Wirtschaft
BIOTECHNICA 2008: Jahresturnus hat Feuertaufe bestanden
23 Jahre nach ihrer Premiere hat sich die BIOTECHNICA noch einmal neu erfunden. So ist die größte europäische Biotechnologie-Messe zu einem umfassenden Branchentreffpunkt für Wissenschaftler, Unternehmer, Dienstleister und Zulieferer geworden. Vom 7. bis 9. Oktober kamen rund 11.000 Besucher aus 39 Ländern nach Hannover. Das Bundesminsterium für Bildung und Forschung (BMBF) war in diesem Jahr mehrfach vertreten, unter anderem mit dem Projektforum Biotechnologie, dem mobilen Biotechnikum und dem Schülerprogramm BioTech4U.
Die traditionelle Firmenausstellung ist zwar immer noch ein wichtiger, allerdings nicht mehr der einzige Teil der BIOTECHNICA. Bei der diesjährigen Veranstaltung sorgte ein hockarätig besetztes Kongressprogramm für eine breite wissenschaftliche Begleitung. „Die erste BIOTECHNICA im Jahresturnus hat Feuertaufe bestanden", sagte Stephan Kühne, Vorstandsmitglied des Veranstalters Deutsche Messe AG, auf der Abschlusspressekonferenz. Die Umstellung im vergangenen Jahr von einer zweijährigen zu einer jährlichen Messe sei die richtige Entscheidung gewesen.

Molekulare Getränke wurden auf der BIOTECHNICA ebenfalls serviert.Quelle: biotechnologie.deRund 11.000 Besucher aus 39 Ländern sind nach Hannover gekommen. "Das ist mehr, als wir erwartet haben", so Kühne. Man habe bereits vorher mit einer vergleichsweise kleineren Messe gerechnet. So waren denn auch weniger Aussteller als 2007 beteiligt: 535 aus 28 Ländern, darunter Unternehmen wie Merck KGaA, Boehringer Ingelheim, GE Healthcare, Eppendorf oder Sartorius. Sie belegten eine Fläche von 8395 Quadratmeter. Darüber hinaus sei das Convention Center komplett mit Konferenzen ausgebucht gewesen. "Es war das größte und vielfältigste Kongressangebot seit Bestehen der BIOTECHNICA“, betonte Kühne. So bilde die BIOTECHNICA nun die komplette biotechnologische Wertschöpfungskette ab. Aus Sicht der Unternehmen wurde die neue Messe gut angenommen. "Die Besucherzahlen waren im Rahmen unserer Erwartungen", sagte Thorsten Ebel von der Arbeitsgemeinschaft Life Science Research (LSR AG) unter dem Dach des Verbandes der Diagnostica-Industrie (VDGH). Mit der diesjährigen Veranstaltung sei man sehr zufrieden gewesen.

Auftaktpressekonferenz zur European BioPerspectives.Quelle: biotechnologie.deGrößtes Kongressprogramm seit Bestehen der BIOTECHNICA
Aber auch die Wissenschaftler haben für Synergieeffekte entdeckt. „Der intensive Austausch zwischen Forschung und Industrie führt zu neuen Impulsen“, sagte Thomas Scheper als Vorsitzender des Vorstands der DECHEMA-Fachgemeinschaft Biotechnologie. Die DECHEMA ist mit weiteren 21 Organisatoren Veranstalter der European BioPerspectives gewesen, die zum ersten Mal parallel zur BIOTECHNICA an allen drei Messetagen stattfand. Mehr als 500 Experten waren als Redner geladen, um sämtliche Aspekte der modernen Biotechnologie zu diskutieren. Das Themenspektrum reichte von Stammzellen- und Gentechnikforschung über regenerative Medizin sowie Trends und Perspektiven der Biotechnologie im Gesundheitswesen bis hin zur Bedeutung von Rohstoffen als Innovationstreiber für alternative Energieerzeugung. Im gesamten Kongressprogramm, zu dem auch die EU Biotech Days sowie das neue Forum "Science to Market" von der European Association of Pharma Biotechnology (EAPB) gehörten, kamen über 2 800 Teilnehmer.
Biopolitik-Konferenz: Biotech-Branche fordert Kulturwandel
Biopolitik stand gleich am ersten Tag bei der Biopolitik-Konferenz auf dem Programm, die von den deutschen Industrieverbänden unter Leitung der BIO Deutschland mit Unterstützung des BMBF organisiert wurde. Die Fragen, die hier mit den rund 200 Teilnehmern in acht parallelen Workshops diskutiert wurden, reichten von Finanzierung, Steuerrecht, über grundsätzliche Fragen des Unternehmertums bis hin zu Zulassungen von Arzneimitteln.

