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Brain AG: 48 Millionen Euro über Börse einsammeln

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Seit Sommer 2015 ist Jürgen Eck Geschäftsführer der Brain AG. Mit dem Börsengang strebt die Firma weiteres Wachstum an. Quelle: BRAIN AG/ Kristian Barthen

21.01.2016  - 

Seit 22 Jahren gehört das hessische Zwingenberg zu den Zentren der deutschen industriellen Biotechnologie. Angefangen als Technologie-Startup ist die Brain AG heute auf eine Unternehmensgruppe mit 6 Firmen und 240 Mitarbeitern angewachsen. Nun soll das weitere Wachstum über die Börse finanziert werden. Anfang des Jahres sorgte die Ankündigung des Börsengangs für Wirbel, nun wird es konkret. Beim ersten Biotech-IPO in Frankfurt seit 2007 sollen bis zu 48 Millionen Euro eingesammelt werden. Die Preisspanne für die Aktien sei auf 9,00 bis 12,00 Euro festgelegt worden, teilte das Unternehmen aus dem südhessischen Zwingenberg nun mit. Die Aktien können von Donnerstag bis zum 3. Februar gezeichnet werden, die Erstnotiz ist für den 9. Februar geplant. Bisher gibt es 19 deutsche börsennotierte Biotech-Firmen, davon sind 15 in Frankfurt notiert.

Zuletzt hatten sich vier deutsche Biotech-Firmen aufs Börsenparkett gewagt, allerdings alle im Ausland:  Der Diagnostik-Spezialist Curetis hatte sich 2015 ebenso für die Euronext entschieden (mehr...) wie die Hallenser Probiodrug im Jahr zuvor (mehr...). Die Therapieentwickler Affimed und Pieris schlugen 2014 sogar den Weg über den Atlantik an die US-Börse NASDAQ ein, die laut der jüngsten Kapitalmarktstudie der BIOCOM AG für immer mehr europäische Biotech-Firmen eine ernstzunehmende Alternative darstellt. Demnach haben europäische Biotech-Firmen an der Börse im Jahr 2015 einen Aufschwung erlebt, insgesamt wurden 6 Milliarden Euro eingenommen (alle Infos: www.biocom.de/en/analysis2016). Vor allem die Standorte Paris und London sind für Biotech-Firmen attraktiv. Der letzte Biotech-Börsengang in Frankfurt fand 2007 durch vita34 statt, 2006 wagte der Therapieentwickler Wilex den Sprung an die Deutsche Börse. Zwar erlebte die deutsche Biotech-Branche zuletzt einen Aufschwung und zeigte sich auch zum Jahresanfang in einer Umfrage optimistisch (mehr...), aber bislang haben Biotech-Firmen einen Bogen um Frankfurt gemacht, wenn es um neue Börsengänge ging. Mit der Brain AG könnte dieses Eis nun gebrochen werden. "Die Zeit ist reif für einen Bioökonomie-Börsengang in Deutschland. Wir halten den Finanzplatz Frankfurt für kräftig und stark genug. Wir sehen keinen Grund, warum die Bioökonomie hier nicht bespielt werden könnte", sagt Jürgen Eck  bei der Ankündigung des Börsengangs Anfang des Jahres (mehr...) .

Börsendebüt für industrielle Biotechnologie in Deutschland

Begleitet von der ODDO Seydler Bank AG als Sole Global Coordinator und Sole Bookrunner sowie Blättchen Financial Advisory GmbH als IPO-Berater will sich die Firma institutionellen Anlegern sowie weiteren privaten Investoren öffnen. Die Preisspanne wurde zwischen 9 bis 12 Euro je Aktie festgesetzt, sie können ab dem 21. Januar 2016 über die XETRA-Zeichnungsfunktionalität der Frankfurter Wertpapierbörse gezeichnet werden. Der Zugang erfolgt über die jeweilige Depot-/Onlinebank des interessierten Anlegers. Ausgewählten Retail-Investoren (Mitarbeitern der Brain Gruppe und Investoren der MIG Fonds sowie GC Global Chance Fund Anlegern und GA Asset Fund Anlegern) räumt die Brain AG darüber hinaus die Möglichkeit ein, die Brain-Aktie direkt über ein Zeichnungsportal der Gesellschaft zu zeichnen (www.brain-biotech.de/investor-relations/zeichnung).

Die Erlöse aus dem Börsengang sollen sowohl in den weiteren Ausbau der Forschungskooperationen als auch in die Weiterentwicklung der eigenen Produkte über den deutschsprachigen Raum und Europa hinaus auf globaler Ebene gesteckt werden. Im Fokus stehen vor allem die biobasierte Inhaltsstoffe für die Lebensmittelindustrie, die Spezialchemie und die Kosmetikbranche. Laut Jürgen Eck stehen demnächst mehrere Markteinführungen neuer Produkte an, etwa ein Naturstoff als Salzersatz. "Dieser befindet sich derzeit in fortgeschrittenen Verbrauchertestungen", so Eck.

