechnologie.de/bk
 

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