Vier Gewinner: Annette Kaiser, Thomas Böttcher, Stephan Sieber, Tobias May. Erika Sahrhage (OWL), Peter Lange (BMBF) und Heinz Bettmann (Biocologne) gratulieren. Quelle: biotechnologie.de"Zwar fehlt in Deutschland noch die große erfolgreiche Firmengeschichte, aber im Verborgenen tut sich viel", sagte Peter Lange vom Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF). Insbesondere die Unternehmer forderte er dazu auf, als positive Beispiele einer Gründerkultur hervorzutreten. Dieses Thema wurde auch von den Firmen selbst intensiv diskutiert. "Wir brauchen einen Kulturwandel in Deutschland", sagte etwa Karsten Henco, Neurimmune AG. Der Handlungsbedarf ist aber auch an vielen anderen Stellen da. Wie dieser konkret aussehen könnte, dazu haben sich die Konferenzteilnehmer Gedanken gemacht. Die ausformulierten Thesen sollen nach der BIOTECHNICA in einem Band zusammengefasst und der Politik überstellt werden. "Hier geht es nicht um Wünsch dir was, sondern darum, dass wir gemeinsam Verantwortung übernehmen wollen", sagte Kai Uwe Bindseil von BioTOP als Sprecher des Arbeitskreises der BioRegionen. Den Abschluss der Konferenz bildete die Verleihung des Innovationspreises der BioRegionen an Stephan Sieber (mit Thomas Böttcher) von der LMU München, Annette Kaiser von der FH Rhein-Sieg und Tobais May vom HZI.
Projektforum Biotechnologie erneut Publikumsmagnet
In der Ausstellungshalle 9 konnte - wie bereits im letzten Jahr - das vom Bundesforschungsministerium initiierte „Projektforum Biotechnologie“ die Messebesucher begeistern. Insgesamt 140 Wissenschaftler, deren öffentlich geförderten Forschungsprojekte zur Biotechnologie im Jahr 2007 abgeschlossen wurden, stellten ihre Ergebnisse vor.

Deutsche Forschung als Publikumsmagnet beim BMBF-Projektforum Biotechnologie.Quelle: biotechnologie.deInhaltlich wurden dabei alle Facetten der Biotechnologie abgedeckt, von Diagnostik über Therapieentwicklung bis hin zu Systembiologie, Pflanzenforschung sowie Bionik. Ein anderer Besuchermagnet des ersten Tages war der aus diversen Hörfunksendungen bekannte Forensiker Mark Benecke. Der Krinimalbiologe - auch bekannt als „Herr der Maden“ - musste sogar eine Zusatz-Vorstellung seiner DNA-Show geben, die am Stand der BioRegion Life Science Nord in Kooperation mit dem Hamburger Unternehmen Eppendorf stattfand.
Schülerprogramm BioTech4U voller Erfolg
Großes Gewusel war zudem jeden Tag neben der eigentlichen Ausstellungshalle der BIOTECHNICA in Halle 8 zu beobachten. Insgesamt 1500 Schüler ließen sich beim erstmals organisierten und vom BMBF unterstützten Schülerprogramm BioTech4U in die Welt der Biotechnologie einführen.

Zum ersten Mal fand das Schülerprogramm BioTech4U bei der BIOTECHNICA in Hannover statt.Quelle: biotechnologie.de"Mit dem neuen Schülerprogramm haben wir voll ins Schwarze getroffen", bilanzierte Kühne zum Abschluss und kündigte eine Wiederholung im nächsten Jahr an. Inhaltlich wurde so einiges geboten: Biologen vom Landeskriminalamt in Hannover berichteten, was in Krimi-Fernsehserien wie CSI eigentlich passiert und welche ‚echten’ Methoden dahinter stecken. Alle Besucher konnten sich selbst als Forscher ausprobieren. Darüber hinaus gab es jede Menge Möglichkeiten, sich bei Studenten, Wissenschaftlern und Unternehmern über Berufschancen und Karrieren in der Biotechnologie zu informieren. Das Highlight für jede Schülergruppe war stets der geführte Messerundgang - unter anderem zum mobilen Biotechnikum des BMBF. Das riesige Fahrzeug in Halle 9 konnte aber nicht nur die jungen Besucher begeistern. Auch das ‚normale’ Messepublikum der BIOTECHNICA ließ es sich nicht nehmen, das Hightech-Fahrzeug von innen zu begutachten.