Altaktionäre wollen an Bord bleiben

Derzeit werden nach Firmenangaben 51% des Aktienkapitals der Brain AG vom Family Office der MP Beteiligungs GmbH gehalten, rund 20% von MIG, einer Gruppe von Venture Capital Fonds, und die verbleibenden 29% liegen in den Händen der Gründer und des leitenden Managements. Diese „Altaktionäre“ sollen laut Firmenangaben auch nach dem geplanten Börsengang noch signifikant am Unternehmen beteiligt bleiben, das inzwischen zu einer Firmengruppe aus sechs Firmen mit insgesamt 240 Mitarbeitern angewachsen ist. Das Angebot wird aus erstmaligen öffentlichen Angeboten in Deutschland und Österreich sowie Privatplatzierungen in bestimmten Rechtsordnungen außerhalb dieser Länder sowie außerhalb der Vereinigten Staaten von Amerika bestehen. 10% der angebotenen Aktien sollen für Privatanleger reserviert werden.

Brain AG ist Pionier der Bioökonomie
Es den Börsengang von anderen Biotech-IPOs unterscheidet: Die Firma entwickelt keine Medikamente, sondern biobasierte industrielle Lösungen für eine Vielzahl von Branchen. Die Brain AG ist eines der deutschen Vorzeigeunternehmen in Sachen Bioökonomie. Die Spezialität der Hessen: Zusammen mit strategischen Partnern werden bislang unerschlossene, leistungsfähige Enzyme, Mikroben oder Naturstoffe entwickelt, um sie industriell nutzbar zu machen. Ob Kosmetik-Industrie (mehr...), Biobergbau (mehr…) oder Naturstoffchemie (mehr…), das damit verfolgte Ziel ist jeweils das gleiche. Auf der Basis des hauseigenen Mikroben-Archivs sollen entweder klassisch-chemische Prozesse durch ressourcenschonende biobasierte Verfahren ersetzt oder durch einen Griff in den Werkzeugkasten der Natur gleich gänzlich neue Produkte mit überlegenen Eigenschaften geschaffen werden. Nach Firmenangaben lag die wirtschaftliche Gesamtleistung der Firma im Geschäftsjahr 2014/15 bei insgesamt 25,7 Mio Euro. Mit 53% trägt der Geschäftsbereich "Bioindustrial", der sich auf die Entwicklung und den Vertrieb eigener Produkte konzentriert, mehr als die Hälfte zur Gesamtleistung der Unternehmensgruppe bei. Hinzukommen die Erlöse aus dem Geschäftsbereich "Bioscience".

Brain: Vom Forschungspartner zur Firmengruppe

Denn mit dem Wissen um die mikrobielle Vielfalt hat sich Brain in den vergangenen Jahren als strategischer Forschungspartner für die Industrie etabliert und arbeitet inzwischen mit mehr als 100 Unternehmen zusammen, darunter viele Industriegrößen wie Evonik, BASF, DSM oder Symrise. Die Zwingenberger sind hier in einer ganzen Bandbreite von Branchen unterwegs: Angefangen über Chemie, Ernährung über Kosmetik bis hin zum Bergbau. Für Schlagzeilen sorgte unter anderem die mit mehreren Millionen Euro dotierte Forschungssallianz „Natural Life Excellence Network 2020“ (Natlife2020), die durch Brain koordiniert wird (mehr...)

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Mit Mehrheitsbeteiligungen auf Wachstumskurs

In den vergangenen Jahren hat sich die Brain darüber hinaus durch fünf Mehrheits- sowie zwei Minderheitsbeteiligungen in der Wertschöpfungskette immer breiter aufgestellt und von der Produktion bis hin zum Vertrieb Kompetenzen zugekauft. Zuletzt haben die Zwingenberger 51% an der Weissbiotech GmbH im münsterländischen Ascheberg und der Weissbiotech France Sarl in Chanteloup-en-Brie nahe Paris übernommen, um gemeinsam den Markt für Industrieenzyme aufzurollen (mehr...). Mitte 2014 wurde der Potsdamer Naturstoffspezialist Analyticon in die Firmengruppe geholt (mehr...). 2012 hatte sich Brain ein Portfolio an Kosmetik-Unternehmen zugelegt (mehr...), um eigene Produkte nicht zu entwickeln, sondern sie auch herzustellen und in den Markt zu bringen. Ähnliches soll nun auch in der Ernährung – etwa bei natürlichen Lebensmittelinhaltsstoffen – oder in der Medizintechnik gelingen. „Künftig wollen wir uns zum Beispiel im Bereich Wundpflege engagieren und uns hier den Marktzugang eröffnen“, betonte Eck im Sommer, als sich die Führungsmannschaft der Firma neu aufgestellt hatte (mehr...). 

Neuer Schwung für Biotech an der Börse?

Ob der Börsengang in Frankfurt für neuen Biotech-Aufschwung sorgt, bleibt abzuwarten. Schon lange versucht die Deutsche Börse, wieder attraktiver für Technologiefirmen zu werden. Zuletzt wurde das Deutsche Börse Venture Network ins Leben gerufen, um Wachstumsfinanzierungen zu erleichtern (mehr...). Die USA sei für die Brain AG explizit nicht in Frage gekommen. "Der Ziel unseres Börsenganges ist eine signifikante Kapitalerhöhung, um unser weiteres Wachstum zu finanzieren. Wir streben keinen bewertungsoptimierten Exit-IPO an", so Eck.

© biotechnologie.de/sw
 

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