RNAi-Net: Funktionsanalyse des menschlichen Genoms bei bakteriellen Infektionen
Projektkoordinatior/ Project Coordinator:
Prof. Dr. Thomas F. Meyer
Max Planck Institute for Infection Biology
Department of Molecular Biology
Campus Charité Mitte
Charitéplatz 1
10117 Berlin
Germany
Phone: +49 30 28460 400
Fax: +49 30 28460 401
Email: meyer@mpiib-berlin.mpg.de
Viele Erkrankungen, die beim Menschen durch Bakterien verursacht werden, haben ihren Ursprung nicht nur auf der Seite der Mikroorganismen: Bisherige Untersuchungen konnten zeigen, dass die jeweils befallenen Wirtszellen bestimmte Faktoren bereitstellen, die für die Vermehrung der Bakterien absolut notwendig sind. Darüber hinaus setzen sie in den infizierten Zellen mitunter Prozesse in Gang, die eine Zerstörung des angrenzenden Gewebes überhaupt erst einleiten und somit die eigentliche Erkrankung ausmachen. Ein Netzwerk aus 16 Forschungsgruppen, die aus sieben Ländern stammen, hat sich nun unter dem Dach des ERA-NET PathoGenoMics zur Aufgabe gesetzt, diese Mechanismen auf der Wirtsseite bei mehreren bakteriellen Krankheitserregern genauer zu untersuchen. Sie nutzen dabei einen neuen Ansatz, dessen grundsätzliche Entdeckung im Jahr 2006 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde: die RNA-Interferenz (RNAi). Hiermit können Forscher gezielt einzelne Gene in menschlichen Zellen ausschalten. Das Konsortium will sich dieser Methode nun im Hochdurchsatz-Verfahren bedienen und erstmals die Funktion von Wirtszellgenen im Verlauf von bakteriellen Infektionen im großen Maßstab analysieren. Die Palette der Krankheitserreger reicht von Chlamydien über Salmonellen bis hin zu Staphylococcus oder Helicobacter pylori. Für die Forscher sind die Untersuchungen eine große Herausforderung: Sie müssen zuverlässige Testsysteme entwickeln, die es erlauben, durch ein Ausschalten der Gene mittels RNA-Interferenz möglichst alle beteiligten und für das Krankheitsgeschehen wichtigen Gene zu identifizieren. Während einige Gruppen diesen mehrjährigen Prozess schon angegangen sind, befinden sich andere noch am Anfang dieser, für die späteren Ergebnisse entscheidenden Konzeptionsphase. Langfristig sollen die Ergebnisse dazu beitragen, therapeutisch relevante Informationen ans Licht zu bringen. Hierbei soll auch mit dem RIGHT-Konsortium zusammengearbeitet werden, einem anderen europäischen Netzwerk, das sich der therapeutischen Nutzung der RNA-Interferenz widmet. Unter dem Dach des ERA-NET wollen die Wissenschaftler aber auch gattungsübergreifende Prozesse in den Wirtszellen identifizieren. Hierzu haben sich bereits Untergruppen innerhalb des RNAi-Nets gebildet, die sich regelmäßig austauschen werden – beispielsweise, um die Vermehrungsstrategien von Bakterien zu vergleichen, die sich intrazellulär ausbreiten, und auf diese Weise grundsätzliche Mechanismen aufzuspüren.
