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UK: Grünes Licht für Genomchirurgie an Embryonen

Britische Forscher dürfen mittels Genomscheren das Erbgut von wenige Tage alten Embryonen bearbeiten. Eine staatliche Behörde gab erstmals dafür grünes Licht. <ic:message key='Bild vergrößern' />
Britische Forscher dürfen mittels Genomscheren das Erbgut von wenige Tage alten Embryonen bearbeiten. Eine staatliche Behörde gab erstmals dafür grünes Licht. Quelle: Monkey Business/ fotolia.de

03.02.2016  - 

Grünes Licht für Keimbahn-Experimente: Erstmals hat eine britische Behörde Forschern erlaubt, das Erbgut von lebensfähigen menschlichen Embryonen gezielt zu verändern. Dazu wollen die Entwicklungsbiologen aus London die Genomschere CRISPR-Cas9 einsetzen. Dieses molekulare Präzisionswerkzeug gibt es erst seit drei Jahren, seitdem hat es die biomedizinische Forschung umgekrempelt. Die Genehmigung für die Experimente gilt allerdings nur für Embryonen, die maximal zwei Wochen existieren. Sie dürfen auch nicht in eine Gebärmutter eingepflanzt werden. In Deutschland sind solche Experimente aufgrund des Embryonenschutzgesetzes strikt verboten, doch der Gesetzestext gilt mit Blick auf die neuen Techniken als veraltet und lückenhaft.

Mit der revolutionären Technik des Genome Editing lässt sich Erbinformation gezielt bearbeiten und verändern und so die Funktion von Genen untersuchen – und dies preiswert, schnell und mit relativ einfachen Mitteln. Die Entdeckung hat in den letzten Jahren eine neue Diskussion um Möglichkeiten, Grenzen und Ethik entfacht. Insbesondere Erbgut-Eingriffe in die Keimbahn, also in Samenzellen, Eizellen und wenige Tage alte Embryonen, gelten als umstritten, da sie zu Veränderungen führen, die an spätere Generationen weitergegeben werden können.

Grünes Licht für Londoner Embyrologin
Nun hat erstmals eine staatliche Behörde die Erlaubnis für solche Forschungsarbeiten erteilt: Wissenschaftler am britischen Francis Crick-Institut dürfen nun Genversuche an menschlichen Embryonen durchführen. Die Forscher wollen an bis zu sieben Tage alten Embryonen untersuchen, welche Gene die Weiterentwicklung von befruchteten Eizellen beeinflussen.

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Forschungsleiterin Kathy Niakan vom Crick-Institut hatte den Antrag bei der Human Fertilisation and Embryology Authority (HFEA) eingereicht. Zum Einsatz kämen dabei jene Embryonen, die bei In-vitro-Fertilisationsbehandlungen übrig blieben, so das Institut. Crick-Direktor Paul Nurse freute sich über den Bescheid: „Ich bin hocherfreut dass die HFEA Dr. Niakan’s Antrag zugestimmt hat.“ Er hofft, dass die Forschungsergebnisse helfen werden, die Erfolgschancen bei einer künstlichen Befruchtung zu verbessern.

Debatte um Grenzen für Keimbahn-Experimente
Die Genehmigung der Erbgut-Experimente an Embryonen in Großbritannien markiert einen Meilenstein in einer wissenschaftsinternen Debatte, die vor einem Jahr angestoßen wurde. Die Initialzündung gaben im März 2015 nachdenkliche Aufrufe von Spitzenforschern in den Fachjournalen Science und Nature. Renommierte Molekularbiologen und Bioethiker forderten ein weltweites Moratorium, um Manipulationen der menschlichen Keimbahn in der Reproduktionsmedizin zu stoppen (mehr...). Parallel dazu beschäftigten sich die deutschen Wissenschaftsakademien mit dem Thema. Dank neuer gentechnischer Werkzeuge lassen sich Abschnitte im Erbgut gezielt und präzise verändern. Wie genau das funktioniert, erklärt Jan Wolkenhauer in der Kreidezeit-Folge „Genome Editing“.Quelle: biotechnologie.tvDie interdisziplinäre Arbeitsgruppe Gentechnologiebericht der BBAW legte im Juli eine vielbeachtete Analyse zur Genomchirurgie beim Menschen vor, die insbesondere die ethischen und rechtlichen Aspekte der neuen Technologie und die Eingriffe in der Keimbahn beleuchtet.

Lücken im Embryonenschutzgesetz

Das Papier macht deutlich: Künstliche Veränderungen der Erbinformation in Keimbahnzellen sowie Keimbahntherapien sind in Deutschland durch das strikte Embryonenschutzgesetz zwar verboten. Doch es gibt eine Reihe von Ausnahmen und Lücken: reine In-vitro-Versuche zu Forschungszwecken an menschlichen Keimzellen etwa sind hierzulande erlaubt, solange sie nicht zur Befruchtung verwendet werden. Die Autoren des BBAW-Papiers unterstützten die Forderung nach einem internationalen Moratorium für Keimbahn-Experimente. Die Zeit des selbstauferlegten Versuchsstopps solle genutzt werden, um experimentelle, ethische und rechtliche Fragen der Keimbahntherapie offen, transparent und kritisch zu diskutieren, um die Chancen und Risiken der Technologien für Mensch und Natur klarer zu definieren und Empfehlungen für zukünftige Regelungen zu erarbeiten. Im September äußerten sich dann auch die Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina und die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) mit ähnlichem Tenor zu dem Thema.

Genomchirurgie-Gipfel in Washington
Die wissenschaftsinterne Debatte fand ihren vorläufigen Höhepunkt Anfang Dezember bei einem „International Gene Editing Summit“ in Washington. Zu der Konferenz hatten die nationalen Wissenschaftsakademien der USA, Großbritannien und China geladen. Das Fazit der dreitägigen Veranstaltung: Genome Editing in der Grundlagenforschung und der präklinischen Forschung an Keimbahnzellen müsse weitergehen. Was Keimbahnexperimente für medizinische Anwendungen – sprich mit beabsichtigter Geburt eines Kindes – angeht, bleibt das Abschlussstatement bei der Forderung eines Moratoriums: aufgrund ungelöster Sicherheitsrisiken der Technik sei es derzeit unverantwortlich, zumal auch kein breiter gesellschaftlicher Konsensus bestehe.

© biotechnologie.de/pg
 

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