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Kuschelhormon lindert Schmerzen

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Eine kleine Gruppe Oxytocin-produzierender Nervenzellen (rot) koordiniert die Freigabe von Oxytocin über Blut und Rückenmark, so dass Schmerzen gelindert werden. Quelle: Eliava et al., 2016

10.03.2016  - 

Das sogenannte Kuschelhormon Oxytocin ist an der Entstehung von Gefühlen wie Liebe und Vertrauen beteiligt. Der neuronale Botenstoff kann aber auch Schmerzen lindern, wie ein internationales Forscherteam unter Beteiligung von Max-Planck-Wissenschaftlern in Heidelberg herausfand. Danach sorgt eine kleine Gruppe von rund 30 Nervenzellen dafür, dass das Hormon auch im Rückmark ausgeschüttet wird und dort schmerzlindernd wirkt. Die Ergebnisse der Studie sind im Fachjournal Neuron (2016, Online-Vorabveröffentlichung) erschienen.

Nur wenige Moleküle im Gehirn reichen aus, um unsere Stimmung zu verändern. Gefühle wie Liebe und Vertrauen werden bekannterweise dem Botenstoff Oxytocin zugeschrieben, der umgangssprachlich auch als Kuschelhormon bezeichnet wird. Dieser Neurotransmitter, der ausschließlich im Hypothalamus des Gehirns gebildet wird, gelangt über die Hirnanhangsdrüse ins Blut und damit in unseren gesamten Körper. Vor allem beim Geburtsvorgang und der Bindung von Mutter und Kind spielt das Hormon eine wichtige Rolle. Doch die Moleküle können noch mehr. Ein internationales Team von Forschern um den Heidelberger Max-Planck-Wissenschaftler Peter Seeburg fand heraus, dass Oxytocin auch eine schmerzstillende Wirkung hat.  „Wir konnten einen neuen Aspekt der Wirkung von Oxytocin nachweisen und haben zudem eine neue Subpopulation an kleinen Oxytocin-produzierenden Neuronen entdeckt“, sagt Seeburg.

Oxytocin-Untergruppe lindert Schmerzen

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Bekannt war, dass diese Oxytocin-produzierenden Nervenzellen nicht nur mit dem Hirnstamm, sondern auch dem Rückenmark verbunden sind. Warum das so ist, war bisher unbekannt. Der Studie zufolge wird die Oxytocin-Freigabe nicht nur über das Blut, sondern auch über das Rückenmark reguliert und dort von nur einigen wenigen Zellen gesteuert. "Eine Gruppe des kleinen Zelltyps von etwa 30 Zellen sendet seine Nervenenden zu den großen Neuronen, wodurch Oxytocin über die Hirnanhangsdrüse ins Blut abgegeben als auch zum Rückenmark, wo Oxytocin als Neurotransmitter dient, um Nervenzellen zu hemmen. Es ist faszinierend, dass die Koordination der Oxytocin-Wirkung von so wenigen Zellen abhängt", erklärt Seeburg.

Basis für neue Schmerztherapien

Mithilfe der Optogenetik konnten die Forscher die Gruppe der kleinen Zellen bei Ratten gezielt mit Licht stimulieren und dazu bringen, über beide Wege mehr Oxytocin auszuschütten. Das Ergebnis:  Jene Tiere, die danach einen erhöhten Oxytocin-Spiegel im Blut hatten, waren weniger schmerzempfindlich und reagierten weniger auf Berührung eines entzündeten Fußes. Eine Hemmung der Oxytocinwirkung erhöhte dagegen das Schmerzempfinden der Tiere. Die Forscher sind überzeugt, dass diese Zellpopulation auch im menschlichen Gehirn zu finden ist, auch wenn das schwieriger zu untersuchen ist. Dieses Wissen könnte jedoch heute schon eine Basis zur Entwicklung neuer Schmerztherapien liefern.

© biotechnologie.de/bb
 

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