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Förderung

Bionik-Forschung gewinnt immer mehr an Bedeutung

01.03.2006
An der TU München ist es Forschern gelungen, Spinnenseide künstlich herzustellen.

Für Forscher bietet die Natur reichlich Inspiration. Beispiel Spinne. Ihr Seidenfaden ist zehnmal dünner als menschliches Haar, doch zwanzigmal stärker als Stahl – und gleichzeitig elastischer als Gummi. Immer öfter suchen Wissenschaftler nach solchen Vorbildern in der Natur, um sie für technische Anwendungen zu nutzen. Diese Art von  interdisziplinärer Forschung, die unter dem Namen Bionik zusammengefasst wird,  gewinnt auch in Deutschland immer mehr an Bedeutung. Das verdeutlicht der Kongress "Bionik 2006", der noch bis zum 2. März in Berlin stattfindet.

Unter dem Motto „Innovationsmotor Natur“ haben sich in der Hauptstadt 300 Experten aus Forschung, Industrie und Politik versammelt, um über neueste Entwicklungen auf dem Gebiet der Bionik zu diskutieren: im Automobilbau, der Luft- und Raumfahrttechnik, der Medizin- und Bioprozesstechnik und im Textilbereich. Organisiert wird der Kongress vom Kompetenznetz BIOKON e.V. – einem Netzwerk aus 30 Forschungseinrichtungen, das mit Hilfe des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) aufgebaut wurde. Das Treffen soll vor allem den Transfer von Forschungsergebnissen in die Praxis vorantreiben und die Kooperation zwischen öffentlichen Forschungseinrichtungen und Unternehmen stärken. Diesem Ziel hat sich auch das BMBF verschrieben: bis zum Jahr 2010 sollen insgesamt rund 50 Millionen Euro in die Förderung der Bionik-Forschung investiert werden, um einer Vielzahl von theoretischen Ideen den Sprung in die Praxis zu erleichtern. Einen Beitrag in diese Richtung leistet dabei der BMBF-Ideenwettbewerb „Bionik – Innovationen aus der Natur“, der in diesem Jahr bereits in die zweite Runde geht. Aus den 150 Projektskizzen, die bis Ende Dezember 2005 eingereicht werden konnten, wurden jetzt 20 Projekte ausgewählt. Sie erhalten insgesamt eine Million Euro.

Spinnen, Fledermäuse und Delfine als natürliche Vorbilder

Die inhaltliche Bandbreite der ausgewählten Projekte ist groß: Da werden Klebestoffe entworfen, die den Klebzungen bei Insekten nachempfungen sind oder selbstreparierende Materialen nach dem Vorbild der Wundheilung bei Pflanzen. Andere Forscher entwickeln Ultraschall-Farbsonaren, die den Bionsonaren von Fledermäusen und Delfinen abgeschaut sind. Aber auch ein Projekt zur Herstellung von Spinnenseide hat sich im Bionik-Wettbewerb des BMBF durchsetzen können. Thomas Scheibel von der Technischen Universität (TU) München hat sich dabei eines biotechnologischen Tricks bedient, um die aufwändige natürliche Produktion durch eine künstliche zu ersetzen: Er schleust maßgescheiderte Spinnenseide-Gene in Bakterien ein, um die Fasern dort im „Kilogramm-Maßstab“ herstellen zu lassen. Allerdings entsteht die Seide zunächst als konzentrierte Eiweißbrühe. Um daraus Fasern zu gewinnen, müssen die Forscher für geringfügige Veränderungen im chemischen Milieu sorgen. Ihr Vorteil: Sie können die Eiweiße aus den Spinnenfäden mithilfe von gentechnischen Methoden so verändern, dass sie für gezielte Zwecke verwendbar sind. Denkbar sind daher die verschiedensten Anwendungen der Spinnenseide: für hoch belastbare Kleidung wie Arbeitshandschuhe, für biologische abbaubares Nahtmaterial in der Chirurgie oder für reißfestes Papier.

 


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